Albright vertritt Clinton in Camp David
Streit um Jerusalem Hauptthema bei Nahostverhandlungen

Barak stimmt Kompromissvorschlag an Palästinenser zu - Kontrolle über arabische Viertel Jerusalems angeboten

ap THURMONT/USA. Der Streit um den künftigen Status von Jerusalem hat am Freitag die Nahost-Verhandlungen in Camp David bestimmt. Nach Angaben eines israelischen Kabinettsministers stimmte Ministerpräsident Ehud Barak einem Plan zu, der ein bestimmtes Maß palästinensischer Kontrolle in einigen arabischen Vierteln Jerusalems vorsieht. Die USA wollten versuchen, die Palästinenser von diesem Angebot zu überzeugen. Von deren Zustimmung oder Ablehnung könnte das Schicksal des Gipfels abhängen, auf dem über ein endgültiges Friedensabkommen verhandelt wird.

Seit der Abreise von US-Präsident Bill Clinton zum G-8-Gipfel nach Japan führt US-Außenministerin Madeleine Albright die Gespräche. Sie traf sich am Freitag zunächst mit dem amerikanischen Verhandlungsteam und kam dann zu getrennten Konsultationen mit den israelischen und palästinensischen Unterhändlern zusammen. Albright wollte zudem einzeln mit Barak und dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat sprechen. Dieser hat bislang die volle Souveränität über Ostjerusalem gefordert, das die Hauptstadt eines künftigen Staates Palästina werden soll. Ein Sprecher des US-Außenministeriums teilte am Freitag mit, die Stimmung aller Beteiligten sei ernst.

Israelische Reaktionen

Der israelische Kabinettsminister für Minderheiten, Michael Melchior, erklärte, Israel könne im Rahmen der israelischen Souveränität über ganz Jerusalem eine gewisse erweiterte Verwaltungsautonomie in einigen moslemischen Viertel außerhalb der Altstadt akzeptieren. Er sagte weiter, Barak habe einem solchen Plan zugestimmt, der die palästinensische Kontrolle auch auf arabische Vororte Jerusalems ausweiten würde. Regierungsvertreter in Israel nannten es am Freitag unvermeidlich, den Palästinensern Souveränität über einen Teil von Jerusalem zu geben. Justizminister Jossi Beilin sagte, das jahrelange Festhalten an einem "einigen Jerusalem" sei zu einer Last geworden, die Israel nicht länger tragen solle. "Diese Dörfer gehören nicht wirklich uns", sagte Beilin unter Bezug auf arabische Viertel im Ostteil der Stadt.

Die israelische Umweltministerin Dalia Itsik erklärte, Barak habe ihr am Telefon berichtet, dass sich die Verhandlungen in einer kritischen Phase befänden. Es sei aber möglich, dass noch ein Friedensvertrag zu Stande komme. Neben dem künftigen Status Jerusalems zählen die Grenzen eines künftigen Staates Palästina und die Rückkehr von zahllosen Palästinaflüchtlingen nach Israel zu den schwierigsten Verhandlungspunkten.

Wie lange der Gipfel noch dauert, ist nicht bekannt. Außenamtssprecher Boucher erklärte jedoch, die US-Regierung halte es nicht für sinnvoll, für unbegrenzte Zeit zu verhandeln. Der historische Gipfel von Camp David, bei dem Israel und Ägypten 1978 einen Frieden vereinbarten, dauerte 13 Tage. Präsident Clinton wird voraussichtlich am Montag am Verhandlungsort zurückerwartet.

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