Aktionärsschützer fordern Verbannung von "Pennystocks"
Unternehmen denken über Abschied vom Neuen Markt nach

Angesichts des massiven Vertrauensverlustes am Neuen Markt erwägen nach Informationen der "Berliner Zeitung" (Dienstagsausgabe) erste Firmen, das Marktsegment zu verlassen, um den eigenen Ruf nicht zu gefährden. Zugleich forderten Anlegerschützer, die sogenannten Pennystocks - Aktien mit einem Kurs unter einem Euro - zu verbannen.

vwd FRANKFURT. Der Finanzvorstand von Singulus Technologies AG, Kahl am Main, Christian Holtmann, sagte dem Blatt: "Wir führen darüber bereits intensive Diskussionen". Den Kurseinbruch der Singulus-Aktie der vergangenen Monate führte Holtmann im wesentlichen auf die Zugehörigkeit zum Neuen Markt zurück.

Im vergangenen Jahr hatte die Aktie einen Höchststand von 74 Euro erreicht. Am Montag notierte sie um 23 Euro. "Wir werden mit der Deutschen Börse AG sprechen und klar zum Ausdruck geben, dass die Rahmenbedingungen am Neuen Markt für uns unakzeptabel geworden sind", so Holtmann. Es seien viel zu viele schlechte Unternehmen am Markt, die für das Image verheerend seien. "Der Vertrauensverlust darf nicht zu weit gehen", warnte Holtmann. Als Alternative für Singulus komme der MDax oder aber auch die amerikanische Technologiebörse Nasdaq in Betracht. Auch die MobilCom AG, Büdelsdorf, hat bereits mit dem Ausstieg aus dem Neuen Markt gedroht.

Einer drohenden Abwanderungswelle am Neuen Markt sieht die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mit Sorgen entgegen: "Das wäre der Tod des Neuen Marktes", sagte DSW-Sprecherin Petra Krüll der "Berliner Zeitung". Um dies zu verhindern, müssten zunächst die Pennystocks verbannt werden: "Wir würden es für eine gute Lösung halten", so Krüll. Für den Neuen Markt sei es "höchste Zeit, dass die Börse neue Regeln schafft", sagte auch Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) der "Berliner Zeitung". Für die Pennystocks sei eine ähnliche Regelung wie an der Nasdaq anzustreben, wo Aktien, die 30 Tage lang zu Kursen unter einem US-Dollar gehandelt werden, einen Warnschuss bekommen und dann weitere 90 Tage lang auf eine Beobachtungsliste kommen.

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