Aktuelle Zahlen spiegeln nicht die Potenziale und Risiken der Zukunft
Billigflieger - bessere Chancen für Anleger?

Die Zahlen sprechen für sich. Während große Gesellschaften wie Lufthansa oder British Airways massive Verluste melden, lassen Billigflieger, aktuell Ryanair, aber auch Easyjet und andere, immense Zuwächse bei Umsätzen, Flugzahlen und Gewinn verlauten. Doch was steckt hinter diesen aktuellen Zahlen? Ungebremste Chancen für die Aktien auch in Zukunft - oder Risiken, die durch Erfolgsmeldungen der (jüngeren) Vergangenheit übertüncht werden? Ein genauer Blick lohnt:

Die Zahlen

Lufthansa meldete im April einen Rekordverlust von 754 Mill. Euro bei einem Umsatz in 2001 von 16,4 Mrd. Euro. British Airways verzeichnete in den zwölf Monaten des Geschäftsjahres, das am 31. März endete, einen Verlust von 200 Mill. Pfund (320 Millionen Euro) gegenüber einem Gewinn von 150 Mill. Pfund im Jahr davor. Neben den Folgen der Terroranschläge am 11. September 2001 führen Analysten häufig einen weiteren Grund für die Probleme der Großen an: die Konkurrenz durch Billigflug-Anbieter. "Das große Problem bleibt der Verfall der Durchschnittserträge", sagt Philipp Goedeking, Partner bei Roland Berger.

Dagegen zum Beispiel die Zahlen von Ryanair: Das irische Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2001/02 einen Vorsteuergewinn von 172,4 Millionen Euro, im Vergleich zu 123,4 Millionen Euro in den vorangegangenen zwölf Monaten. Der Umsatz stieg von 487,4 Millionen Euro auf 624,1 Millionen Euro an.

Auch die Fluggastzahlen sprechen für sich: Die Lufthansa hat im Mai erneut weniger Passagiere transportiert. Im achten Monat nach den Terroranschlägen in den USA wurden rund 3,8 Millionen Fluggäste gezählt und damit 5,7 Prozent weniger als im Vorjahr, wie die Lufthansa mitteilte. Kleiner Ausgleich: Lufthansa Cargo transportierte mit 134 000 Tonnen 1 Prozent mehr Fracht und Post, nachdem das ganze Jahr 2001 wegen schwächerer Konjunktur und des 11. September Rückgänge verzeichnet worden waren. Wegen der verkleinerten Flotte stieg die Auslastung der Passagier- Maschinen erneut um 1,9 Punkte auf 73,4 Prozent, bei der Fracht um 7,4 Punkte auf 64,3 Prozent.

Wiederum als Contrapunkt Ryanair: Das Passagieraufkommen der Iren erhöhte sich im Geschäftsjahr 2001/02 um 38 Prozent auf 11,1 Millionen Fluggäste. Die Sitzauslastung wurde mit 81 Prozent angegeben. Firmenchef Michael O'Leary erwartet in diesem Jahr allein zwei Millionen Passagiere auf den Flugrouten von und nach Deutschland.

Chancen und Risiken

Neben den Zahlen spielen die Perspektiven eine wichtige Rolle bei der Bewertung, ob das Investment in eine Fluggesellschaft lohnt. Chancen und Risiken müssen erkannt und abgewogen werden. Die Entscheidung, ob ein Engagement in ein Papier danach sinnvoll erscheint, bleibt dem Anleger überlassen.

Die Billigflieger

Chancen liegen im Marktwachstum: Zwar schwanken die Angaben über den Markt. Analysten sehen einen derzeitigen Marktanteil der Billiganbieter zwischen 4,6 und 10 Prozent. Für die Zukunft prognostizieren die Unternehmensberater von Mercer Management Consult eine Zunahme des Marktanteils bis 2005 um 25 Prozent. Goldman-Sachs-Analysten gehen immerhin von einem Anteil von 17 Prozent bis 2008 aus. Aber klar erkennbar ist der Trend: Billiganbieter haben Wachstumschancen.

Doch diese Chancen bergen zugleich massive Probleme: Da die beiden großen Billiganbieter - Ryanair und Easyjet - derzeit massiv investieren, müssten sie den Kuchen schon fast jeweils allein bekommen, um sich nicht zu übernehmen. Denn in den derzeitigen Investitionen sind die optimistischen Zukunftserwartungen eingepreist. Hinzu kommt, dass auch andere Unternehmen den Billigflieger-Markt ins Auge gefasst haben. So nutzt Preussag-Chef Michael Frenzel derzeit jede Gelegenheit, über einen möglichen Aufbau einer eigenen Linie zu sprechen.

Neben Ryanair und Easyjet tummeln sich BMI British Midland Airways Ltd., KLM Royal Dutch Airlines (mit Basiq Air und Buzz), Germania, ab Oktober MyTravel Group Plc und möglicherweise irgendwann eben Preussag oder auch die Lufthansa auf dem Markt.

Der Vergleich: Ryanair, Easyjet, Lufthansa

Ryanair

Analysten sprechen der Gesellschaft die günstigste Kostenstruktur aller Billigflieger zu. Doch die Risiken sind enorm - mehr dazu im Beitrag "Für Ryanair wird die Luft bald dünner" bei Handelsblatt.com.

Easyjet

Chancen bieten sich durch die Expansions-Strategie: Die Übernahme von Go, ebenfalls ein Billigflieger, erscheint vielen Analysten strategisch sinnvoll. Die Gesellschaften weisen ein ähnliches Low-Cost-Modell auf. Im Gegensatz zu Ryanair sprechen sie auch Geschäftsreisende an und damit ein größeres Marktsegment. Die Ziele der beiden Gesellschaften überlappen sich nur auf wenigen Strecken, beide fliegen hochprofitabel. Die geplante Übernahme der British-Airways-Tochter DBA öffnet Easyjet den deutschen Markt.

Doch die Risiken sind nicht zu überschätzen: Easyjet betreibt einen immensen Aufwand (650 Mill Euro legt das Unternehmen für Go auf den Tisch, vermutlich 30 bis 40 Mill für DBA sowie Milliarden-Beträge für 75 neue Flugzeuge. Einige Analysten warnen zudem, dass die Integration von Go und DBA schwierig verlaufen könne - aus unterschiedlichen Gründen: Sowohl in den Unternehmenskulturen wie auch den Tarifstrukturen gibt es Unterschiede.

Lufthansa:

Analysten befürchten durch Übernahme der DBA einen Preiskampf und damit einhergehend höhere Verluste auf vielen Strecken, die ohnehin defizitär sind - zumal Easyjet auch auf Geschäftsreisende abzielt und damit auf die Haupt-Klientel der Lufthansa. Chancen bieten sich durch die Ausrichtung auf ein anderes Marktsegment. Die internationale Ausrichtung, gestärkt durch weltweite Kontakte über die Star Alliance, rechtfertigt höhere Preise und bietet damit Ertragschancen. Auch künftig werden Kunden zudem bereit sein, für besseren Service mehr zu zahlen.

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