Aktionäre üben harte Kritik an Mehrheitseigner Kirch – Vorstandschef Rohner bleibt pessimistisch
Zukunft von Pro Sieben bleibt im Dunkeln

Die Kleinaktionäre von Pro-Sieben 1-Sat müssen sich gedulden: Erst wenn die Zukunft von Mehrheitseigener Kirch Media geklärt ist, werden sie wissen, wie es mit der Sendergruppe weiter geht.

jojo MÜNCHEN. Die nächsten Wochen werden für die unabhängigen Aktionäre der Pro Sieben Sat 1 Media AG spannend. Vermutlich Anfang August werden die Kleinaktionäre erfahren, wer künftig die Mehrheit der TV-Sendergruppe übernimmt. Dann ist es auch möglich, dass der neue Eigentümer ihnen ein Abfindungsangebot machen muss.

Noch ist es aber nicht so weit: Derzeit suchen die neuen Geschäftsführer von Mehrheitseigentümer Kirch Media nach einem Investor für das insolvente Stammgeschäft von Leo Kirch - und damit auch nach einem neuen Eigentümer der Münchener Sendergruppe. Pro-Sieben-Chef Urs Rohner sprach gestern auf der Hauptversammlung in München von einem "verstärkten Interesse verschiedener Investoren"an dem im M-Dax notierten Unternehmen, wollte aber keine Details nennen. Kirch-Media-Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems sagte am Rande der Veranstaltung, nicht nur Medien-, sondern auch Finanzkonzerne hätten Interesse an Kirch Media und Pro Sieben gezeigt.

Pro Sieben Sat 1 gilt als die Perle von Kirch Media. In der insolventen Firma hat der Medienunternehmer Leo Kirch sein Stammgeschäft gebündelt, den Film- und Sportrechtehandel sowie die Fernsehsender.

Wie fast alle Medienunternehmen leidet die Pro-Sieben-Gruppe mit ihren vier Sendern Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N 24 seit Monaten unter dem schweren Einbruch am Werbemarkt. Rohner rechnet damit, dass der Fernsehwerbemarkt hier zu Lande im laufenden Jahr um 5 % zurück geht. Seinen Aktionären versprach er, dass "die Umsatzentwicklung der Pro-Sieben- Sat 1-Gruppe jedoch etwas besser als der Markt ausfallen wird". Im ersten Halbjahr lagen die Einnahmen des Unternehmens etwa 4 % unter dem Vorjahr. Rohner erwartet ein positives Vorsteuerergebnis, nannte aber keine genauen Zahlen.

Ein kräftiger Aufschwung ist aber noch lange nicht in Sicht: Frühestens in den letzten drei Monaten des Jahres würde die Industrie wieder mehr Werbung buchen, bleibt Rohner zurückhaltend, "auch wenn es seit einiger Zeit erste verhaltene Anzeichen für eine Trendwende gibt".

Die Kleinaktionäre griffen gestern auf der Hauptversammlung vor allem Mehrheitseigentümer Kirch Media an. "Die geplante Fusion mit Kirch Media hätte Pro Sieben um ein Haar in den Abgrund gerissen", sagte Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Ursprünglich sollte Kirch Media mit Pro Sieben verschmolzen und in diesem Sommer an die Börse gebracht werden. Wegen der Schwierigkeiten von Kirch Media musste Kirch diese Pläne aufgeben. Bei Pro Sieben schlugen die Vorbereitungen für den Zusammenschluss mit mehr als 12 Mill. Euro zu Buche. Für Schneider ein "Attentat" auf Pro Sieben.

Für Ärger bei den freien Aktionären, die nur die stimmrechtslosen Vorzugsaktien halten, sorgte auch die Absage der geplanten Umwandlung ihrer Papiere in Stammaktien. Dies war von Kirch Media schon vor Beginn des Insolvenzverfahrens aufgegeben worden. Die Kirch-Gläubiger hatten befürchtet, dass ihre Anteile durch die Umwandlung an Wert verlieren. Kirch Media hält nur knapp 53 % des Grundkapitals von Pro Sieben, aber fast 90 % der Stimmrechte. Die restlichen Stammaktien gehören dem Axel-Springer-Verlag, mit dem sich Firmengründer Leo Kirch derzeit heftige Gefechte liefert. Sdk-Chef Schneider verspricht sich von der Umwandlung nach wie vor steigende Kurse. Eine Entscheidung darüber muss nun der neue Mehrheitsaktionär treffen. Gestern gaben die Vorzüge in einem schwachen Markt um rund 1 % nach.

Quelle: Handelsblatt

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