Aktionäre müssen entscheiden
Beiersdorf will weiter mit Henkel kooperieren

Der "Nivea"-Hersteller Beiersdorf hält nach Worten von Vorstandschef Rolf Kunisch eine Zusammenarbeit mit dem Konsumgüterkonzern Henkel für denkbar.

Reuters HAMBURG. "Das muss man sich genau angucken", sagte Kunisch am Freitag in Hamburg. "Da gibt es bestimmte Sachen, die sich ergänzen würden", fügte er hinzu. Andererseits gäbe es auch Bereiche, die nicht zusammenpassen würden. Gleichzeitig schränkte Kunisch ein, mit Henkel gebe es darüber keine Gespräche. Letztlich wäre dies auch eine Frage der Anteilseigner. Ein Henkel-Sprecher wollte Kunischs Aussagen in einer ersten Reaktion nicht kommentieren.

Kunisch beklagte gleichzeitig, dass die Großaktionäre Allianz und Tchibo bisher nicht wie von ihm erbeten die künftige Aktionärsstruktur von Beiersdorf geklärt hätten. In Branchenkreisen wird vermutet, die anhaltenden Spekulationen über die Anteilsstruktur seien ein Grund dafür, dass Beiersdorf bislang nicht in den Deutschen Aktienindex aufgenommen wurde.

Beiersdorf, die bislang im MDax für mittelgroße Unternehmen notiert sind, gilt seit längerem als aussichtsreichster Kandidat für einen Aufstieg in das prestigeträchtige Börsensegment Dax.

Kunisch bekräftigte seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr, derzufolge der Umsatz zu konstanten Wechselkursen um sieben Prozent auf 4,9 Milliarden Euro steigen soll. Die Nettoumsatzrendite werde sich dabei voraussichtlich auf sechs Prozent belaufen. Im abgelaufenen Jahr 2002 hatte der Beiersdorf-Konzern den Umsatz zu realen Währungskursen um 4,4 Prozent auf 4,74 Milliarden Euro gesteigert und einen Reingewinn von 290 Millionen Euro ausgewiesen.

Konsumflaute in Deutschland hält an

Zum Geschäftsverlauf im ersten Quartal sagte Kunisch: "Deutschland weiterhin schwach mit stagnierenden und zurückgehenden Märkten. Das restliche Europa war weiterhin stark mit Wachstumsraten zum Teil im zweistelligen Bereich." Durch ein höheres Wachstum im Ausland hatte Beiersdorf schon in der Vergangenheit geringere Wachstumsraten im Inland mehr als ausgeglichen. Die Zahlen für die ersten drei Monate sollen Mitte Mai veröffentlicht werden.

Kunisch: Klärung durch Aktionäre lässt auf sich warten

Kunisch hatte die Großaktionäre Allianz und Tchibo nach dem Ende der Spekulationen über eine Übernahme durch den US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) um Klärung gebeten. Der Münchener Allfinanzkonzern Allianz hatte angekündigt, sich von seinem knapp 44-prozentigen Beiersdorf-Anteil trennen zu wollen und damit P&G auf den Plan gerufen. Die beiden Konzerne konnten sich aber nicht auf einen Preis einigen. P&G hatte schließlich Wella für 6,5 Milliarden Euro übernommen. Tchibo hält 30,1 Prozent an Beiersdorf und hat bereits Interesse an einer Aufstockung seiner Anteile bekundet.

Kunisch nannte als drei mögliche Optionen für die weitere Entwicklung von Beiersdorf: Das Beibehalten der derzeitigen Selbstständigkeit, eine Kooperation mit Henkel oder die Übernahme durch einen der weltweit drei Konkurrenten P&G, Unilever oder L'Oreal. Letzteres würde bedeuten, dass Beiersdorf sein Erfolgsmodell nicht fortsetzen könne. Ein Zusammengehen mit Henkel wäre als Abwehr eines Übernahmeversuchs "nicht kriegsentscheidend", sagte Kunisch. Vielmehr setze Beiersdorf auf sein bislang erfolgreiches Konzept der Konzentration auf zehn Marken mit dem Zugpferd Nivea. "Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten zehn Jahren den Umsatz verdoppeln werden", kündigte der Beiersdorf-Chef an. Das würde eine jährliche Wachstumsrate von sieben bis acht Prozent bedeuten. "Wir haben in den vergangenen zehn Jahren nachgewiesen, dass wir das aus eigener Kraft erreichen", sagte Kunisch.

Kunisch: Kooperation mit Henkel bei Klebebändern denkbar

Als mögliche Bereiche für eine Kooperation mit Henkel nannte Kunisch unter anderem das in der ausgegliederten Tochter tesa liegende Geschäft mit Klebebändern. Man könnte sich auch in Bereichen ergänzen, in denen Beiersdorf selbst nicht tätig sei. "Das wäre der Bereich Haarfärbung." Kunisch betonte zugleich, dass dies rein theoretische Überlegungen seien. "Es gibt darüber keine Diskussionen", sagte er.

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