Aktionäre stimmen am Dienstag über Übernahme durch Deutsche Telekom ab
US-Senator gegen Voicestream-Kauf

US- Senator Ernest Hollings hat seinen Widerstand gegen die Übernahme des Mobilfunkunternehmens Voicestream Wireless Corp. durch die Deutsche Telekom noch nicht aufgegeben. In einem Brief an den neuen Vorsitzenden der US-Telekommmunikationsaufsicht FCC, Michael Powell, bezeichnete der demokratische Senator die jüngsten Stellungnahmen deutscher Politiker zur Zukunft von Telekom-Chef Ron Sommer als Beweis, dass die Telekom nach wie vor ein Staatsunternehmen sei.

HB NEW YORK/WASHINGTON. Verschiedene Politiker hätten Sommers Rücktritt gefordert, und das Finanzministerium habe Sommer daraufhin das Vertrauen ausgesprochen, schrieb Hollings.

Seiner Ansicht nach ist die geplante Übernahme von Voicestream rechtswidrig, weil die Telekom mehrheitlich noch dem Bund gehört. Hollings versucht seit einem Jahr, die Voicestream-Übernahme zu verhindern. Er beruft sich auf ein Gesetz, nach dem ausländische Firmen mit mehr als 25 % Staatsbeteiligung kein US-Telekomunternehmen kaufen dürfen. Mitunterzeichner des Briefes an die FCC ist John Dingell, einer der einflussreichsten demokratischen Wirtschaftspolitiker im Repräsentantenhaus.

Die FCC muss die Übernahme von Voicestream noch genehmigen. "Mit seinem Brief will Senator Hollings unterstreichen, dass er den Fall Voicestream nach wie vor intensiv verfolgt", begründete Hollings-Sprecher Andy Davis den erneuten Vorstoß. Einen konkreten Gesetzesentwurf bereite der Senator allerdings derzeit nicht vor.

Im vergangenen Herbst war Hollings mit dem Versuch gescheitert, der FCC durch einen Zusatz zu einem Haushaltsgesetz die Bearbeitung der Voicestream-Übernahme zu verbieten. Damit wäre der Abschluß der Fusion zumindest verzögert worden.

Anwalt William Lake von der Kanzlei Wilmer, Cutler & Pickering, der die Telekom in Washington vertritt, hält den jüngsten Hollings-Brief nicht für einen Rückschlag. "Der Brief wird keinen Einfluß haben, weil nichts Neues drinsteht", sagte Lake dem Handelsblatt. Lake erwartet nicht, dass Hollings noch einmal eine Gesetzesinitiative im Kongress starten wird.

Das Parlament sei mit der Debatte über die Steuersenkungen von Präsident George W. Bush bis zum Sommer so ausgelastet, dass Hollings nicht genug Aufmerksamkeit für sein Vorhaben erhalten werde. Die Hollings-Initiative im vergangenen Jahr war bei der Telekom deutlich ernster genommen worden, weil wegen der US-Wahlen im November das Thema leichter außer Kontrolle hätte geraten können.

Der jüngste Personalwechsel an der Spitze der FCC - von William Kennard zu Michael Powell - wird nach Ansicht von Lobbyist Lake keine Auswirkungen auf die Genehmigung der Voicestream-Übernahme haben. "Die FCC unter Kennard hätte den Deal ebenso genehmigt wie ihn die FCC unter Powell genehmigen wird", sagte Lake. Der Anwalt erwartet eine Entscheidung der Behörde "in wenigen Wochen".

Die Voicestream-Aktionäre werden bereits am Dienstag über die Fusion abstimmen. Der Vize-Vorstandschef von Voicestream, Donald Guthrie, hält die Chancen für ausgezeichnet, dass die Fusion im Juni abgeschlossen wird, wie er auf einer Investorenkonferenz in der vergangenen Woche sagte.

Anleger sind ebenfalls zuversichtlich, dass die Fusion vollzogen wird. "Alle die nicht hinter dem Deal stehen, haben bereits verkauft", sagte ein Fondsmanager. Die Voicestream-Aktionäre haben die Möglichkeit zum Ausstieg aus dem Fusionsvertrag, wenn der Telekom-Kurs kurz vor Abschluß der Fusion unter ein bestimmtes Niveau fallen sollte.

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