Aktuell jedoch keine neuen Erkenntnisse
Bayer rechnet mit steigender Zahl von Todesfällen

Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer rechnet mit dem Bekanntwerden weiterer Todesfälle im Zusammenhang mit dem vom Markt genommenen Cholesterin-Medikament Lipobay/Baycol. "Wir dürfen davon ausgehen, dass sich die Zahl erhöht, da die Sensibilität durch die Berichterstattung erhöht wurde", sagte ein Konzernsprecher am Freitag. Dem Konzern steht wegen des vor gut einer Woche vom Markt genommenen Medikaments möglicherweise eine weltweite Klagewelle bevor.

rtr LEVERKUSEN. Bislang sind dem Unternehmen 52 Todesfälle von Patienten bekannt, die das Medikament eingenommen haben. Der US-Anwalt Ed Fagan und sein Münchener Kollege Michael Witti wollen nach eigenen Worten Geschädigte aus aller Welt in eine Sammelklage in den USA einbeziehen.

Der Bayer-Sprecher sagte weiter, aktuell habe Bayer über die bisher genannte Zahl von 52 Todesfällen hinaus keine Erkenntnisse. Die Erfassung solcher Fälle obliege den Behörden und nicht dem Konzern. Bayer hatte bislang stets darauf verwiesen, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen den Todesfällen und der Einnahme des Cholesterin senkenden Medikaments nicht nachgewiesen sei. Nach bisherigen Angaben wird in Deutschland der Tod von fünf Patienten, in den USA der Tod von 31 Patienten nach der Einnahme des Präparates untersucht.

Bayer hatte das Medikament Lipobay, das auch unter der Bezeichnung Baycol vertrieben wurde, vor gut einer Woche mit der Ausnahme von Japan weltweit zurückgezogen. Auslöser waren Meldungen über Fälle von Muskelschwäche nach der Einnahme des Medikaments, die unter Umständen zu Organversagen und zum Tod führen kann.

Auch GlaxoSmithkline von Sammelklage betroffen

Witti sagte in Berlin in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Fagan, auch Deutsche sollten nach US-Recht entschädigt werden. Derzeit gebe es zwar keinen Weg für Deutsche, sich an der Sammelklage zu beteiligen. Diesen Weg werde er aber ermöglichen. Fagan sagte, die Sammelklage in den USA werde alle etwa 700 000 Menschen betreffen, die dort Lipobay genommen hätten. Außerdem solle die Klage auf Fälle in aller Welt ausgeweitet werden. In die Klage solle auch der Co-Vermarkter von Baycol, die britische GlaxoSmithkline, einbezogen werden.

Erst am Donnerstag hatte der Leverkusener Konzern bekräftigt, dass Bayer die Klagen für unbegründet halte und sich dagegen zur Wehr setzen werde. Daher sei es auch nicht nötig, Rückstellungen für eventuelle Zahlungen zu bilden. Gleichzeitig hatte der Konzern Vorwürfe des Bundesgesundheitsministeriums zurückgewiesen, das Bayer schwere Fehler bei der Information über das Medikament vorgeworfen hatte. Die Aufsichtsbehörden seien frühzeitig informiert worden.

Aktie erholt sich leicht

An der Börse legte der Kurs der Bayer-Aktie nach den starken Kurseinbrüchen seit der Rücknahme des Medikaments und der damit verbundenen Gewinnwarnung am Freitag wieder etwas zu. Am späten Vormittag wurde die Aktie für 33,27 ? und damit um 1,1 % höher als zum Börsenschluss des Vortages gehandelt. Das Börsenbarometer Dax lag zugleich mit 0,4 % im Minus.

Ein Händler sagte, der Kurszuwachs sei eine kleine technische Reaktion auf die Kursverluste vom Vortag. "Der Markt wird die Bayer-Aktie weiter kritisch beäugen", sagte er. Das Vertrauen der Anleger müsse erst noch zurückgewonnen werden. Seit der Bekanntgabe des Rückrufs ist der Kurs der Aktie um gut ein Viertel gesunken. Die Bayer-Anteilsscheine sind derzeit etwa soviel wert wie im Frühjahr 1999.

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