Aldi, Lidl und Tchibo profitieren vom neuen Preisbewusstsein der Kunden im Weihnachtsgeschäft
Preiswerte Bescherung: Nur so lange der Vorrat reicht

"Wir bieten das, was den Nerv der Verbraucher trifft", betont Tchibo-Sprecher Joachim Klähn selbstbewusst. Beim Hamburger Kaffeefilialisten brummt das Weihnachtsgeschäft mit Ski-Unterwäsche, Digitalkameras und Juwelen. Das diesjährige Prunkstück, ein Brilliant-Einkaräter für 1 999 Euro, ist bereits ausverkauft. Es mache nämlich, wie Klähn beobachtet, keinen Unterschied, ob Artikel 4 999 Euro wie der Plasmabildschirm-Fernseher oder zehn Euro wie die Ski-Strümpfe kosten: Knappheit ist sexy.

HAMBURG/DÜSSELDORF. Und deshalb gibt es die Waren eben immer nur jeweils eine Woche. Deshalb fallen beim Hamburger Konzern große Lagerkosten erst gar nicht an. Und so kann Tchibo die Produkte zu einem günstigen Preis-/Leistungsverhältnis anbieten. sehr gefragt, beobachten Branchenkenner, aber die Weihnachtszeit verstärkt diesen Trend noch einmal: Die Prospekte von Aldi, Lidl, und Tchibo sind immer schneller vergriffen.

Die Kunden versprechen sich eine gute Qualität zum günstigen Preis. "Der reguläre Handel verstärkt diesen Trend noch einmal, indem er seine Preise kräftig senkt und Rabattaktionen macht", sagt Kerstin Lehmann, Einzelhandelsexpertin bei der Unternehmensberatung OC&C in Düsseldorf. "Damit gibt es im deutschen Handel eine strukturelle Preissenkung, die nicht mehr zurückzudrehen ist", sagt Lehmann. Nach dem Motto: Wer einen Artikel zum Originalpreis kauft, ist blöd.

Die Strauss-Gruppe profitiert von der Schnäppchen-Mentalität der Verbraucher: Mit ihren häufig wechselnden "Shopping-Erlebnis-Welten" positioniert sich der Langenfelder Einzelhändler ähnlich wie Tchibo. "Es könnte nicht besser laufen, unsere Umsatzzuwächse sind zurzeit zweistellig, und wir erwarten eine weitere Steigerung kurz vor dem Fest", sagt ein Strauss-Sprecher. Das Weihnachtsgeschäft will Strauss Innovation, so der Name der Einzelhandelsgeschäfte, mit einem "Weihnachtsbonus von bis zu 20 Prozent" ankurbeln, gültig ab einer Kaufsumme von 50 Euro.

Mit Schnäppchen locken auch die Discounter. Lidl bietet Farbfernseher für 599 Euro und DVD-Player für 111 Euro, Aldi einen Espresso-Automaten für 379 Euro. Ende November war es ein digitaler Camcorder zum Fotografieren und Filmen für 679 Euro - immer nur so lange der Vorrat reicht.

Wettbewerber Plus hat gleich ein ganzes Sortiment von Nonfood-Artikeln ins Internet gestellt, das zu Heiligabend seinen Platz unter dem Tannenbaum finden könnte. Die Auswahl reicht vom günstigen Besteck-Set bis hin zum hochwertigen PC. "Mir fehlt zwar die Phantasie, wie das Weihnachtsgeschäft nach einem derart schlechten Einzelhandelsjahr noch gut werden soll", sagt Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub, "aber jedenfalls ist unser Discounter Plus nicht schlecht positioniert und läuft besser als der Markt."

Dem Fachhandel hingegen gefällt der Schnäppchen-Tourismus überhaupt nicht. Vom regulären Einzelhandel ohnehin schon gescholten, geben Aldi & Co. nicht gerne zu, dass sie den Mittelständlern auch zur Weihnachtszeit deutlich schaden. "Wir verkaufen interessante "Nonfood-Artikel", heißt es bei der Kaufland Stiftung & Co. KG, zu der auch der Discounter Lidl gehört. "Wir sehen diese in erster Linie als Mitnahme-Artikel, nicht als Konkurrenz zu den Fachgeschäften."

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