Aktionärsvertreter kritisieren „wundersame Geldvermehrung“
Deutsche Entertainment sichert sich Finanzmittel von 40 Millionen Euro

Die Deag Deutsche Entertainment AG, Berlin, hat sich Finanzmittel von rund 40 Mill. Euro gesichert. Sie sollen vorrangig für das weitere Wachstum, insbesondere für die Akquisition großer Tourneen, genutzt werden. Dies teilte das Unternehmen gestern ad hoc mit.

va/vwd BERLIN. Für 2003 zeichne sich eine deutliche Belebung des Konzertgeschäftes ab, hieß es weiter. Hauptaktionär und Vorstandschef Peter Schwenkow habe sein Darlehen über 7,5 Mill. Euro verlängert, die Banken ihre bestehenden Kreditlinien über 20,5 Mill. Euro, erklärte die Deag zur Herkunft der Mittel. Hinzu komme ein Erlös "im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich" aus der Anteilsveräußerung an der schweizerischen Good News Productions AG.

Mit den tiefroten Zahlen des Konzerns zeigte sich der Deag-Vorstandschef gestern auf der Hauptversammlung keineswegs zufrieden. Während der Konzertveranstalter in seinem ersten Geschäftsbericht für 2001 noch einen Jahresüberschuss von 8,58 Mill. Euro angewiesen hatte, nennt der neue Geschäftsbericht einen Jahresfehlbetrag von 17,8 Mill. Euro. Das Eigenkapital kletterte damit nicht - wie zunächst ausgewiesen - von 49,2 Mill. auf 68,5 Mill. Euro, sondern sank auf 39,84 Mill. Euro. Wesentlicher Grund ist die überraschende Trennung von der Musical-Tochter Stella, deren Kerngeschäft Insolvenz angemeldet hat.

Malte Disselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz äußerte sich besorgt über die "dramatische Situation" in den letzten Monaten und meldete Zweifel darüber an, dass die Deag noch "die Kurve kriegt". Dagegen sagte Konzernchef Schwenkow, finanziell sei die Deag jetzt "bestens gerüstet für die nächsten ein bis zwei Jahre".

Aktionäre kritisierten, dass Schwenkow als bisheriger Stella-Aufsichtsratsvorsitzender von deren Schwierigkeiten erst im Frühjahr überrascht worden sei. Die Krise bei Stella nennt Schwenkow als wesentlichen Grund für die Schwierigkeiten der Deag. Doch auch die Deag muss im Kerngeschäft einen Verlust ausweisen. Wie aus dem seit kurzem vorliegenden korrigierten Deag-Geschäftsbericht hervorgeht, sind die Schwierigkeiten nicht behoben. So weisen die Wirtschaftsprüfer auf "Voraussetzungen für den Fortbestand" der Deag hin. Eine davon ist der Verkauf der Jahrhunderthalle, die Peter Schwenkow für eine D-Mark von der damaligen Hoechst AG erworben hatte und die jetzt mit einer Bewertung von rund 11 Mill. Euro in der Bilanz steht. Aktionäre kritisierten diese "wundersame Geldvermehrungsaktivitäten".

Schwenkow erwiderte, die Neubewertung sei durch externe Gutachten belegt. Aus Bankenkreisen verlautete, man habe dem Deag-Vorstandsvorsitzenden mit der Kreditverlängerung noch eine Chance geben wollen. "Wir hoffen", so ein Banker, "dass sich die angekündigten Besserungen nicht als heiße Luft erweisen."

Quelle: Handelsblatt

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