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Aktionärsschützer stellen Strafanzeige gegen Haffa-Brüder

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hat nach einem Pressebericht Anfang dieser Woche Strafanzeige wegen Kapitalanlagebetrug gegen den Vorstandsvorsitzenden der EM.TV & Merchandising AG, Thomas Haffa, und dessen Bruder Florian als Ex-Finanzvorstand gestellt.

adx HAMBURG. In der Anzeige bei der Staatsanwaltschaft München werfe die SdK den beiden Beschuldigten vor, anders als im Börsenprospekt versprochen kein funktionierendes Controlling aufgebaut zu haben, berichtet das Hamburger Magazins "Stern" am Mittwoch vorab. Hinzu käme Kursbetrug, weil EM.TV eine zu hohe Gewinnerwartung nicht rechtzeitig korrigiert habe. Außerdem wird dem Medienunternehmen dem Bericht zufolge Insiderhandel vorgeworfen.

Erst vorige Woche hatte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die Abberufung des EM.TV-Vorstandsvorsitzenden gefordert. Ein Vorstand, der derart das Vertrauen der Anleger missbrauche, sei "nicht mehr tragbar", erklärte die DSW in Düsseldorf. Auf der "endlosen" Liste der Verfehlungen von EM.TV gebe es "gravierende" Planabweichungen und eine "offensichtliche Irreführung" der Aktionäre. Ein funktionierendes Controlling sei entweder "nicht existent" oder "vollkommen desolat" gewesen, die Bilanzierungspraxis "katastrophal". Die "Spitze des Eisbergs" bilde das öffentliche Bekannt werden der Verletzung des Konsortialvertrages mit der WestLB Panmure durch den Vorstandsvorsitzenden. Die DSW betonte, beim Ausbleiben der notwendigen personellen Konsequenzen werde sie dem Aufsichtsrat und dem Vorstand bei der EM.TV-Hauptversammlung die Entlastung verweigern.

Unterdessen gehen die Spekulationen um ein Gegenangebot zum derzeit verhandelten Einstieg der Kirch-Gruppe bei dem Medienunternehmen weiter. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" will die US-Investmentbank Hellman & Friedman EM.TV bis 31. Januar die Übernahme von 40 % an der Formel-1-Holding SLEC für 650 Mill. Dollar in bar offerieren. Zudem lege das Bankhaus eine Verzichtserklärung von SLEC-Besitzer Bernie Ecclestone auf seine Verkaufsoption gegenüber EM.TV vor. Hinter diesem Angebot dürften EM.TV-Aufsichtsrat Nickolaus Becker und Filmhändler Herbert Kloiber als Kirch-Konkurrent, stehen, die beide Gegner eines Kirch-Einstiegs bei dem Medienunternehmen sind, schreibt das Blatt (Mittwochausgabe). Bis Ende Januar genieße Kirch aber noch einen Exklusivanspruch für die Verhandlungen um einen Einsteig bei EM.TV. Thomas Haffa hatte im März vorigen Jahres für 1,7 Mrd. $ die Hälfte der Formel-1-Veranstalterholding SLEC gekauft. Damals hatte sich Ecclestone vorbehalten, für eine Milliarde Dollar weitere 25 % an EM.TV zu verkaufen.

Nach Angaben der Zeitung ist Ecclestone offenbar nicht daran interessiert, Kirch als Partner zu haben. Auch würde sich Thomas Haffa mit dem Alternativangebot einen Bruch mit dem Kirch-Konkurrenten Herbert Kloiber ersparen, an dessen Tele-München-Gruppe (TMG) EM.TV mit 45 % beteiligt ist.

Die Zeitung wertet zugleich die Gegenofferte von Hellman & Friedman nur als ersten Schritt. Kloiber dürfte mit seinem Angebot für die Zukunft der restlichen Unternehmensbestände von EM.TV - darunter die Muppet-Firma Jim Henson - erst danach herausrücken, heißt es. Er wolle dafür eine Reihe von Finanzinvestoren gewinnen. Bei EM.TV tagt der Zeitung zufolge am Mittwoch der Aufsichtsrat.

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