Aktiv gemanagte Produkte sind vor allem in schlechten Börsenzeiten besser
Nur wenige Fonds schlagen den Index

Gerade mal eine Hand voll Fondsmanager schafft es, den Vergleichsindex zu schlagen. Das ist das Hauptargument für den Kauf von Zertifikaten, die den Index abbilden und nicht aktiv gemanagt sind. Doch ein guter Fonds mit langjähriger Erfolgsgeschichte vermindert das Risiko für das Depot.

fw DÜSSELDORF. Wie viele Aktienfonds schlagen den Index? Kommt darauf an, welchen Index, lautet die Antwort. Aus einer Statistik des Bundesverbandes deutscher Investmentfonds (BVI) ergibt sich, dass über fünf Jahre 14 von 47 Investmentfonds mit Anlageschwerpunkt in Deutschland den Dax geschlagen haben und fünf von 35 über zehn Jahre (gerechnet jeweils bis Ende des Jahres 2001). Gegenüber dem FAZ-Index lagen in fünf Jahren 25 Fonds vorn und über zehn Jahre 27.

Die Indizes unterscheiden sich in zwei Punkten: Der Dax umfasst die 30, der FAZ-Index dagegen die 100 wichtigsten deutschen Aktien. Außerdem beinhaltet der Dax die Dividenden, der FAZ-Index nicht. Der erste Punkt spricht für den FAZ-Index als Vergleichsmaßstab, denn die Fonds investieren keineswegs nur in die großen Werte. Der zweite Punkt lässt sich korrigieren - es gibt auch eine Index-Variante mit Dividenden. Legt man diese zu Grunde, dann schlagen über fünf Jahre nur 14 und über zehn Jahre nur elf Fonds den FAZ-Index.

Immerhin vier Fonds haben es geschafft, den Dax über fünf wie über zehn Jahre abzuhängen und dabei mit den Kursschwankungen - also dem Risiko - auch noch niedriger zu bleiben: Investa, Provesta (beide von der DWS), Inka (Trinkaus) und Zürich Invest Aktien Deutschland.

Bei internationalen Aktienfonds ist das Ergebnis noch deutlicher. Nur acht von 25 BVI-Fonds schlagen über fünf Jahre den Index MSCI-World in der (unüblicheren) Variante mit Einrechung der Dividenden. Über zehn Jahre sind es dann gerade noch zwei von zehn, der Intervest (DWS) und der UniGlobal (Union). Die beiden liegen auch über fünf Jahre vorn, und der Uniglobal zeigt obendrein niedrige Kursschwankungen.

Eine interessante Frage ist auch, in welchen Jahren die Fonds den Index schlagen. Eine - nicht repräsentative - Untersuchung von mehreren internationalen Aktienfonds über 30 Jahre ergibt ein relativ eindeutiges Bild: Die Fonds sind vor allem in den schlechten Börsenjahren besser. Beispiel Uniglobal: Er lag nach den Zahlen der Fonds-Research-Firma Feri Trust in 14 von 30 Jahren besser als der MSCI World. Dabei hatte er in Börsenjahren, die mit einem Plus abschnitten - das waren 22 von 30 - nur selten die Nase vorn, nämlich in acht Fällen. In den acht schlechten Börsenjahren hingegegen schlug er sechsmal den Index. Die anderen Beispiele sind nicht so plakativ, weisen aber in dieselbe Richtung. Das ist auch nicht erstaunlich: Aktive Fonds steigen aus, wenn die Börse fällt, und oft zu spät ein, wenn sie wieder steigt.

Ein guter Fonds kann also dauerhaft den Index schlagen und vermindert sogar noch das Risiko. Andererseits: Die Chance, so einen Fonds zu erwischen, ist gering, denn nur wenige schlagen den Index. Niemand garantiert, dass ein Fonds, der in der Vergangenheit gut war, das auch bleibt. Dazu kommt, dass aktiv gemanagte Fonds von den Gebühren her meist teurer sind als Fonds oder Zertifikate, die einfach den Index abbilden. Also doch auf "aktive" Fonds verzichten und rein auf den Index setzen?

Die Zahlen bilden nur die Vergangenheit ab. Die Zukunft könnte auch von dem Trend bestimmt sein, dass immer mehr Anleger auf passives Investment, also auf die Indizes, setzen. Je mehr Geld in die Indizes fließt, desto teurer werden sie aber - irgendwann könnten sie daher weit überwertet sein. Ein passiver Fonds hat in dieser Situation keine Möglichkeit, in günstiger bewertete Aktien außerhalb des Index oder in Bargeld umzuschichten. Christoph Wirnsperger von der Hypo Investment Bank in Liechtenstein, die sich auf passive Anlage konzentriert, bestätigt: "Das funktioniert nur, so lange genug Menschen glauben, dass sie besser als der Markt sind." Seiner Meinung nach wird das aber immer der Fall sein - "das liegt in der menschlichen Natur". In den USA liege der Marktanteil der passiven Produkte bei rund einem Viertel, in Europa weit darunter, wenn auch mit steigender Tendenz.

Auch die gegenwärtige Situation sollte man im Blick behalten. In den meisten Indizes befinden sich immer noch viele sehr hoch bewertete Aktien. Murdo Murchison, der Manager des - erfolgreichen und aktiv gemanagten - Templeton Growth Fund, rät, diese Aktien zu meiden. Eine derartige Strategie lässt sich "passiv" aber nicht verfolgen.

Fazit: Grundsätzlich ist die Entscheidung für eine überwiegend passive Anlage rational. Eine Beimischung von aktiv gemanagten Fonds mit langjähriger Erfolgsgeschichte dürfte aber das Risiko noch vermindern.

Berechnungen: Ulrich Behling

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