Aktuelle Umfrage-Auswertung
Sentiment-Auswertung: Dax bleibt im Abwärtstrend

Der Dax außer Rand und Band. Kurskapriolen bei VW mit über 400 Prozent Kursgewinn in der Spitze an nur zwei Tagen sorgen bei Privaten als auch Institutionellen für großen Unmut. Der Dax und seine "Seriosität" werden hinterfragt.

FRANKFURT. Schuldige werden gesucht und selbstverständlich auch schnell gefunden. Während dieser Diskussion steigt der Dax in der vergangenen Woche um 16 Prozent an. Ein "echter" oder "unechter" Gewinn?

Stimmen werden laut, der Dax wäre – auch mit Hilfe der Technischen Analyse – nicht mehr seriös prognostizierbar. Hier bin ich völlig anderer Meinung. Eine der Grundprinzipien der Technischen Analyse lautet, den Kurs als gegeben hinzunehmen und nicht die Ursache zu hinterfragen. Dieses Prinzip darf weder in normalen noch "unnormalen" Zeiten hinterfragt werden.

Und überhaupt, wer darf denn bestimmen welche Zeit gerade als normal oder unnormal gilt? In Zeiten des Neuen Marktes waren solch exorbitanten Ausschläge zeitweise die Realität und wurden auch nicht sonderlich hinterfragt. Klar, es war ja zum Höhepunkt auch ein jeder dabei und hat die Gewinne genossen. Das sieht im Falle der VW-Aktien natürlich anders aus. Angebot und Nachfrage haben die Aktien bestimmt und warum das so ist darf den Technischen Analysten nicht interessieren.

Zum anderen hört man immer wieder das Argument, der Dax wäre ohne den VW-Effekt um zirka neun Prozent am ersten Tag der Kurskapriolen niedriger gestanden (weil die restlichen 29 Aktien im Dax ausnahmslos gefallen sind). Hier aber wird meiner Meinung nach eine Milchmädchenrechnung aufgemacht.

Fakt ist, dass Benchmarkorientierte Anleger die VW-Aktien kaufen mussten und im Gegenzug die restlichen 29 Aktien untergewichtet - also verkauft haben (ggf. auch nur aus reinen Liquiditätsgründen). Das hat natürlich die restlichen Aktien unter Druck gebracht. Wäre es also nicht zu den Kurskapriolen bei den VW-Aktien gekommen hätten mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die restlichen Aktien nicht so stark verloren.

Und zu guter Letzt war eine positive Woche mit rund 20 Prozent Gewinnchance beim Dax bereits mit den Freitagsschlusskursen von vorletzter Woche prognostizierbar. So wurde dem Dax an dieser Stelle hier auch eine Gegenbewegung bis 5 000 Punkte zugetraut.

Wie die aktuellen Ergebnisse der Handelsblatt Sentimentumfrage in Zusammenarbeit mit der Postbank belegen, nehmen die befragten Leser die jüngsten Kursgewinne scheinbar ernst - und das trotz des "VW-Effektes". Zwar verharrt der Stimmungsindex für die kurzfristige Sichtweise nach wie vor im neutralen Bereich doch der Stimmungsindex für die mittelfristige Sichtweise springt deutlich an. Er legt von 25 auf jetzt 43 Prozent zu. Ein solch hoher Wert wurde bereits einmal zu Anfang Mai dieses Jahres ermittelt.

Zu diesem Zeitpunkt notierte der Dax um die 7 000 Punkte bevor er rund zwei Wochen später wieder den Rückzug antrat. In dieser Phase verlor er in der Spitze von 7 230 auf 6 000 Punkte. Ob es dieses Mal ähnlich läuft bleibt letzten Endes abzuwarten. Es wird aber an dieser Stelle bereits seit geraumer Zeit auf die bislang ausgebliebene Kapitulationsstimmung in den mittelfristigen Sentimentwerten hingewiesen.

Aus rein technischer Sicht hat der Dax zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch etwas Luft gen Norden. Erst zwischen 5 290 bis 5 360 Punkten stößt er auf ein enormes Bollwerk. Hier kumulieren unterschiedliche Fibonaccistudien, so dass dieser Marke mehr als nur den üblichen Respekt gezollt werden muss. Zudem verläuft bei 5 383 Punkten der 38-Tagedurchschnitt und zu guter Letzt markierte der Dax dort ein bedeutendes Reaktionshoch.

Halten wir fest: Der übergeordnete Abwärtstrend ist weiterhin intakt – eine Kapitulationsstimmung haben wir in den strategischen Sentimentwerten noch nicht gesehen und somit ist auch noch keine Bodenbildung erkennbar. Vorsicht bleibt also das Gebot der Stunde. Kurzfristig hat der Dax noch Luft bis zur Kumulationszone zwischen 5 290 bis 5 360 Punkten. Hier spätestens wird die Luft wieder sehr dünn.

Der Autor, Thomas Theuerzeit, ist Technischer Analyst bei Postbank – Financial Markets

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%