Aktionärstreffen bei Beate Uhse
Sex-Katalog statt Geschäftsbericht

Die Bilanzzahlen der Beate Uhse AG waren am Montag im Saal des Musical-Theaters "Neue Flora" nur nebensächlich. Ausschlaggebend für die Aktionäre war vielmehr das anregende Drumherum.

dpa FLENSBURG. Lustvoll posiert Mona im hautengen schwarzen Samtkleid vor der überdimensionalen Beate-Uhse-Aktie. Auf Wunsch rückt das aus der Sendung "Mona's Girl" bekannte Sexmodell ihre Oberweite dermaßen in Form, dass die schmalen Träger die weiblichen Formen nur mit Mühe halten. "Sind die echt?", will ein Rentner mit strahlenden Augen wissen. Doch noch ehe er die Antwort hören kann, nutzt er lieber die Gunst der Stunde und schießt mit seiner Kamera eine ganze Bilderserie. Die Bilanzzahlen der Beate Uhse AG waren am Montag im großen Saal des Musical-Theaters "Neue Flora" nur nebensächlich. Ausschlaggebend für die Aktionäre war vielmehr das anregende Drumherum.

Sex sells - immer noch. Doch das Geschäft mit der Lust ist nicht allen Aktionären angenehm. "Darf ich mit der Tasche überhaupt auf die Straße gehen?", fragt ein Aktionär die Frau an seiner Seite. Der auffällig große, weiße Beate-Uhse-Schriftzug auf der knallroten Tragetasche ist dem Mann ganz offensichtlich peinlich. Auch Manfred Bauer, Aktionär der ersten Stunde, will am liebsten nicht in einem Atemzug mit Deutschlands größtem Anbieter von Sex-Artikeln genannt werden. Zwar sei die Beate-Uhse-Aktie "eine Aktie wie jede andere auch". Einen negativen Beigeschmack habe sie aber "auch heute noch". All das sagt Bauer, ohne seine Augen auch nur eine Sekunde lang vom aktuellen Beate-Uhse-Katalog zu lösen.

Alles andere als verklemmt hingegen präsentieren sich die jüngeren Aktionäre. "Ich fand da nie etwas Anrüchiges dran", meint Corin Wisner. Beschämung könne sie nicht verstehen. "Ich steh' voll dahinter", sagt die 29 Jahre alte Hamburgerin. Seit dem Börsengang im Jahre 1999 hat die ehemalige Beate-Uhse-Mitarbeiterin keine Hauptversammlung verpasst.

"Bestimmte Typen machen hier doch alle einfach auf seriös", stellt auch Sabrina Niemann fest. Die wichtigen Blicke in den Geschäftsbericht seien nur vorgetäuscht. "Die wollen im Grunde genommen doch alle nur den Beate-Uhse-Katalog sehen." Den einen oder anderen Blick auf die Kursentwicklungen der vergangenen Wochen und Monate warfen die rund 1000 anwesenden Aktionäre trotz der reichlich verteilten Gratiskataloge. Nach einer von Schwankungen gekennzeichneten zweiten Hälfte des vergangenen Geschäftsjahres hat sich die Beate-Uhse-Aktie stabilisiert. Am Montag notierte sie ein wenig schlaff bei knapp zehn ?. Den Höchststand hatte das Papier im Jahre 1999 mit 23,70 ? gesehen.

Und obwohl der ganz große Energieschub im Moment nicht absehbar ist: Die Aktionäre halten auch nach dem Tod der Sexpionierin Beate Uhse an deren Geschäft mit der Lust fest. "Die Beate-Uhse-Aktie ist in einem zukunftsträchtigen Markt angesiedelt", sagt René Schnell (Name von der Redaktion geändert). Für den Tag der Hauptversammlung hatte sich der Bundeswehrsoldat, der derzeit in Cuxhaven stationiert ist, extra Urlaub genommen. "Einige meiner Kollegen haben mich dafür belächelt."

Die Konzernzahlen - ohnehin längst bekannt - ließen die meisten Aktionäre kalt. Sie hielten sich viel lieber in Sichtweite zu drei anwesenden Sexmodellen auf, posierten mit ihnen auf dem knallroten Sofa oder ließen sich mit den kurvenreichen TV-Stars ablichten. Die Zukunftsplanungen des Vorstandsvorsitzenden Otto-Christian Lindemann, vernahmen sie dennoch mit Freude. Noch in diesem Jahr werde das ambitionierte Projekt des Versandhandels in den USA starten, kündigte Lindemann an. Außerdem sollen im Einzelhandel weitere 20 Shops pro Jahr eröffnet werden.

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