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Aktionäre stimmen über Bayer-Umbau ab

Die Aktionäre des Bayer-Konzerns werden an diesem Freitag über die Umstrukturierung des Chemie- und Pharmakonzerns abstimmen. Die Zustimmung gilt als Formsache.

Reuters LEVERKUSEN. Der Umbau von Bayer in eine strategische Holding mit den vier rechtlich selbstständigen Gesellschaften Gesundheit, Pflanzenschutz, Polymere und Chemie ist bereits in vollem Gange. Ab dem 1. Juli will Bayer in der neuen Organisationsform operieren, offiziell soll die Holding mit Wirkung zum 1. Januar 2003 gegründet werden.

Für Manfred Schneider ist die Hauptversammlung zugleich der letzte Arbeitstag als Vorstandsvorsitzender, bevor er den Stab an den bisherigen Finanzvorstand Werner Wenning weitergibt. Nach zehn Jahren an der Spitze von Bayer will Schneider nach der Tradition des Hauses künftig dem Aufsichtsrat vorstehen. Die neue Konzernstruktur trägt bereits deutlich die Handschrift des bisherigen Kronprinzen. Bereits in den vergangenen sechs Monaten seien Entscheidungen zur Neuorganisation gemeinsam getroffen worden, berichtete Wenning im Vorfeld des Amtswechsels.

Ausblick für Gesamtjahr erwartet

Nachdem sich Schneider bei der Vorlage der Bilanz Mitte März wegen der unsicheren konjunkturellen Lage mit einem konkreten Ausblick auf das Gesamtjahr zurück gehalten hatte, werden von ihm bei dem Aktionärstreffen genauere Aussagen erwartet. Gespannt wird auch jede Äußerung zum Stand der Partnersuche im Gesundheits- und Chemiegeschäft verfolgt werden. Denn noch wichtiger als die Gewinnentwicklung ist für den künftigen Kurs der Bayer-Aktie eine klare Perspektive für den Pharma- und Chemiebereich, wie etwa die Analysten der Hypovereinsbank schreiben. Das weiß auch Wenning: "Die Verbesserung der Börsenkapitalisierung hängt wesentlich von einer Lösung des Problems im Pharmabereich ab."

Trotz des notwendigen Drucks gilt eine schnelle Lösung als unwahrscheinlich. Im Pharmageschäft sind die Wunschpartner von Bayer, die in den kommenden Jahren erfolgreich neue Produkte auf den Markt bringen können und ein starkes Standbein in den USA haben, selten. Zudem besteht Bayer auf die Mehrheit bei solch einer Partnerschaft. Auch im Chemiegeschäft sucht Bayer nach einem Partner und will sich auch hier nicht mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden geben.

Industriegeschäft drückt erneut auf Quartalsergebnis

Die Ergebnisse des ersten Quartals, die Bayer unmittelbar vor der Hauptversammlung vorlegen will, werden nach Ansicht von Analysten erneut durch die schwache Konjunktur belastet sein. Die Sparten Chemie und Polymere haben daher den Schätzungen zufolge deutlich unter dem entsprechenden Vorjahreswert liegende operative Ergebnisse erwirtschaftet und das Konzernergebnis nach unten gezogen. Besser Abschneiden soll der Pflanzenschutzsektor, der zum Jahresanfang traditionell das meiste Geschäft macht. Schwer einschätzen läßt sich nach Aussagen der Branchenexperten die Entwicklung in der Gesundheitssparte. Negativ schlage hier unter anderem der Wegfall des zurückgerufenen Cholesterinsenkers Lipobay zu Buche. Positiv könnten sich zusätzliche Lieferungen des Antibiotikums Ciprobay auswirken.

Im Durchschnitt erwarteten von Reuters befragte Analysten für das erste Quartal ein um 47 Prozent niedrigeres operatives Ergebnis aus dem laufenden Geschäft vor Sonderposten von 498 Millionen Euro. Auch beim Umsatz für das fortgeführte Geschäft erwarten die Experten mit im Durchschnitt 7,25 Milliarden Euro einen Wert unter dem Vorjahresniveau von 7,66 Milliarden Euro.

Schneider selbst hatte bei der Bilanzvorlage im März gesagt, der Start in das Jahr habe nicht ganz den eigenen Erwartungen entsprochen.

Libobay-Rückruf erneut im Fokus der Aktionäre

Der im August 2001 vom Markt genommene Cholesterinsenker Lipobay, der auf Grund von Nebenwirkungen mit rund 100 Todesfällen in Zusammenhang gebracht wird, wird am Freitag erneut die Aktionäre beschäftigen. "Der Fall Lipobay wird aufgearbeitet werden müssen", sagte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) will den Vorstand nicht entlasten, da sie erhebliche Defizite in der Informationspolitik beim Rückruf des Medikaments sieht. Bayer weist die Vorwürfe zurück und betont, die Öffentlichkeit nach der Entscheidung unverzüglich informiert zu haben. Der Rückruf von Lipobay hatte im vergangenen Jahr zu einem Gewinneinbruch beigetragen und die Umstrukturierung des Konzerns mitangestoßen.

Gegenanträge zur Neuordnung des Bayer-Konzerns liegen nach Unternehmensangaben nicht vor. Analysten und Aktionärsvertreter erwarten eine breite Zustimmung der Aktionäre. "Aktionärsvertreter haben das ja seit Jahren gefordert", sagt etwa Keitel von der DSW. "Die Frage ist aber, ob das nicht nur ein halber Schritt ist und man weiter gehen müsste."

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