Akute Liquiditätsschwierigkeiten
SER Systems AG stellt Insolvenzantrag

Der wegen seiner Geschäftspolitik von Aktionärsvertretern kritisierte Softwareanbieter SER Systems hat Insolvenzantrag gestellt.

Reuters NEUSTADT/WIED. Der Käufer des veräußerten US-Geschäfts werde der Aufforderung, die vertraglich fixierten Kaufpreisfälligkeiten wenigstens zum Teil vorzuverlegen, nicht nachkommen, teilte das ehemals am Neuen Markt gelistete Unternehmen am Donnerstag mit. "Die Wirksamkeit der Kaufverträge wird von verschiedenen Seiten in Zweifel gezogen."

Die kreditgebenden Banken der SER Systems hätten daher am 2. Juli den bestehenden Poolvertrag gekündigt. Zugleich habe einer der Poolbanken ihre Kreditlinie mit Wirkung zum 15. Juli gekündigt, begründete SES den Insolvenzantrag für die AG und die SER SoftTech GmbH.

Bei dem Käufer des US-Geschäfts handelt es sich um die US-Gesellschaft KES Acquisitions, an die der frühere, für das US-Geschäft zuständige SER Systems-Vorstand Carl Mergele beteiligt ist. Mit dem Banken-Poolvertrag hatte SER Systems Ende Januar 2002 die Fortführung der Geschäftstätigkeit gesichert.

Um die Bankverbindlichkeiten zu tilgen, hat SER sich dazu verpflichtet, weitere Vermögensgegenstände zu verkaufen. Mit dem Verkauf des US-Geschäfts sollten eine tragfähige neue Vereinbarung mit den kreditgebenden Banken erreicht und Altverbindlichkeiten abgebaut werden.

Aktionärsvertreter hatten den Verkauf des US-Geschäfts kritisiert. Er sei entgegen einer Einstweiligen Verfügung und zu einem nicht adäquaten Preis erfolgt, hatte die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) kritisiert.

Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte den Verkauf durch den damaligen Vorstandschef Gert Reinhardt. Zum Zeitpunkt des Verkaufs der US-Aktivitäten am 12. Juni habe eine Einstweilige Verfügung noch gar nicht existiert, wies SER-Sprecherin Bärbel Heuser-Roth am Dienstag die Vorwürfe zurück. KES sei zudem der einzige Interessent für den Kauf gewesen und SER Systems habe das Geld zur Liquiditätssicherung gebraucht. Deswegen sei der Vorwurf, keinen adäquaten Kaufpreis erzielt zu haben, ungerechtfertigt. Den Verkaufserlös bezifferte Heuser-Roth mit 20 Millionen Dollar.

Die SdK teilte mit, nach ihrer Erkenntnis hätten die übertragenen Vermögensgegenstände mindestens einen Wert von 67 Millionen Euro. Ursprünglich wollte SER die Tochterfirmen in Deutschland und Österreich vollständig an das jeweilige Management verkaufen (Management-Buy-Out, MBO), die US-Aktivitäten sollten zu 85 Prozent veräußert werden.

Diese Vorschläge waren von der Hauptversammlung zwar genehmigt, dann aber vom Landgericht Koblenz wegen anhängiger Anfechtungsklagen untersagt worden. Die MBOs scheiterten wegen der Ungewissheit und SER entschloss sich, die AG allein mit den deutsch-österreichischen Töchter fortzuführen.

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