Aktionärsgruppe will sich Mehrheit an Beiersdorf sichern
Familie spaltet Tchibo-Reich

Die Hamburger Kaufmanns- Dynastie Herz teilt das Familiensilber: Die einen erhalten den Kaffeeröster Tchibo, die anderen die Mehrheit an Beiersdorf-dafür wird Reemtsma verkauft.

HAMBURG. Für den langen Streit in der Eigentümerdynastie des Hamburger Kaffee-, Zigaretten- und Kosmetikimperiums Tchibo bahnt sich eine Lösung an: Die verfeindeten Geschwistergruppen der Hamburger Familie Herz planen die Aufteilung ihres Familienvermögens. Denn ihre erbittert geführte Auseinandersetzung blockiert die Entwicklung der Holding seit Jahren. Vermittler hierbei ist der Münchener Rechtsanwalt Reinhard Pöllath, Aufsichtsratsmitglied der Tchibo-Holding AG. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Kontrollgremiums.

Tchibo hält drei milliardenschwere Beteiligungen: 30 % an der Beiersdorf AG (Nivea, Hansaplast, Tesa), 75 % am drittgrößten deutschen Zigarettenhersteller Reemtsma (West) und 100 % an der Tchibo-Frisch-Röst Kaffee GmbH (Tchibo/Eduscho). Ohne Beiersdorf ergibt sich daraus ein Umsatzvolumen der Gruppe von 5,4 Mrd. Euro. Nach dem Teilungsplan sollen die Brüder Michael, Wolfgang und Joachim, die zusammen 50,5 % der Anteile der Hamburger Tchibo-Holding halten, die Kaffee- und Gebrauchsartikel-Sparte übernehmen. Ex-Konzernchef Günter Herz, der Anfang 2001 von seinen Brüdern aus dem Amt gedrängt worden war, soll zusammen mit seiner Schwester Daniela die Mehrheit beim Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf erhalten. Beide halten zusammen 39,6 % der Tchibo-Anteile.

Der Plan: Die Familie verkauft ihre Anteile am Hamburger Zigarettenkonzern Reemtsma und stockt die derzeitige 30 %-Beteiligung an der Beiersdorf AG auf eine komfortable Mehrheit auf. Offen jedoch ist, wie sich der Reemtsma-Verkaufserlös exakt auf die Geschwistergruppen aufteilt. Bewertungsfragen sind hierbei ebenso zu klären wie die Beteiligung der Mutter Ingeborg. Sie hält 9,9 % an der Tchibo-Holding.

Dreh- und Angelpunkt des Plans ist ein langjähriges Vorkaufsrecht der Familie Herz auf große Teile der Beiersdorf-Aktien, die die Allianz-Versicherung hält. Das Vorkaufsrecht, das Tchibo-Großaktionär Günter Herz auf Anfrage nicht kommentieren wollte, öffnet der Herz-Familie den Zugriff auf die Mehrheit am sehr ertragreichen Markenkonzern Beiersdorf. Noch vor Jahresschluss hatte die Tchibo-Holding ihren Anteil an Beiersdorf über die Börse von 28,5 auf 30 % aufgestockt. Damit konnte die Familienholding die Auflagen des seit 1. Januar 2002 gültigen neuen Übernahmegesetzes umgehen: Jetzt muss sie freien Aktionären kein verbindliches Übernahmeangebot machen und spart damit viel Geld.

Mit der Ausübung des Vorkaufsrechts blockiert Tchibo zudem mögliche andere Pläne des Versicherungsriesen Allianz. Die Münchener können ihre Beiersdorf-Aktien dann nicht mehr an den Tchibo-Eigentümern vorbei verkaufen. Entsprechende Spekulationen kursieren, seit die Allianz vor wenigen Tagen die Übernahme eines weiteren Beiersdorf-Aktienpakets von 4,9 % gemeldet hat. Verkäufer war die Troma-Stiftung, eine Beiersdorf nahe stehende Pensionskasse. Die Allianz gab zum Komplex Beiersdorf keinen Kommentar ab

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Der Verkauf der Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH wird voraussichtlich in den nächsten zwei Monaten beschlossen, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Tchibo-Aufsichtsrats. Derzeit scheint der britische Zigarettenmulti Imperial Tobacco Group (John Players) in den Verhandlungen die Nase vorn zu haben. Im Gespräch sind aber auch Japan Tobacco (Camel), Altadis (Gauloises) und ein US-Konzern.

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