Aktionäre kritisieren die Unternehmensstrategie
Vodafone-Chef Chris Gent in der Defensive

Die Kritik an Vodafone, dem weltgrößten Mobilfunkbetreiber, nimmt zu - wegen des gesunkenen Aktienkurses und der Konzernstrategie. Analysten haben ihre Kursziele für Vodafone nach unten revidiert.

fmd LONDON. Das Klima für Sir Christopher Gent wird rauer. Auf der gestrigen Hauptversammlung haben die Aktionäre den Chef des weltgrößten Mobilfunkgesellschaft Vodafone Plc massiv kritisiert. Pensionsfonds haben ihre Mitglieder aufgefordert, sich bei der Abstimmung über die vorgesehene Management-Vergütung für Gent zu enthalten. Angesichts "exzessiver Entlohnungstendenzen" plädierten andere Aktionäre dafür, die Pläne schlicht abzulehnen.

Diese sehen für Gent vor, 9 Millionen Aktienoptionen zu einem Durchschnittspreis von knapp 157 Pence zu erwerben. Insgesamt erhielten 42 000 Mitarbeiter rund 238 Millionen Aktienoptionen. Angesichts der Kritik kündigte der Leider der Hauptversammlung eine gründliche Untersuchung der Management-Vergütung an.

Das Timing für die üppigen Aktienoptionen ist in der Tat schlecht. Schließlich hat sich der Vodafone-Aktienkurs binnen Jahresfrist halbiert. Gemessen an dem bisherigen Höchstkurs hat die Aktie zwei Drittel an Wert verloren. Gestern sank der Titel auf ein Zwei-Jahres-Tief. Im Handelsverlauf verlor Vodafone 3,3 % und notierte bei 139 Pence.

Vor nicht allzu langer Zeit wurde Chris Gent in der Londoner City noch als begnadeter Deal-Maker gefeiert. Für seine Verdienste um die britische Industrie wurde er geadelt, ein US-Magazin kürte ihn zum Manager des Jahres. Jetzt rechnen ihm Kritiker jedoch vor, dass er in den vergangenen zwei Jahren rund 200 Mrd. Pfund für Akquisitionen ausgegeben hat, die jedoch nur noch einen Wert von 100 Mrd. Pfund darstellen. Dass es sich dabei um Buchverluste handelt, da Gent in der Regel Vodafone-Aktien als Akquisitionswährung eingesetzt hat, tut der Kritik keinen Abbruch. Zu den größten Käufen gehören der US-Mobilfunknetzbetreiber Airtouch und der deutsche Traditionskonzern Mannesmann.

Vorgeworfen wird Vodafone auch, dass der Konzern es bislang versäumt habe, eine Marke zu kreieren. Orange wird beispielsweise von der Investmentbank Schroders Salomon Smith Barney (SSSB) als stärkste Mobilfunk-Marke Europas eingeschätzt. In Großbritannien hat Orange, eine Tochter der France Télécom, Vodafone bereits bei der Zahl der aktiven Mobilfunkkunden abgehängt.

Analysten sind über die weitere Entwicklung von Vodafone gespalten. UBS Warburg hat sein Kursziel für Vodafone von 280 Pence auf 220 Pence herabgesetzt. SSSB hat seine Erwartungen von bislang 220 Pence auf 180 Pence heruntergeschraubt. Dagegen hält die Investmentbank Lehman Brothers an ihrer Kaufempfehlung fest. Die von Vodafone im Frühjahr verkündete Strategie beginne sich auszuzahlen, begründet Lehman Brothers. Vodafone hatte angekündigt, sich stärker auf Profitabilität statt auf das bloße Kundenwachstum zu konzentrieren.

Bei einer elementaren Kenngröße im Mobilfunkgeschäft, dem durchschnittlichen Umsatz je Nutzer, ist das jedoch noch nicht abzulesen. Vodafone teilte mit, dass dieser Wert zwischen März und Juni in Deutschland um 9,5 % gefallen ist, in Großbritannien um 4,9 %. Für einen weiteren Rückschlag sorgte Gents Ankündigung, dass wohl erst im September und damit drei Monate später als erwartet GPRS-Handys zur Verfügung stehen werden. Und auch die Einführung des neuen Mobilfunkstandards UMTS, der durch höhere Übertragungsraten neue Multimedia-Dienste ermöglichen soll, wird sich laut Vodafone verzögern . Der erwartete Umsatz- und Profitabilitätsschub wird sich also zumindest kurzfristig nicht einstellen.

Trotz der Börsenschwäche der Telekom-Branche plädiert Gent für einen Börsengang von J-Phone, der Mobilfunkgesellschaft von Japan Telecom. Durch den Erwerb der J-Phone-Anteile von British Telecom hält Vodafone mittlerweile 60 % an dem japanischen Mobilfunker. Auch an der Muttergesellschaft ist Vodafone beteiligt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%