Aldi trifft Grimaldi
„Auf dieses Rennen schaut die Welt“

Die Filmfestspiele in Cannes haben Kritiker und Kinogänger auf die Palme getrieben, weshalb die Traumfabrik an der Cote d?Azur eine Autobahnstunde weiter einen neuen Anlauf nimmt: Das 50. Formel-1-Rennen in Monte Carlo ist ein Action-Streifen der besonderen Art, so etwas wie "Matrix reloaded" im Motorsport. Beliebig viele Fortsetzungen der großen Illusion sind möglich.

MONTE CARLO. So wirklich versteht es keiner, worum es hier eigentlich geht, aber keiner wird das je zugeben. Es ist der glitzerndste, überfüllteste, langsamste, aufregendste, lauteste, kürzeste, gefährlichste WM-Lauf des Jahres. Kurz: der spektakulärste, seit es Wagenrennen gibt. Mit diesem Mythos wird gespielt, oder spielt der Mythos mit Monte Carlo?

Dass Zehntausende bereit sind, dafür reichlich Vergnügungssteuer zu bezahlen, drängt alle Bedenkenträger in die Auslaufzone. Überhaupt scheint die ganze Verkehrspolitik der Serie auf diesen frühen Saisonhöhepunkt ausgelegt. Wenn die Formel 1 "Fürst Class" fährt, ist die Ausnahme die Regel.

Nicht mehr zeitgemäß findet es Michael Schumacher, seit Jahren schon. Aber deshalb darauf verzichten? "Die Sicherheit ist jedes Jahr wieder ein Thema, zu Recht. Vom normalen Standard ist ein Start hier natürlich indiskutabel. Jedes Jahr aufs Neue stellt sich die Formel 1 daher die Frage, warum sie in Monaco fährt, und jedes Jahr entscheidet sie sich doch wieder dafür. Das ist kurios, aber der Reiz wirkt eben." Der Grand Prix du Monaco ist eben das Aushängeschild der Schein-Welt. Man kann es aber auch, noblesse ist bei dieser Hafenrundfahrt obligé, anders formulieren: Er ist das Juwel in der Krone der Weltmeisterschaft.

Prompt feiert das House of Moussaeiff im feinen Hotel du Paris zusammen mit dem Jaguar-Team die Einführung des "perfekten Diamanten". Als einer der üblichen, scharfen Kontraste passt dazu die Versteigerung des Jordan-Rennstalls, der zwecks Bilanzaufbesserung Wrackteile aus dem Vorjahr an elektronische Bieter vertickt. Die verschiedenen Ebenen an einem Ort zu synchronisieren, ergibt die faszinierende Geschäftsidee der Formel 1 in Monaco: Aldi trifft Grimaldi.

Zum 80. Geburtstag am Samstag von Regent Rainier III wirft sich auch die so genannte Rennstrecke, die in Wirklichkeit ein Boulevard mit temporären Leitplankenwänden ist, in Schale. Weil überall auf der Welt gerade an neuen Pisten gewerkelt wird, strebt auch Monte Carlo Breitwand-Format an. Immer auf die Maßstäbe eines Zwergstaates umgerechnet. Denn künftig soll die Piste statt schmaler 9,50 Meter um 50 Zentimeter erweitert werden. Hinter dem Schwimmbad werden dem Hafen 500 Quadratmeter Land abgewonnen, damit bis 2008 eine echte Boxengasse die bisher eher einem Badehäuschen als einer Garage ähnelnden Einrichtungen ablösen kann. Die schon jetzt sichtbare Baustelle wird auf monegassische Art überspielt - dort sind vorübergehend neue Tribünen entstanden.

Die Modernisierung ist ein nettes Signal der Diplomatie, wo doch andere Klassiker (Spa, Imola) für immer aus dem Rennkalender verbannt werden sollen. Monte Carlo dagegen dürfte - so lange keine Katastrophe auf der Piste passiert - in keiner Weise von Bernie Ecclestones Streichkonzert gefährdet sein. Hart würde die Veranstalter aber die angedachte Verschlankung des Programms auf zwei Tage treffen. Traditionell wird in Monaco donnerstags das erste Training gefahren, freitags ist frei zum Shoppen und Leben. Ein Klassiker mit Überlänge.

Die Schwarzhändler haben zwar schon mal bessere Tage erlebt, inzwischen aber hat auch ihr Geschäft angezogen. "Monte Carlo ist die größte Gelegenheit der Saison - für die Rennställe, Sponsoren und Fahrer", weiß Teamchef Dave Richards von BAR-Honda. BMW hat gar "kultische Traditionen und grenzenlosen Glamour als Fürsprecher für den berühmtesten aller Grand Prix" ausgemacht. Motorsportdirektor Mario Theissen: "Bei allem Anachronismus ist Monaco aus der Formel 1 nicht mehr wegzudenken. Auf dieses Rennen schaut die Welt."

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