Aktueller Verfall des Dollar verstärkt einen bestehenden Trend
Fondsmanager reduzieren Engagment in Dollar

Angesichts der Dollar-Schwäche denken die europäischen Asset- und Fondsmanagern langsam um. Ein hastiges Umschichten der Portfolios ist ausgeblieben, aber allmählich verlagern sich die Gewichte zugunsten europäischer Aktien.

sia LONDON. Viele Vermögensverwalter hatten ihre Engagements in Aktien, die auf Dollar lauten, schon nach den ersten Kursverlusten der US-Währung zurückgefahren. Laut UBS Warburg zeigt der internationale Kapitalstrom (Cross-Border-Investor-Flow), dass der Fluss sich bereits vor der jetzigen deutlichen Dollar-Schwäche in Richtung Europa gedreht hatte. Der große Richtungswechsel blieb bislang aus - aber Geldmanager sind notorisch langsam. So mancher gibt zu, noch an einer neuen Strategie zu arbeiten.

Allerdings ist die Dollar-Schwäche nicht die Hauptsorge der Fonds- manager. Die Einbrüche der Aktienmärkte und die täglichen Ausschläge der Indizes machen ihnen noch mehr zu schaffen. "Neben der Volatilität des Devisenmarkts ist schließlich auch auf den Aktienmärkten so viel los, dass die Auswirkungen der Dollar-Schwäche einfach verdrängt werden", erklärt Tony Dolphin, Leiter für Global Economics bei Henderson Global Investors.

Auch Henderson hat seit April sein Engagement in US-Aktien zurückgefahren und mehr in kontinentaleuropäische Aktien investiert. Die Strategen der Firma rechnen nicht damit, dass der Dollar nicht mehr mit denselben Kurssprüngen auf gute US-Konjunkturdaten reagieren wird, wie bisher. Jetzt sei allerdings kein weiterer Abzug von Kapital aus US-Aktien geplant - trotz der Dollarschwäche.

Auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS hat den US-Anteil in ihrem Aktien-Portfolio seit Jahresbeginn nach und nach von 43 auf 35 % zurückgefahren. Und zwar mit zunehmendem Tempo, seit der Dollar zu schwächeln begann, sagt DWS-Aktienchef Klaus Kaldermorgen. Außerdem hat DWS 60 % seines US-Aktienengagements (insgesamt 9 Mrd. Euro) durch entsprechende Dollar-Termingeschäfte gegen weiteren Währungsverlust abgesichert (Hedging). "Wir überdenken zwar nicht täglich unsere Investmentgewichtung (Asset-Allocation). Aber der Trend, unser US-Engagement zu reduzieren, ist da", sagt Kaldermorgen. "Dies vollzieht sich aber weniger durch drastische Umschichtung, als vielmehr durch allmähliche Verlagerung."

Ein ähnliches Verhalten hat eine Merrill-Lynch-Studie unter den meisten globalen Fondsmanagern beobachtet. Demnach hatten 36 % der befragten Geldmanager Anfang Juni US-Aktien in ihren Portfolios untergewichtet. Im Mai waren es erst 12 % gewesen, im April nur 1 %. Zum Zeitpunkt dieser Umfrage (Anfang Juni) hatte der Euro gegenüber dem Dollar noch bei 0,94 $ notierte. Inzwischen liegt er bei knapp einem Dollar.

Wie in den beiden Vormonaten hatten rund 36 % der Geldmanager die Aktien aus der Euro-Zone in ihrem Portfolio übergewichtet. Ein kleiner Teil hält britische Aktien untergewichtet, weil die Strategen erwarten, dass diese von einer Erholung der Weltwirtschaft nicht so sehr profitieren werden. "Hinter dieser Umgewichtung stehen allerdings keine Dollar-Überlegungen", sagt Sarah Franks, Europa-Strategin bei Merrill-Lynch. "Der Grund sind Bedenken über die Gewinnentwicklung bei den US-Unternehmen."

Den Trend weg von US-Aktien hin zu europäischen Aktien bestätigen auch die Kunden der Investmentbank UBS Warburg. Hier haben die US-Investoren schon seit Monaten europäische Aktien gekauft. Auch die europäischen Anleger haben sich demnach neuorientiert. Nach der Einschätzung von UBS Warburg verstärkt der Wertverfall des Dollar die Rückbesinnung auf europäische Papiere.

Quelle: Handelsblatt/Wall Street Journal

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