Aktuelle Studie
Beschaffung übers Netz spart Millionen

Die Beschaffung über das Netz ist nicht mehr Zukunftsmusik, sondern Realität: Deutsche Großunternehmen sparen bereits heute Millionen, zeigt eine aktuelle Studie.

HB DÜSSELDORF. Am Anfang, das gibt er heute offen zu, hat er nicht daran geglaubt. Kein Stück. Elektronischer Einkauf? Das ist vielleicht was "für Butterbrotpapier und Mausefallen", dachte sich Johannes Rudnitzki, Einkaufsdirektor bei Daimler-Chrysler - aber doch nichts für komplexe Teile in der Serienfertigung von Autos. Heute weiß er es besser: "Online-Auktionen sind ein außergewöhnlich gutes Werkzeug für den Einkauf", schwärmt Rudnitzki.

Die Studie als Powerpoint-Präsentation
Zusammenfassung der Studie als Win-Word-Datei

Er redet nicht nur vom E-Business, er handelt-mit Millarden-Beträgen. Für 3,5 Milliarden Euro orderte Daimler-Chrysler Mitte März online Karosserie-Teile für die neue M-Klasse - nach Unternehmensangaben die bislang größte Online-Auktion weltweit.

Deutsche Industrie-Konzerne setzen zunehmend auf die elektronische Beschaffung - zu diesem Schluss kommt auch eine aktuelle Studie der Münchener Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner, die Handelsblatt Netzwert exklusiv vorliegt. Die Berater befragten 15 Unternehmen mit einem Einkaufsvolumen zwischen 1 Milliarde und 14 Milliarden Euro pro Jahr zu ihren Erfahrungen beim Einkauf im Internet, in der Fachsprache E-Procurement genannt.

"Wir haben uns auf Konzerne beschränkt, weil die Online-Beschaffung im Mittelstand noch nicht so weit verbreitet ist", sagt Ulrich Weilnhammer, E-Business-Experte der Unternehmensberatung. Sein Fazit: "In den Großunternehmen ist die Lern- und Testphase bei der Online-Beschaffung vorbei."

Die Konzerne setzen massiv auf das Netz. In fünf Jahren wollen sie im Schnitt bis zu 40 % aller Zulieferteile online beschaffen - derzeit sind es gerade einmal 1 bis 2 %. Daimler-Chrysler bestellt schon heute mehr als 5 % aller Teile über das Internet, und in weniger als fünf Jahren soll der Anteil bei einem Drittel liegen.

"Elektronische Beschaffung wird sich durchsetzen"

"Die elektronische Beschaffung wird sich durchsetzen, das stellt niemand mehr in Frage", meint auch Martin Widmann, Leiter der Abteilung Technische Beschaffung beim Chemie-Unternehmen BASF. "Elektronische Beschaffung gehört bei uns zunehmend zum Alltagsgeschäft."

Derzeit decken sich die in der Studie befragten Unternehmen auf elektronischen Marktplätzen hauptsächlich mit Standard-Produkten ein, fanden die Unternehmensberater heraus. Nur in einem Viertel der Fälle gehen bislang hochspezialisierte Produkte über den virtuellen Ladentisch.

Unternehmen können zwei Arten der elektronischen Beschaffung nutzen: Waren, die sie regelmäßig brauchen, lassen sich papierlos bei festen Lieferanten bestellen, im Idealfall sind die Warenwirtschaftssysteme des Käufers und Verkäufers miteinander verbunden. Seltenere Transaktionen können über Online-Auktionen abgewickelt werden. Mit dem, was Privatleute von E-Bay oder Ricardo kennen, hat das allerdings wenig gemein: Die Unternehmen schreiben ihren Bedarf aus und laden ausgewählte Lieferanten zur Online-Auktion ein. Die Bieter schalten sich dann zu einem festgelegten Zeitpunkt im Netz zusammen und können sich live online unterbieten.

Drei Dinge sind es vor allem, die sich die Unternehmen vom E-Procurement versprechen, ergab die Befragung bei den Konzernen: niedrigere Preise, geringere Transaktionskosten und schnellere Abwicklung des Einkaufs.

Daimler-Chrysler-Mann Rudnitzki sieht im letzten Punkt "den größten Charme" des E-Procurement. Einkaufsprozesse, die früher vier bis acht Wochen gedauert hätten, ließen sich heute in vier Tagen über die Bühne bringen.

Die Auswirkungen auf die Preise sehen die Unternehmen hingegen relativ nüchtern. "Preissenkungen von 30 bis 40 %, wie sie in der Phase der Euphorie vor eineinhalb Jahren von vielen Marktforschern versprochen wurden, sind illusorisch", sagt BASF-Beschaffer Widmann. Bei seinem Arbeitgeber bewegten sich die Einsparungen derzeit im einstelligen Prozentbereich. Anderen Konzernen gelingt es offenbar, ein bisschen mehr aus ihre Lieferanten herauszuquetschen:knapp die Hälfte der von Wieselhuber & Partner befragten Konzerne gaben an, dank Internet zwischen 10 und 20 % billiger einkaufen zu können.

Einsparungen von bis zu 50 Prozent

Bei den Transaktionskosten hingegen sind die Hoffnungen, Kosten zu senken, nach wie vor hoch. "Wir halten bei den Prozesskosten auf Dauer Einsparungen von bis zu 50 % für möglich", sagt Widmann. Laut Studie geht die Mehrzahl der befragten Firmen von ähnlichen Effizienzpotenzialen aus. Die Einsparungen bei den Transaktionskosten in Heller und Pfennig zu benennen, damit tun sich viele Unternehmen aber noch schwer. 40 % der Befragten konnten noch keine Angaben machen. "Dafür brauchen wir noch mehr Erfahrung", erklärt Rudnitzki von Daimler-Chrysler.

Damit ein Unternehmen von den Vorteilen einer Online-Auktion so richtig profitiert, muss noch eine weitere Voraussetzung erfüllt sein: Zwar spare elektronische Beschaffung Zeit und Kapazitäten beim Einkaufspersonal - "ergebnis- und bilanzwirksam wird das aber nur, wenn Sie Leute entlassen, oder wenn die Mitarbeiter in der freien Zeit Zusatzumsätze generieren", sagt E-Business-Berater Weilnhammer. Manch? ein Unternehmen verfehlte das Ziel völlig und zahlte nach einer Online- Auktion sogar deutlich mehr als früher, fanden die Unternehmensberater in ihrer Studie heraus. Schuld seien schlampige Vorbereitung und Naivität: "Manche Firmen sind sehr blauäugig an die Sache herangegangen", meint Weilnhammer. Sie hätten sich keine Gedanken über die Mechanismen einer Online-Auktion gemacht - genauso wenig wie über den richtigen Zeitpunkt und die passenden Bieter. "In Zeiten von Produktknappheit nutzen Lieferanten die Gunst der Stunde, um bessere Preise als bei herkömmlichen Preisverhandlungen zu erzielen", heißt es in der Studie.

Akribische Vorbereitung sei daher "das A und O jeder Online-Auktion", sagt Rudnitzki. Unverzichtbar sei, die Produkte so genau wie möglich zu beschreiben."Die Spezifikation muss unmissverständlich sein, damit die Gebote wirklich vergleichbar sind", betont er.

Auch die Lieferanten, die zum Bieten eingeladen werden, schaue sich Daimler-Chrysler genau an. "Wir treffen eine strenge Vorauswahl" - um sicher zu sein, dass derjenige, der am Ende den Zuschlag bekommt, auch die gewünschte Qualität liefert. Zudem sollten Liefer- und Zahlungsbedingungen genau festgelegt werden, um später keine bösen Überraschungen zu erleben, ergänzt E-Business-Berater Weilnhammer.

Fakt ist auch, dass die E-Procurement-Projekte in der Anfangszeit Geld kosten, die Investitionen sind teilweise gewaltig. Doch das Geld scheint gut angelegt: Fast drei Viertel der von Wieselhuber befragten Unternehmen erklärten, schon heute sei der Nutzen größer als der Aufwand.

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