Aktuelle Abschlussschwäche könnte Norddeutsche den Titel kosten
Eigenlob statt Tore

Die Konkurrenz hat aufgeholt, doch Spitzenreiter Werder Bremen leugnet nach dem 0:0 in Bochum jegliche Nervosität.

BOCHUM. Fünfundzwanzig Mal schossen Bremens Fußballer am Sonntagabend aufs Bochumer Tor, kein einziges Mal trafen sie. Auch Ailton nicht, mit 25 Toren der beste Schütze der Liga. Seit 300 Minuten hat er kein Tor mehr erzielt. In Bochum vergab der Brasilianer vier gute Chancen - und wurde schließlich wie sein Sturmkollege Ivan Klasnic ausgewechselt. Ein fast schon gewohntes Bild in den vergangenen Wochen. Nur ein 0:0 des Tabellenführers beim VfL Bochum. Der Vorsprung auf den FC Bayern ist vier Spieltage vor dem Saisonende von einst elf auf sechs Punkte geschmolzen. Doch Bremens spröder Cheftrainer Thomas Schaaf hat selten so mit Komplimenten um sich geworfen wie nach dieser Partie.

Beim Prozentrechnen wirkte er allerdings nicht überzeugend. Seine Mannschaft habe 99 Prozent ihres Leistungsvermögens gezeigt, sagte er. Das eine Prozent, das gefehlt habe, seien die Treffer gewesen. Doch Tore machen mehr aus als ein Prozent - und die Bremer treffen eben nur noch sporadisch. Im Ruhrstadions hatten sie fast neunzig Minuten lang auf Angriff gespielt. Aber auch nach dem Unentschieden wollten sie sich nicht in Defensive drängen lassen. Sie begegneten den forschen Tönen des FC Bayern, der plötzlich wieder seine Chance sieht, mit hanseatischer Kühle. Nach zwei torlosen Unentschieden nervös werden? Nicht mit Werder - behaupten die leitenden wie die kickenden Angestellten. Dem Spiel in Bochum folgte ein verbales Fernduell mit den Bayern. Nach ihrem knappen Sieg über den Stadtrivalen TSV 1860 stellten die Münchner den SV Werder als kommenden Deutschen Meister wortreich in Frage. Die Bremer Abwehr scheint vier Runden vor Schluss zu stehen. Das Gerede der Bayern zeige doch nur, "wie nervös sie sind", sagt Jürgen Born, der Vorsitzende der Werder-Geschäftsführung. "Bei uns wird niemand nervös." Spieler und Trainer äußerten sich ähnlich.

Sechs Punkte Vorsprung müssen und werden reichen, sagen sie. Und sie geben vor, aus dem Spiel in Bochum, das sie hochüberlegen geführt haben, Gewinn zu ziehen, obwohl rechnerisch nur ein Punkt heraussprang. "Wenn wir weiter so spielen, werden wir am Samstag gegen den Hamburger SV gewinnen und auch bei den Bayern nicht verlieren", sagt Geschäftsführer Klaus Allofs. In Bochum stand vorne wie hinten nur eine Null, aber was für eine.

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