Alarmzustand nach Terror-Anschlag auf Hindu-Tempel
Indien fürchtet neue Welle der Gewalt

Erst nach zwölf Stunden war der Terror-Anschlag auf einen Tempel im westindischen Bundesstaat Gujarat beendet. Am frühen Mittwochmorgen stürmten Spezialeinheiten der Polizei den hinduistischen Swaminarayan-Tempel in der Verwaltungshauptstadt Gandhinagar außerhalb von Ahmedabad. Sie erschossen die zwei Attentäter, die am Vorabend den Tempel gestürmt und mehr als dreißig Menschen getötet hatten.

bi DELHI. In Indien wächst die Sorge, dass der Angriff auf den Tempel eine neue Welle der Gewalt zwischen Hindus und Moslems in Gujarat auslösen könnte. Innenminister L.K.Advani, der auch Abgeordneter von Gandhinagar ist, fuhr nach Gujarat, gefolgt von Oppositionsführerin Sonia Gandhi. Premierminister A.B.Vajpayee brach einen Besuch in den Malediven ab. Er appellierte an alle Bürger des Landes, den gemeinsamen Feind des Terrorismus vereint zu bekämpfen. Vajpayee scheute sich allerdings auch nicht, indirekt aber deutlich Pakistan für Terror-Akte wie diesen zu beschuldigen.

Gleichzeitig wurden 3000 Mann paramilitärische Einheiten nach Gujarat verlegt, und während der ganzen Nacht patrouillierten Friedenskomitees beider Religionsgruppen in den Straßen. Gujarat ebenso wie andere Staaten haben eine erhöhte Alarmbereitschaft ausgerufen. Diese Reaktionen zeigen, wie hoch das Risiko ist, dass der Anschlag - vermutlich von islamischen Selbstmordattentätern verübt - unter den Hindus in Gujarat eine gewalttätige Reaktion provozieren könnte. Im vergangenen März war es in diesem Staat zu wochenlangen Pogromen gegen die muslimische Minderheit gekommen, nachdem ein Zug mit Hindu-Pilgern in Brand gesteckt worden war.

Es ist nahe liegend, im Terror-Akt eine Rache für die Massaker vom März zu vermuten. Darauf weist auch eine Schrift hin, welche auf einem der getöteten Attentäter gefunden worden ist. Sie ist in Urdu, der Sprache der Muslime des Subkontinents, verfasst und spricht von einer Organisation namens "Tehrik-e-Qatar Gujarat". Experten meinten allerdings, das Attentat weise die Handschrift von islamistischen Selbstmord-Kommandos auf, welche von Pakistan aus vor allem in Kaschmir tätig geworden sind. Die Regierung von Gujarat sei im Besitz von Informationen, wonach eine dieser Organisationen nach den März-Unruhen davon gesprochen habe, den "Jihad", den heiligen Krieg, nach Gujarat zu tragen, und mit Anschlägen auf Hindu-Ziele diese zu provozieren und damit einen Schulterschluss der 145 Millionen indischen Muslime herbeizuführen. Das Ziel des Angriffs war sorgfältig gewählt. Die Swaminarayan-Sekte ist in Gujarat sehr populär, namentlich unter der Bauernkaste der Patels, die in den Unruhen vom März eine düstere Rolle gespielt hatte.

Quelle: Handelsblatt

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