Aktionäre segnen Kurs ab
Vivendi-Chef kommt mit blauen Auge davon

"Es ist doch alles sehr gut gelaufen", sagte der Vorstandschef des zweitgrößten Medienkonzerns Vivendi Universal am Mittwochabend in Paris nach vier Stunden Hauptversammlung, auf der es Proteste und Buhrufe hagelte.

dpa PARIS. Am Ende konnte Jean-Marie Messier befreit lachen - 5000 Aktionären stellten den Manager auf den Prüfstand und segneten schließlich seinen Kurs ab. Er versprach, seinen Expansionsdrang vorerst zu stoppen und dafür den durch Übernahmen auf 34 Mrd. Euro angewachsenen Schuldenberg schnellstmöglich zu reduzieren. "Es wird keine Großakquisitionen in diesem Jahr geben, der Schuldenabbau hat Vorrang."

Vor der Versammlungshalle machten einige hundert TV-Mitarbeiter des größten europäischen Abonnentenkanals Canal+ ihrem Ärger über die Entlassung des legendären Canal+-Gründers Pierre Lescure Luft. Sie forderten den Rücktritt Messiers. Drinnen zog der Vorstandschef alle Register. Er räumte Kommunikationsfehler ein, zeigte sich einsichtsvoll und entschlossen. "Ich habe mich zu sehr in den Vordergrund gedrängt." Er werde sich jetzt selbst mehr zurücknehmen, sagte der 45-jährige. Ihm wurde sein unverblümter amerikanischer Führungsstil angekreidet. In Paris fiel er in Ungnade, weil er die Sonderrolle der französischen Kultur in Frage stellte.

Pfiffe, aber auch Beifall erntete Messier, als er seinen Fünf-Punkte-Plan erklärte, um den Konzern aus der Krise zu führen. Dazu zählte er den Verlustabbau bei den Internetaktivitäten und bei Canal+. Durch hohe Sonderabschreibungen - allein 6 Mrd. Euro für Canal+ - wies der Konzern 2001 bei rund 57 Mrd. Euro Umsatz einen Rekordverlust von 13,6 Mrd. Euro aus. "Die Auswechslung der Managementspitze von Canal+ war zwangsläufig", wehrte Messier Kritiker ab und erhielt für diese Entscheidung Zustimmung, wenn auch nur knapp. Er wollte allerdings von früheren Aussagen, die Mehrheit bei der mit Vivendi-Schulden belasteten Wasserversorgungstochter Vivendi Environnement unter 50 Prozent zu drücken, nichts mehr wissen. "Das steht nicht auf dem Plan."

Der Verwaltungsrat habe einstimmig für seinen Kurs votiert, versicherte Messier. "Unser Ziel ist es, in den Medien bei den Verbrauchern weltführend zu werden", sagte der Spitzenmanager, der in den vergangenen Jahren ein Imperium schuf, das von den Universal Filmstudios, über den größten Musikproduzenten Universal Music bis zum digitalen Fernsehen reicht.

Der Aufwärtskurs des Unternehmens werde durch die Zahlen im ersten Quartal belegt, sagte Messier. Nach vorläufigen Angaben stieg der Umsatz in der Mediensparte um 12 Prozent auf 7,1 Mrd. Euro. Der operative Gewinn habe sich um 27 Prozent auf 36 Mill. Euro erhöht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sei um 16 Prozent auf 1,17 Mrd. Euro gewachsen.

Mit Zustimmungsquoten um die 77 Prozent auf der Hauptversammlung für Strategie und Zahlenwerk kam der Vivendi-Chef schließlich mit einem blauen Auge davon. In den Vorjahren gab es noch Quoten um die 90 Prozent. Der Plan zur Ausgabe von Aktienoptionen als Belohnung für das Management fiel dagegen durch. Nach dem Einbruch des Börsenkurses (seit Jahresbeginn um fast 40 Prozent) empfanden die Aktionäre dies denn doch als zu große Zumutung. Auch in diesem Fall bleibt Messier stur: Er will den Plan mit einigen Änderungen nochmal vorlegen.

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