Alcatel und Ericsson gewinnen am stärksten
Europas Börsen: Technische Erholung

Händler sagten, die Investoren hätten die jüngst von starken Kursverlusten getroffenen Aktien von Telekomausrüstern gekauft und die Bestellung eines neuen Konzernchefs beim krisengeschüttelten französisch-amerikanischen Medienkonzern Vivendi Universal begrüsst.

Reuters FRANKFURT/MAIN. Allerdings, so Händler, gebe es weiterhin keine Anzeichen für eine nachhaltige Erholung der Aktienmärkte, die Gewinne seien technisch bedingt und beruhten lediglich auf Deckungskäufen. Die Stimmung bleibe weiter düster und die europäischen Märkte hätten auch von den wegen des Unabhängigkeitsfeiertags geschlossenen US-Börsen und den deswegen dünnen Volumen profitiert.

Zu den grössten Gewinnern gehörten die Titel des französischen Telekomausrüsters Alcatel und des schwedischen Mobiltelefonherstellers Ericsson. Die Vivendi-Aktien begrüssten die neue Führungsmannschaft mit einem Kursplus von 5,5 Prozent. Der neue Konzernchef Jean-Rene Fourtou hat angekündigt, die strapazierte Liquiditätssituation rasch angehen zu wollen. Die Titel der hoch verschuldeten France Telekom schnellten dank Spekulationen über Staatshilfe um 16,4 Prozent nach oben.

London

Die Börse London hat am Donnerstag trotz weiter bestehender Sorgen um die Bilanzierungspraktiken der Unternehmen fester geschlossen. Der FTSE-100-Index gewann 1,8 Prozent auf 4471 Zähler. Angesichts der feiertagsbedingt geschlossenen US-Börsen verharrten die Kurse in relativ enger Spanne, sagten Händler.

Vor allem Telekom - und Pharmawerte waren dem Markt eine Stütze. Die Aktien des Verlagshauses Reed Elsevier konnten die zwischenzeitlich verzeichneten markanten Verluste wieder aufholen und schlossen ein Prozent fester. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, von einem Gericht zu einer Stellungnahme betreffend die Bilanz 2001 aufgefordert worden zu sein. Händler verwiesen auf jüngsten starken Kurseinbussen der Medienaktien im Zuge der Krise beim französisch-amerikanischen Mediengiganten Vivendi Universal.

Zürich

Auch die Schweizer Aktien notierten mehrheitlich fester. Der SMI-Index schloss 2,4 Prozent höher mit 5848 Punkten. Händler sprachen von einem relativ ruhigen Geschäft mit moderaten Umsätzen. Der Markt konzentrierte sich auf einzelne Spezialsituationen. Dazu gehörten vor allem die CS Group, Roche und einzelne Versicherungen. Bei CS sei angesichts der Gewinnwarnung der nicht ganz unerwartete Rücktritt von Lukas Mühlemann als Verwaltungsratspräsident - er bleibt CEO - etwas in den Hintergrund getreten. Die CS-Aktien gewannen trotzdem 2,1 Prozent.

Paris

Die Erholung bei den Technologie- und Medienwerten und vor allem Vivendi Universal verhalfen der Pariser Börse zu einem deutlichen Plus. Der CAC40-Index gewann zwei Prozent auf 3697 Zähler. Händler sprachen angesichts der Vortagesverluste von einer technischen Erholung. Der Ausblick bleibe düster, hiess es. Unter den festeren Technologiewerten legten Alcatel 9m,7 Prozent zu. Vivendi Universal kletterten nach dem Führungswechsel um 5,5 Prozent. France Telecom schnellten dank Spekulationen über Staatshilfe um 16,4 Prozent nach oben.

Frankfurt

Beflügelt von einer kräftigen Erholung bei den Technologie- und Versicherungswerten haben die deutschen Aktienmärkte am Donnerstag deutlich zugelegt. Der Dax-Index notierte kurz vor Schluss um 2,4 Prozent fester bei 4239 Punkten. Der Anstieg sei jedoch nur eine technische Reaktion auf die vorangegangenen Verluste, sagten Marktteilnehmer. Es handele sich nicht um eine nachhaltige Trendwende.

Starke Kursgewinne verbuchte die zuletzt gebeutelte Aktie von Infineon. Im Rampenlicht standen auch die Titel von E.ON. Nach Angaben aus Koalitionskreisen wird die Übernahme des Ruhrgas-Konzerns durch E.ON unter Auflagen genehmigt. Zudem erhöhten sich die Kurse der schwer gewichteten Versicherer Allianz und Münchener Rück deutlich.

Benelux

Auch die Benelux-Börsen profitierten von einer technischen Gegenbewegung. Der Amsterdamer AEX-Index befestigte sich um 3,4 Prozent auf 420 Zähler und der Brüsseler Bel20-Index gewann 2,2 Prozent auf 2460 Punkte. Die am Vortag von Kursverlusten gebeutelten Aktien der Supermarktkette Ahold stiegen um 9,3 Prozent. Auch Technologietitel wie Philips oder ASML machten die Vortagesverluste gut. Die Aktien des Finanzkonzerns ING stiegen um 3,8 Prozent. Auch in Brüssel erholten sich die Schwergewichte von den Kurseinbrüchen des Vortages. Fortis legten 4,4 Prozent zu und Dexia stiegen 3,4 Prozent.

Mailand

Die Börse Mailand verbesserte sich im europäischen Umfeld eher moderat. Der Mib30-Index gewann 0,8 Prozent auf 26.903 Punkte. Gebremst wurde der Markt vor allem von den schwer gewichteten Bankwerten, die unter Sorgen über ihr Engagement bei krisengeschüttelten Unternehmen und Ländern litten. Die Aktien der aus der Fusion von Banca di Roma und Bipop hervorgegangenen Capitalia sackten um 5,4 Prozent ab und IntesaBci sanken 3,3 Prozent.

Madrid

Der Ibex-35-Index der Madrider Börse legte 1,4 Prozent auf 6687 Zähler zu. Massgeblich zur Erholung trugen die Titel der beiden Grossbanken Santander Central Hispano und Banco Bilbao Vizcaya bei, die 3,7 beziehungsweise 3,1 Prozent gewannen. Beide Aktien waren zuletzt wegen ihrer Engagements in Lateinamerika zuletzt stark unter Abgabedruck gestanden. Die Titel des Stahlkonzerns Acerinox stiegen um 3,4 Prozent nach Berichten, dass die Europäische Union (EU) möglicherweise Ausnahmen von den US-Zollbeschränkungen erreichen kann.

Skandinavien

Der DJ StoxxNordic-Index der skandinavischen Aktienmärkte erholte sich um 2,1 Prozent auf 269 Punkte. Die Börsen profitierten von den stark vertretenen Technologiewerten, die zum Teil markant zulegten. So gewannen Ericsson 6,1 Prozent und die Titel von Konkurrent Nokia verbesserten sich um 6,4 Prozent. Auch die beiden Telekombetreiber Sonera und Telia legten 8,1 beziehungsweise fünf Prozent zu.

Wien

An der Wiener Börse schloss der ATX-Index vergleichsweise moderate 0,4 Prozent höher mit 1227 Punkten. Auffällig waren laut Händlern die aussergewöhnlich hohen Volumen in Austrian Airlines. AUA schlossen 2,3 Prozent tiefer. Freundlich sah man Uniqa, OMV und Verbund mit Kursavancen zwischen 1,4 und 3,2 Prozent. Unter Druck standen Wienerberger.

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