Aktionäre sind unzufrieden mit der Unternehmensführung
Internationale Anleger fordern mehr Einfluss bei Ericsson

Der Telekomriese LM Ericsson durchlebt momentan turbulente Zeiten. Nicht nur die Milliardenverluste der Handy-Sparte, die Auslagerung der gesamten Produktion von Mobiltelefonen und die Ernüchterung in Sachen UMTS machen dem größten schwedischen Unternehmen schwer zu schaffen. Jetzt regt sich auch Widerstand gegen die Eigentümerstruktur.

STOCKHOLM. Mehrere der größten Ericsson-Aktionäre sind unzufrieden mit der Konzernleitung und fordern Veränderungen im Aufsichtsrat und im Vorstand. Der schwedische Versicherungskonzern Skandia, der 5 % der Stimmrechte und 1 % des Kapitals an Ericsson hält, hat offen erklärt, dass er am liebsten eine Zusammensetzung des Aufsichtsrates sähe, die "so gut wie möglich für das Unternehmen ist". Die Ansicht wird von Analysten geteilt: Bei einer Umfrage erklärten 11 von 12 Experten, dass sie mit der Konzernführung nicht zufrieden sind. Dass es überhaupt Diskussionen über die Zusammensetzung gibt, hat etwas mit der besonderen Eignerstruktur des Konzerns zu tun.

Es sind im Prinzip zwei einflussreiche schwedische Machtsphären, die Ericsson kontrollieren. Auf der einen Seite die zur Industriellenfamilie Wallenberg gehörende Investmentgesellschaft Investor, auf der anderen Seite Industrievärden, die Investmentgesellschaft von Handelsbanken, einem der größten schwedischen Finanzinstitute. Beide Blöcke kontrollieren zusammen 81,5 % der Stimmrechte (Handelsbanken 42,6 %, Wallenberg 38,9 %) und haben damit zusammen das alleinige Sagen, obwohl sie nur 9 % des Kapitals an Ericsson halten. Möglich wurde das, weil es A-Aktien mit jeweils einer Stimme sowie B-Aktien mit nur einer tausendstel Stimme gibt.

Der Missmut vieler B-Aktionäre ist verständlich: In- und ausländische Fonds halten am schwedischen Telekommunikationsriesen mehr als die Hälfte des Kapitals, haben aber nur ein paar Prozent der Stimmrechte. Nachdem sich der Börsenkurs von Ericsson innerhalb eines Jahres mehr als halbiert hat, ist die Unruhe bei diesen Investoren deutlich gewachsen. Sie fordern mehr Einfluss auf die Besetzung der Unternehmensleitung.

Die Wallenberg - und die Handelsbanken-Sphäre haben bisher eine von den großen, zumeist ausländischen institutionellen Ericsson-Anlegern geforderte Veränderung der Aktienstruktur abgelehnt und zu verstehen gegeben, dass sie nur bei einer entsprechenden finanziellen Kompensation einer Angleichung der Stimmrechte zustimmen und damit auf den Einfluss verzichten würden. Dafür gibt es derzeit aber keine Mehrheiten; auch nicht, weil sich die beiden Machtblöcke nicht einig sind.

"Die Machterhaltung kann für die beiden Blöcke wichtiger als das Wohl des Unternehmens sein", erklärte ein Stockholmer Analyst dem Handelsblatt. Der Experte, der namentlich nicht genannt werden wollte, befürchtet, dass eine notwendige Erneuerung des Konzerns durch die Eignerstruktur blockiert werde. Auf der Hauptversammlung am 28. März wird es mit Sicherheit harsche Kritik an der jetzigen Struktur geben, doch Insider glauben nicht an eine baldige Veränderung. Allenfalls begegnet Ericsson der Kritik mit der Berufung von ausgewiesenen Telekom-Experten in den Aufsichtsrat.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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