Aktive Fonds-Trader profitieren
Neue Steuer trifft ausländische Fonds hart

Öfter mal was Neues - mit diesem Motto in ihrer Steuergesetzgebung verunsichert die Bundesregierung die Fondsbranche. Welche Produkte gewinnen an Attraktivität, wenn die neue Gesetzgebung in Kraft tritt? Bei welchen sollten Investoren vorsichtig sein? Kommt die neue Spekulationssteuer so wie vorgesehen, profitieren Branchenfonds sowie offene Immobilienfonds. Insbesondere ausländische Fonds würden durch sie stark benachteiligt. Dies zeigen Analysen des Finanzdienstleistungsinstituts SJB Fonds Skyline und von Steuerberatern.

FRANKFURT/M. Grundsätzliche Probleme mit den Steuerplänen hat der Fondsverband BVI: "Investmentfonds sollen steuerlich eklatant gegenüber der Direktanlage benachteiligt werden", schreibt er in einer Mitteilung. Entgegen der Beteuerungen aus der Politik sei mit der Kabinettsvorlage die Doppelbesteuerung von Investmentfonds nicht vom Tisch. Veräußerungsgewinne würden sowohl auf Fonds- als auch auf Anlegerebene besteuert. "Das ist eine klare Ungleichbehandlung von Fonds gegenüber der Direktanlage", sagt ein Steuerberater, der nicht genannt werden will. Denn nach der neuen Regelung hätten Anleger Gewinne auf Fondsebene mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz von bis zu 48,5 % jährlich zu versteuern. Bei späterem Verkauf würden Gewinne auf Anlegerebene mit vorher gezahlten Steuern angerechnet - allerdings nur mit dem Pauschalsteuersatz von 15 %. "Damit kommt es zu einer Doppelt- oder Mehrfachbesteuerung der Fondssparer", schreibt der BVI. Ein Direktanleger muss hingegen beim Verkauf seiner Aktienbestände die Hälfte des erzielten Veräußerungsgewinns nur mit dem pauschalierten Steuersatz von 15 % versteuern.

Am 20. November hat die Bundesregierung die Kabinettsvorlage für das so genannte "Gesetz zum Abbau von Steuervergünstigungen und Ausnahmeregelungen" verabschiedet. In welcher Form dieses Gesetz letztlich in Kraft tritt, steht noch nicht fest, denn es benötigt die Zustimmung des Bundesrats, in dem derzeit die Opposition die Mehrheit stellt. Die Länderkammer muss am 14. März kommenden Jahres zustimmen. "Käme das Gesetz tatsächlich so wie nun geplant, dann müssen Fondsbesitzer in Zukunft mit niedrigeren Nachsteuerrenditen rechnen", sagt Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer der SJB Fonds Skyline. Er hat er die Auswirkungen der neuen Pauschalsteuer am Beispiel des Klassikers DWS Vermögensbildungsfonds I, der den Grundbaustein vieler Depots bildet, errechnet: Über die vergangenen zehn Jahre per Ende Oktober sinke bei Anwendung der 7,5prozentigen Pauschalsteuer die durchschnittliche Jahresrendite von 14,1 % auf 13,5 %. "Dennoch bleiben gute internationale Aktienfonds als Basis für ein Depot attraktiv", sagt Bennewirtz. Anlagen in Lebensversicherungen und in Festgeld seien die Fonds immer noch hoch überlegen. Diese erzielten im Vergleichszeitraum Jahresrenditen von 7,3 % bzw. 3,6 % vor Steuern.

Besonders ausländische, also nicht in Deutschland aufgelegte, Aktienfonds hätten unter den neuen Regelungen zu leiden, sagt Roland Baum, Rechtsanwalt der Kanzlei Heimann. Bei ihnen soll das Halbeinkünfteverfahren keine Anwendung finden. "Besteuert wird die Ausschüttung also in voller Höhe und nicht - wie bei inländischen Fonds - nur zur Hälfte", sagt Baum. Damit werde der freie Kapitalverkehr in der EU behindert. Unter der Regelung litten die Anleger, da ihnen die Besteuerung "über die Hälfte ihrer Auswahl" wegnehme.

Profitieren von der Pauschalbesteuerung würden hingegen aktive Fonds-Trader, die ihre Anteile innerhalb kurzer Zeiträume kaufen und verkaufen, sagt Bennewirtz. Denn für sie fällt die einjährige Spekulationsfrist weg - sie werden nun nicht mehr dadurch benachteiligt, dass sie den Fonds nicht über ein Jahr lang gehalten haben. Dies könne vor allem spekulativen Investitionen wie Länder- und Branchenfonds Auftrieb geben. Auch lohne sich unter der Neuregelung der Verkauf von Fonds, die in der Vergangenheit hohe Verluste gemacht haben. "Nach dem Gleichheitsgrundsatz werden nicht nur realisierte Gewinne, sondern auch realisierte Verluste steuerlich wirksam. Dies lohnt sich für Investoren, die noch Kursleichen im Keller haben", sagt Bennewirtz.

Ein weiterer Profiteur könnten offene Immobilienfonds sein. "Bei diesen Fonds liegt der steuerfreie Anteil im Schnitt bei über 40 %, außerdem sind die Produkte sehr risikoarm. Daran ändert sich auch in Zukunft nichts", sagt ein Rechtsanwalt, der nicht genannt werden will. Allerdings sollen auch die Veräußerungsgewinne, die offene Immobilienfonds aus dem Verkauf von Immobilien erzielen, steuerpflichtig sein. Dies betreffe die Fonds aber in geringerer Weise. "Von den Neuregelungen profitieren offene Immobilienfonds mit hohem Auslandsanteil stark, da ihr steuerfreier Anteil meist höher ist als bei anderen", sagt der Experte.

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