Aktionärsschützer verlangen von Deutscher Börse schärfere Regeln
Comroad-Skandal erregt die Anleger

Der spektakuläre Betrugsfall beim München Telematik-Anbieter Comroad sorgt für große Aufregung. Viele Anleger wollen klagen.

HB MÜNCHEN. "Bei uns stand das Telefon nicht mehr still", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Donnerstag. "Die Empörung ist ganz groß." Bergdolt befürchtet einen neuen schweren Imageschaden für den Neuen Markt.

Laut einer Sonderprüfung hat Comroad nahezu seinen kompletten Umsatz im Jahr 2001 frei erfunden. Ursprünglich hatte die Firma ihren Umsatz mit 93,6 Mill. Euro beziffert. Die Buchprüfer Rödl & Partner konnten nach Prüfung der Bilanz jedoch nur 1,3 Mill. Euro belegen. Comroad hatte Geschäftsverbindungen in Hongkong ausgewiesen, die gar nicht existierten. Comroad-Gründer und Vorstandschef Bodo Schnabel sitzt wegen des Vorwurfs des Kursbetruges seit Ende März in Untersuchungshaft. Gegen seine Frau Ingrid Schnabel, die im Aufsichtsrat sitzt, wird ermittelt.

Bei den Aktionärsschützern sitzt der Schock tief. Bergdolt sagte, sämtliche Kontrollorgane, vom Aufsichtsrat bis zu den Wirtschaftsprüfern, hätten versagt. Die Deutsche Börse müsse ihre Regeln verschärfen.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) erhebt schwere Vorwürfe gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Diese hatte bis vor kurzem die Bilanzen von Comroad geprüft, das Mandat dann jedoch niedergelegt. KPMG müsse seine Rolle in dem Skandal umfassend aufklären, forderte die SdK gestern. Bis heute seien die Testate für offensichtlich ebenfalls gefälschten Bilanzen der Jahre 1999 und 2000 nicht zurückgerufen worden. Obwohl bereits über das gesamte Jahr 2001 Zweifel an der Seriosität der Firma bestanden hätten, habe KPMG offensichtlich erst auf Grund von Presseberichten im Februar 2002 Überprüfungen eingeleitet. Der Chef der KPMG-Deutschland, Harald Wiedmann, erklärte anlässlich der Pressekonferenz im Zusammenhang mit dem Fall Comroad: "Wir haben bei einem Betrug im Normalfall keine Chance."

Ob Klagen von Anlegern erfolgreich sein werden, bleibt abzuwarten. Bislang gibt es mit Infomatec nur einen sehr speziellen Fall, bei dem einem Anleger vom Landgericht Augsburg Schadenersatz von rund 100 000 DM zugesprochen wurde. Richter Hans Gleich stützte sein Urteil (Az. 3 O 4995/00) auf die allgemeinen Bestimmung zum Schadenersatz und den Paragrafen 88 des Börsengesetzes. Danach können Vorstände und Aufsichtsräte bestraft werden, wenn sie falsche Informationen über das Vermögen der Gesellschaft geben.

Seit dem Start im November 1999 hat die Comroad-Aktie rund 95 % an Wert verloren. Gestern nachmittag war sie 0,30 Euro wert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%