Alcatel und Ericsson nur für risikofreudige Anleger
Netzausrüster kämpfen mit Absatzschwund

Sie streichen Stellen, senken ihre Prognosen und schrumpfen sich zurecht - doch noch immer ist für die Netzausrüster in der Telekombranche kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Die Konzerne leiden unter den Problemen der Kunden, die mit ihrem Geld lieber Schulden senken, als es zu investieren.

DÜSSELDORF. In ihren Ausblicken für die Netzausrüster in der Telekombranche wissen sich Analysten nur noch mit Zynismus zu helfen. Sie illustrieren ihre Berichte mit tiefen Abgründen und Straßen, die im Nirgendwo enden. Sie schreiben über das finstere Mittelalter, das auf die Telekomausrüster zukommt, und den drohenden Untergang. Kurzum: Der Kauf von Aktien von Unternehmen wie Alcatel oder Ericsson, Nortel oder Motorola ist eher etwas für den risikofreudigen und sehr langfristig orientierten Anleger. In den nächsten zwei bis drei Jahren sind die Wachstumsaussichten für diese Unternehmen äußerst trübe.

Der Grund: Die Kunden der Ausrüster, die großen Telekomnetzbetreiber, bestellen immer weniger Leitungen, Schalter und Mobilfunkantennen. Die Zulieferindustrie leidet unter den strikten Sparkursen von Konzernen wie Deutsche Telekom, France Télécom, AT&T und Vodafone. Sie haben mit hohen Schuldenbergen zu kämpfen und nutzen ihr Geld dafür, diese abzubauen. Die weltweiten Ausgaben für Telekomnetze werden in diesem Jahr voraussichtlich um 20 % sinken und im nächsten Jahr nach Schätzungen von UBS Warburg noch einmal um weitere 5 %.

Erschwerend kommt hinzu: Die Zahl der Kunden schrumpft, wenn beispielsweise die spanische Telefónica den Betrieb bei einigen ihrer europäischen Töchter einstellt.

Es wundert daher nicht, dass die Prognosen der Netzausrüster entsprechend verhalten ausfallen und die Verluste umso rekordverdächtiger. So senkte Ericsson-Chef Knut Hellström vor einigen Tagen die Umsatzerwartung des Konzerns. Analysten von Credit Suisse First Boston halten dem schwedischen Konzern allerdings noch zugute, dass er der weltweit größte Lieferant für Mobilfunktechnik ist und diese führende Position bei dem neuen Standard UMTS zu halten scheint.

Auch der kanadische Konkurrent Nortel rechnet mit Umsatzrückgängen. Analysten glauben daher nicht mehr daran, dass das Unternehmen Mitte nächsten Jahres wie geplant in die Gewinnzone zurückkehrt.

Jetzt hat Alcatel den fünften Quartalsverlust in Folge und keine Aussicht auf Besserung gemeldet. JP-Morgan-Experten raten daher von einem Kauf der Alcatel-Aktien ab: Der Konzern werde sich voraussichtlich schlechter als der Markt entwickelt.

Strategien mit mäßigem Erfolg

Die Netzausrüster versuchen, über Stellenabbau und ein effizienteres Vorgehen die sinkende Nachfrage aufzufangen - bisher mit mäßigem Erfolg. Ericsson griff daher jetzt zu einer Kapitalerhöhung, um Schulden schneller zu senken. Großaktionäre und Investoren sicherten dem Konzern zu, bei einer schwachen Nachfrage nach den neuen Aktien bei weiteren Anlegern den Großteil der Papiere zu kaufen - ein gutes Zeichen für Goldman-Sachs-Analysten, so dass die Kapitalerhöhung wohl erfolgreich über die Bühne gehen werde.

Die sonstige Strategie der Schweden erntet allerdings eher Kritik: Die Restrukturierung sei der Konzern zu langsam und mit zu wenig Energie angegangen nach dem Motto "ein Schritt vor, zwei Schritte zurück", schreiben Analysten von UBS Warburg.

Als kleiner Lichtblick der Branche gilt zurzeit der finnische Konzern Nokia. Das Unternehmen habe seine Kosten im Griff und im Gegensatz zu den Konkurrenten drohe Nokia auch kein Liquiditätsengpass, schreiben Analysten von Credit Suisse First Boston in einer jüngst verbreiteten Analyse. Doch die Einschränkung folgt auf den Fuß: Die Branchenexperten begründen ihr Loblied auf Nokia hauptsächlich mit den Erfolgen der Nokia-Handysparte und weniger mit dem Netzausrüstergeschäft. Immerhin halten sie aber 17 Euro für einen fairen Wert der Nokia-Aktie. Daher empfehlen sie den Anlegern das Papier zum Kauf.

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