Aktive Übernahmepolitik zahlt sich aus
Nestlé definiert seine Maßstäbe selbst

Es gibt sie noch: Große Unternehmen, die gut geführt werden, Geld verdienen und der weltweiten wirtschaftlichen Schwäche trotzen. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Schweizer Nestlé-Gruppe, der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt.

DÜSSELDORF. Mit schöner Regelmäßigkeit fährt er satte Gewinne ein. Zwar resultierte ein Ertragssprung in den zuletzt veröffentlichten Zahlen im wesentlichen aus dem Börsengang einer Tochtergesellschaft. Doch verbirgt sich ja auch dahinter eine beachtliche Leistung des Managements.

Nestlé hat kürzlich eine Schlappe bei der versuchten Übernahme des bekannten amerikanischen Schokoladenherstellers Hershey einstecken müssen, weil die Eigentümer dieser Gesellschaft sich entschlossen haben, gar nicht zu verkaufen. Doch wichtiger als dies ist die Tatsache, dass die Schweizer überhaupt noch eine aktive Übernahmepolitik betreiben. Sie gehören damit zu einer Minderheit, wie in der Flaute des Beratungsgeschäfts der Banken für diesen Bereich deutlich zum Ausdruck kommt.

Übernahmen waren besonders häufig, als die Börse boomte und die Unternehmen teuer waren. Zum Teil haben die Unternehmen ihre überteuerten Einkäufe mit eigenen Aktien bezahlt - siehe das bekannte Beispiel Vodafone und Mannesmann oder die "Coups" der Deutschen Telekom. Das schonte die Kasse und neutralisierte bei einer reinen Betrachtung der Finanzströme mehr oder weniger die überhöhte Bewertung. Aber auf der Ertragsseite waren dennoch hohe Abschreibungen die Folge, die die Gewinne der großen Aufkäufer ruiniert haben.

Langfristige Strategie

Nestlé schlägt lieber dann zu, wenn die Bewertungen ein vernünftiges Niveau haben - unabhängig von kurzlebigen Trends. Überhaupt ist es eine der Stärken dieser Gesellschaft, dass sie sich nicht allzu viel aus den rasch wechselnden Moden der Finanzmärkte macht. Das heißt nicht, dass sie sich - wie etwa Bayer - mit ihrer gesamten strategischen Ausrichtung quer zu den Anforderungen der Investoren stellen würde. Aber die Schweizer behalten sich vor, selbst zu definieren, was sie richtig und falsch finden.

Ein Beispiel ist die berühmte und oft geforderte "Fokussierung". Nestlé verfolgt diese Strategie konsequent in dem Sinne, dass man sich ganz klar als Nahrungsmittelkonzern aufstellt. Dazu kommt - ähnlich wie bei General Electric in den USA - der Anspruch, in möglichst vielen Märkten die Nummer eins oder wenigstens unter den ersten drei zu sein. Dagegen gibt es keine Bestrebungen, generell die riesige Anzahl der Marken zu reduzieren, wie dies etwa Procter & Gamble mit einer Konzentration auf "Kernmarken" stärker verfolgt hat. So bleibt das Management von Nestlé vor eine gewaltige Herausforderung gestellt, die es aber bisher gut gemeistert hat: unzählige Marken in unzähligen Ländern anzubieten. Das geht nur, wenn die Marken straff geführt und gleichzeitig die weltweiten Niederlassungen sehr dezentral und selbstständig arbeiten. Wer sich vorstellt, wie schwierig dies ist, erahnt, dass ein derart erzielter Erfolg lange aufgebaut werden muss und nicht einfach zu kopieren ist.

Nach allem Lob für die Schweizer darf man allerdings nicht übersehen, dass sie nicht die einzigen Meister ihrer Klasse sind. Die gesamte Nahrungsmittelbranche hat sich viel besser gehalten als die meisten anderen Sektoren an der Börse. Hier liegt auch die Gefahr: Diese Aktien sind nicht mehr billig, gemessen an einem sehr geringen Wachstum im operativen Geschäft. Und sie könnten bei einer Erholung der Börse, weil sie eher als "defensiv" gelten, auf der Strecke bleiben. Doch dieses Szenario ist in den vergangenen Monaten immer wieder erwartet worden und bisher nicht eingetreten. Deswegen sind die Nestlé-Aktien, zumal sie im Zug der breit übergreifenden Börsenschwäche wieder etwas preiswerter geworden sind, immer noch recht attraktiv.

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