Aktionärsschützer loben das Management
Post-Aktie: "Opfer politischer Profilierungssucht"

Die Vertretern der Kleinaktionäre nutzen die Post-Hauptversammlung, um ihrem Ärger Luft zu machen. Die scharfe Kritik richtete sich jedoch nicht an den Vorstand. Die Gelb-Aktionäre hatten den Bund im Visier.

Reuters KÖLN. Die zahlreichen politischen und öffentlichen Debatten über die Deutsche Post schaden nach Ansicht der Aktionäre erheblich dem Unternehmen und seinem Aktienkurs. "Parteipolitische Ränkespiele" hätten das Aktienvermögen vernichtet, kritisierte Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Donnerstag auf der Post-Hauptversammlung in Köln.

Für das Management fanden die meisten Aktionärsvertreter indes überwiegend lobende Worte. Die Bilanz sei solide und die Unternehmensstrategie erfolgreich, hieß es. Insofern sei der anhaltend schwache Kurs der "Aktie Gelb" in erster Linie auf externe Einflüsse zurückzuführen. Die Post-Aktie notierte zuletzt bei rund 15 Euro und damit weiterhin rund ein Viertel unterhalb ihres Emissionspreises im November 2000.

Auch Post-Chef Klaus Zumwinkel betonte, er sei mit der Kursentwicklung keinesfalls glücklich. Zugleich zeigte sich der Vorstandsvorsitzende vor rund 4 000 Aktionären zufrieden über das abgelaufene Geschäftsjahr und verhalten optimistisch für die kommenden Monate.

Politische Aktie mit unkalkulierbarem Großaktionär

Der ehemalige Staatsmonopolist Deutsche Post gerät im Zusammenhang mit politischen und wettbewerbsrechtlichen Streitereien immer wieder in die Schlagzeilen. So etwa auf Grund seiner teilweisen Befreiung von der Mehrwertsteuer oder infolge der Verlängerung des Briefmonopols bis 2007. Die öffentliche Debatte über derartige Themen belastet in der Regel auch immer wieder den Aktienkurs des Unternehmens. "Wir haben eine politische Aktie mit einem nicht kalkulierbaren Großaktionär", sagte DSW-Sprecher Hocker mit Blick auf die nach wie vor hohe Post-Beteiligung des Bundes, der an dem Bonner Konzern noch rund zwei Drittel hält.

Vor allem beim Streit um die Rechtmäßigkeit der teilweisen Mehrwertsteuer- Befreiung seien die Post und ihre Aktionäre zum "Opfer politischer Profilierungssucht" geworden. Zumwinkel bezeichnete die Mehrwertsteuer-Befreiung seines Unternehmens erneut als rechtmäßig. Die Post entrichtet wie auch die meisten ihrer europäischen Konkurrenten für so genannte Universaldienste, zu denen sie gesetzlich verpflichtet ist, keine Umsatzsteuer. "Seit Kriegsende gibt es auf die Briefmarke keine Mehrwertsteuer in ganz Europa mit Ausnahme von Schweden und Finnland", sagte Zumwinkel.

Zumwinkel: "Bund plant keine Aktienverkäufe"

DSW-Sprecher Hocker verwies auch auf die Kurs-belastende Auswirkung des hohen Staatsanteils an der Post. "Über allem hängt das Damokles-Schwert weiterer Privatisierungs-Tranchen", sagte Hocker mit Blick auf die Befürchtungen des Marktes, dass der Bund schon bald neue Post-Aktien an der Börse verkaufen könnte. Das würde im Normalfall den Kurs kurzfristig unter Druck setzen. Zumwinkel entgegnete allerdings, dass der Bund in naher Zukunft wohl keine Aktienverkäufe plane.

Rudolf Heinz von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) führte indes den schwachen Aktienkurs der Post auch auf die anhaltende Talfahrt an den Börsen zurück. "In einem solchen Markt kann man selbst mit der besten Anlage nicht gewinnen", sagte Heinz. Allerdings glaube er, dass die Post-Aktie auch in den Sog des dramatischen Kurssturzes der T-Aktie geraten sei. "Das Image der Volksaktie ist deutlich angekratzt und dagegen müssen wir ankämpfen", sagte Heinz. type="person" value="? Heinz, Rudolf" />

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%