Aktueller Ifo-Index ist "keine gute Nachricht"
Analysten: Regierungskurs belastet Stimmung

Die weiter eingetrübte Stimmung der deutschen Wirtschaft im Oktober ist nach Ansicht von Volkswirten insgesamt keine gute Nachricht für die Konjunktur.

vwd/rtr FRANKFURT. Zwar sei die Verschlechterung erwartungsgemäß ausgefallen, erläuterte Bernd Weidensteiner (DZ Bank). Die nochmals schlechtere Erwartungskomponente sei indes negativ zu werten. Verantwortlich dafür sei wohl die Debatte über die möglicherweise anstehenden Steuererhöhungen gewesen: "Das hat die Stimmung beeinträchtigt".

Auch Jörg Krämer (Invesco) sieht in dieser Diskussion neben den verschlechterten Aussichten für die Weltwirtschaft den Hauptgrund für die gesunkenen Erwartungen.

"Klares Abwärtssignal

Bei der Lagebeurteilung machte Weidensteiner jedoch eine Stabilisierung "allerdings auf niedrigem Niveau" aus. Krämer weist dagegen darauf hin, dass die Lagebeurteilung üblicherweise der Erwartungskomponete "nachlaufe" und daher nicht isoliert betrachtet werden sollte. Der Invesco-Chefvolkswirt bewertet den fünften Rückgang des ifo in Folge daher als klares Abwärtssignal. Das Wachstum des Bruttoinlandsproduts (BIP) werde in Deutschland bis Mitte 2003 im Quartalsabstand einen Wert von 0,2 Prozent nicht überschreiten, befürchtet Krämer.

Für die weitere Entwicklung des Stimmungsindikators ist es Weidensteiner zufolge entscheidend, wie sich die Situation an den Aktienmärkten darstellen wird. Falls hier eine Verbesserung eintrete und möglicherweise bei den geplanten Steuererhöhungen "nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde", sei beim ifo im kommenden Monat sogar eine leichte Aufwärtsbewegung möglich. Dies solle dann aber nicht überbewertet, sondern als eher technische Reaktion auf den zuletzt seiner Ansicht nach übertriebenen Pessimismus gewertet werden, so Weidensteiner.

Unsicherheit an Aktien-Märkten als eine Ursache

Christoph Hausen von der Commerzbank sagte, Ursachen für den Index-Rückgang seien die Unsicherheit an den Aktienmärkten, der hohe Ölpreis und - nach der Bundestagswahl - die weitere Verschärfung des finanzpolitischen Kurses. "Mindestens bis zum ersten Quartal 2003 ist mit allenfalls schwachem Wachstum zu rechnen", sagte der Volkswirt.

Uwe Angenendt von der ING BHF-Bank sagte, eine Trendwende sei nicht in Sicht. Zudem sei in viele Antworten auf die Umfrage des Ifo-Instituts der Inhalt des Koalitionsvertrags noch nicht eingegangen. Weil die Regierungspläne die Unternehmen belasten würden, dürfe man gespannt sein, wie der Index im kommenden Monat ausfalle.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%