Aktionäre von British Telecom besiegeln Aufspaltung des Konzerns
O2 droht eine schnelle Übernahme

Der Traditionskonzern British Telecom wird in zwei Unternehmen aufgespalten. Mit dem Start des neuen Mobilfunkers mmO2 dürfte neue Bewegung in den europäischen Handymarkt kommen. Der Börsengang gilt als Stimmungstest für die gesamte Branche. Es ist jedoch fraglich, ob die O2-Gruppe überlebt.

HB BIRMINGHAM. Piratendress und Räuberkluft - so empfingen Demonstranten die Aktionäre von British Telecom (BT) vor der außerordentlichen Hauptversammlung in Birmingham. Die Gewerkschaften hatten dazu aufgerufen. Sie protestierten gegen die Abspaltung der Mobilfunksparte in ein eigenständiges Unternehmen mit dem Namen "mm02". "Wir werden beraubt", riefen einige der rund 200 Demonstranten. Vor allem BT-Kleinanleger fühlen sich durch die Aufteilung des traditionsreichen Konzerns um die Chancen und das Wachstumspotential im Mobilfunkmarkt gebracht.

Die "Räuber"-Parolen richteten sich aber auch gegen die Bezahlung der Chefs der neuen Firma, die am 19. November an den Börsen in London und New York starten soll.

Die Proteste nutzten nichts. Mit klarer Mehrheit wurde die BT-Aufspaltung beschlossen. Zwar hat der Konzern 1,7 Millionen private Kleinaktionäre, doch die institutionellen Investoren zeichnen für rund 80 % des Kapitals. "Die Aufteilung des Konzerns ist aus unserer Sicht die beste Lösung", sagte ein Fondsmanager.

Dennoch sehen auch Analysten die Gefahr, dass das neue Unternehmen mmO2 nach dem Börsengang zum Übernahmekandidaten wird. Selbst Chef Peter Erskine räumt dies offen ein. Es werde zu einer Konsolidierung in der Branche kommen, erklärte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Wir werden aber alles im Sinne unserer Aktionäre tun."

Allerdings spricht die Bewertung des neuen Konzerns, zu dem unter anderem auch die deutsche Viag Interkom gehören wird, eine andere Sprache. Der geschätzte O2-Wert ist in den vergangenen Wochen schrittweise gesunken. Von den ursprünglichen 16 Mrd. £ sind die Analysten in London längst weit entfernt. Inzwischen wird mmO2 mit 10 Mrd. £ bewertet, einige Experten halten sogar nur 6 Mrd. £ für realistisch.

Damit wäre O2 ein "Schnäppchen", denn die Gruppe startet mit wenig Schulden (500 Mill. £), hat 16,9 Millionen Kunden sowie UMTS-Lizenzen in den Niederlanden, Deutschland und Großbritannien. Analysten sehen Telecom Italia Mobile (TIM) und die spanische Telefónica Móviles als Käufer.

BT-Chef Peter Bonfield verteidigte gestern in Birmingham dennoch die Aufteilung. Beide Firmen seien stark genug als "Blue Chips" im FTSE-100-Index und böten eine gute Chance für Anleger. O2 wird jedoch nicht neu an die Börse gebracht. Statt dessen gibt es für jede BT-Aktie ein O2-Papier.

Mit mmO2 hat T-Mobile eine Partnerschaft für den Aufbau der UMTS-Netze geschlossen. Dies soll den Briten Ersparnisse von 1 Mrd. £ bringen. Allerdings will sein Unternehmen in den kommenden fünf Jahren mehr als 8 Mrd. £ in den Aufbau der dritten Mobilfunkgeneration stecken.

Für die verlustreiche Viag Interkom rechnet Erskine Anfang 2003 mit Gewinn. Die deutsche Tochter mit 3,7 Mill. Kunden und 4300 Mitarbeitern werde "weiter beträchtliche Finanzmittel benötigen", heißt es im Börsenprospekt.

Für Ärger hatte vor der Abstimmung die Bezahlung des O2-Managements gegeben. Chef Peter Erskine und Chairman David Varney bekommen neben Millionen-Gehältern einen Bonus von rund einer halben Million DM - nur für den Vollzug des Börsengangs.

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