Akzo Nobel muss den Marktstart des Hoffnungsträgers Gepirone erneut verschieben
Ein Antidepressivum bereitet Kummer

Neuer Rückschlag für den niederländischen Chemie- und Pharmakonzern Akzo Nobel: Die Vermarktung seines Antidepressivums Gepirone in den USA wird sich um mindestens ein Jahr verzögern. Grund dafür sind nach Angaben des Unternehmens Probleme bei vertieften Tests mit dem Medikament, das bisher unter dem Namen Ariza geführt wurde.

DÜSSELDORF. Gepirone werde nun frühestens Anfang 2004 auf den amerikanischen Markt kommen. Ursprünglich hatte Akzo Nobel eine Zulassung zum Ende des laufenden Jahres angepeilt.

Gepirone ist eines der Hoffnungsträger des Pharmageschäfts von Akzo Nobel. Der Konzern schätzt das jährliche Umsatzpotenzial auf eine halbe Mrd. Euro. Damit soll Gepirone mittelfristig den bisherigen Umsatzträger Remeron ablösen, der allein 2001 für 627 Mill. Euro Umsatz sorgte. Doch nun ist der Patentschutz für Remeron in den USA abgelaufen und dem Mittel gegen Depressionen droht eine starke Konkurrenz durch Nachahmer-Präparate.

Damit steht Akzo Nobel vor der Gefahr, dass durch die Verzögerung bei Gepirone eine Umsatzdelle im Pharmageschäft entsteht. Die Markteinführung des Nachfolgers hatte Akzo vor einem halben Jahr schon einmal verschieben müssen. Damals hatte die US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung des Mittels in Frage gestellt und von Akzo neue Daten über die Wirkungsweise des Mittels gefordert. Doch nun hat das niederländische Unternehmen nach eigenen Angaben Probleme, die erforderliche Anzahl von Teilnehmern für die erweiterte Studie zu finden.

Reputation im Arzneigeschäft angekratzt

Die erneute Verzögerung wirft Akzos Pharmasparte nach Einschätzung von Analysten deutlich zurück - manche sehen sogar die Reputation des Konzerns im Arzneigeschäft angekratzt. "Bei Akzo häufen sich die negativen Meldungen aus der Pharmasparte", kommentierte Marcus Konstanti von der Bank Sal. Oppenheim. Die Aktie verlor gestern an der Börse Amsterdam bis zum Nachmittag rund 10 % ihres Wertes.

Der Konzern verfügt zwar auch über starke Standbeine im Chemiegeschäft und in der Farbenproduktion - die Pharmasparte jedoch steht im Mittelpunkt der Wachstumsstrategie. Sie steuerte im vergangenen Jahr rund 28 % zum Konzernumsatz von 14,1 Mrd. Euro und etwas mehr als die Hälfte zum Betriebsgewinn von 1,6 Mrd. Euro bei.

Kein Glück bei Zulassung neuer Mittel

Vor allem bei der Zulassung neuer Mittel agierte Akzo zuletzt glücklos. Im vergangenen Jahr war der Konzern bereits mit der US-Zulassung des Medikaments Xyvion zur Behandlung der Knochenkrankheit Osteoporose gescheitert. Es soll nach weiteren Tests nun mit einer Verzögerung von zwei Jahren auf den Markt kommen. Bei den bisherigen Medikamenten hält sich Remeron mit einem deutlichen Umsatzwachstum außerhalb der USA zwar noch gut, doch von dem neuen Thrombosemittel Arixtra haben sich Analysten mehr Wachstum versprochen. "Bei Akzo fehlen die Zeichen, woher neuer Schwung im Pharmageschäft kommen soll", sagt Konstanti.

Akzo hält dagegen und baut etwa auf seine Expertise im Geschäft mit Verhütungsmitteln, in dem der Konzern gemeinsam mit der Berliner Schering AG marktführend ist. Neue Medikamente wie Nuvaring und Implanon sollen Wachstum bringen. Zudem will der Konzern vor Gericht den vollen Patentverlust bei Remeron verhindern und klagt gegen die Hersteller von Nachahmermitteln - nach Einschätzung der Analysten von UBS Warburg aber mit wenig Aussicht auf Erfolg.

Akzo-Chef Cees van Lede gestand zuletzt mit Blick auf die Zahlen des zweiten Quartals Probleme in der Pharmasparte ein: Das Betriebsergebnis sank um 6 %; zudem belasteten Abschreibungen das Geschäft mit der Tiergesundheit. Der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte van Leede, dass Akzo bei Verzögerungen der Zulassung neuer Medikamente ein Gewinnwachstum von mehr als 10 % für mehrere Jahre wohl nicht erreichen könne.

Inwieweit die Probleme bei der Zulassung von Gepirone bei Akzo hausgemacht sind, können Analysten aber nicht abschätzen. Denn auch die Anforderungen der FDA im Zulassungsverfahren sind in jüngster Zeit kräftig gestiegen.

Quelle: Handelsblatt

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