Aktionäre setzen Führungsspitze mit Gegenanträgen unter Druck
Abrechnung mit den Kapitalvernichtern von Daimler-Chrysler

Zu Tausenden werden die Aktionäre von Daimler-Chrysler am Mittwoch auf das Berliner Messegelände pilgern. Viele treibt die Wut über drastische Kursverluste nach der Fusion mit Chrysler erstmals zur Hauptversammlung des drittgrößten Automobilkonzerns der Welt.

afp BERLIN. Das Wort von der "Kapitalvernichtung" ist in aller Munde. Aktionärsschützer nutzen die Gelegenheit und wollen Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung verweigern. Wirkliche Chancen haben sie nicht. Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp, der die Fusion mit dem US-Autobauer eingefädelt hat, dürfte auf der Aktionärsversammlung aber einige höchst unangenehme Stunden erleben.

Die Daimler-Chrysler-Hauptversammlung sprengt in diesem Jahr alle Dimensionen. 18 000 seiner insgesamt 1,9 Millionen Aktionäre erwartet das deutsch-amerikanische Unternehmen zum Showdown in Berlin - 4 000 mehr als im vergangenen Jahr. Fünf große Hallen hat der Autobauer auf dem Messegelände gemietet. Sollten überraschend noch mehr Anleger nach Berlin reisen, stehen drei weitere Säle in Reserve.

Bei 28 Gegenanträgen zur vorgeschlagenen Tagesordnung rechnet die Daimler-Chrysler-Führung erst in den späten Abendstunden mit einem Ende der Hauptversammlung. Die Kritikpunkte sind so vielfältig wie die Betätigungsfelder des Konzerns: Wie schon in den Jahren zuvor werden Rüstungsgegner das Unternehmen wegen der Beteiligung am Bau von "Submunitionsminen" und gar "der Entwicklung neuer Atomraketen" an den Pranger stellen. Umweltschützer protestieren per Hauptversammlungsantrag gegen die Zuschüttung des Mühlenberger Lochs auf dem Hamburger Airbus-Gelände. Und der Aktionär Otto Kleinert moniert, dass Daimler-Chrysler seine Luxusklasse anders als BMW nicht mit einem Navigationsgerät ausstattet, "das einen Empfang von Kurzwellen gestattet, so dass man auch im Ausland einwandfrei deutsche Sender empfangen kann".

Kleinaktionäre ziehen "katastrophale Bilanz"

Den meisten Aktionären geht es aber ums Geld und die Verluste, die Chrysler dem einst hochprofitablen Konzern beschert hat. Ein operativer Verlust von bis zu 1,7 Mrd. Euro (3,3 Mrd. DM) wird erwartet. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) zieht in ihrem Antrag dann auch eine "katastrophale Bilanz" der Fusion mit dem US-Autobauer: "Der Börsenwert des Konzerns ist seit Frühjahr 1998 um rund 50 Mrd. DM geschrumpft", werfen die Aktionärsschützer Schrempp vor. Auch das Engagement bei Mitsubishi produziere Milliardenverluste. "Gerade angesichts der aktuellen Erfolgsmeldungen inländischer Konkurrenten muss dieses Desaster als hausgemacht betrachtet werden." Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wirft dem Vorstand vor, den Aktionären verschwiegen zu haben, "dass Chrysler schon bei einer leicht schwächeren Automobilkonjunktur ein Sanierungsfall ist".

Zeitgleich mit dem Vorstand wollen die Aktionärsschützer auch dem Aufsichtsrat das Vertrauen entziehen. Dieser habe "seine Überwachungsfunktion vernachlässigt und nicht vermocht, der Kapitalvernichtung in Milliardenhöhe Einhalt zu gebieten", heißt es im Antrag der SdK. Notwendig für die Entlastung ist laut Aktiengesetz die "Mehrheit der abgegebenen Stimmen".

Schrempp muss keinen Eklat fürchten

Die Aktionärsschützer wissen, dass sie die Entlastung nicht verhindern können. "Wir machen uns keine Illusionen", sagt SdK-Vorstandsmitglied Reinhild Keitel. Zwar stellen Privatanleger ein Viertel der Daimler-Chrysler-Aktionäre, der Großteil scheut aber den Weg zur Hauptversammlung und überlässt das Stimmrecht Banken oder Aktienfonds. "Die großen Fonds werden sich nicht hinter die Gegenanträge stellen", sagt Keitel. Schon allein mit den Großaktionären Deutsche Bank (12 %) und dem Emirat Kuwait (7 %) im Rücken müsse Schrempp keinen Eklat fürchten. "Die Mehrheiten sind festgezurrt", sagt Keitel. Interessant werde aber, "wieviele gegen die Entlastung stimmen".

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