Alexander Rittweger ist Chef der Loyalty Partner GmbH
Alexander Rittweger: Der Herr der Rabattpunkte

Den Job als Unternehmensberater war er leid. Da kam ihm die Idee mit der Payback-Karte. Er schuf so das größte Bonus-System des deutschen Handels.

Das Team von "Was bin ich?" hätte es nicht leicht mit ihm. In der Fernsehrateshow könnte er glatt als junger, gut aussehender Oberarzt durchgehen. Oder er könnte den Star in einem Rosamunde-Pilcher-Film mimen. So wirkt der groß gewachsene Mann mit der jugendlichen Strubbelfrisur und den stets lächelnden Augen auf den ersten Blick. Zum Gespräch kommt er elegant-lässig in Schwarz daher: im Cordanzug und offenem Poloshirt, über dem ein pink Hemdkragen thront.

Alexander Rittweger ist aber weder Fernsehstar noch Vorzeigearzt, sondern der Erfinder der elektronischen Rabattmarke. Er hat sich die Sache mit dem Payback ausgedacht. Das ist jene Plastikkarte, mit der inzwischen über neun Millionen Haushalte in Deutschland bei Firmen wie Galeria Kaufhof und Obi Punkte sammeln, um so drei Prozent billiger einzukaufen.

Der 35-Jährige ist Chef der Firma, die hinter dem Payback-System steckt, der Loyalty Partner GmbH in München. Sie wickelt für die Handelskonzerne alle Dienstleistungen ab, die mit der Rabattkarte zusammenhängen. "Wir beraten unsere Partner, entwerfen und drucken die Karten, wickeln für sie Werbeaktionen ab und verwalten die Punktekonten aller Kunden", beschreibt Rittweger das Geschäft des vor drei Jahren gegründeten Unternehmens, das 120 Mitarbeiter beschäftigt.

"Wir betreuen inzwischen mehr Kunden als die Deutsche Bank", lobt der ehemalige Roland-Berger-Berater den Erfolg der Firma. Und schon rückt er im Sessel des Münchener Konferenzraumes nach vorne und spricht lebhaft von hohen "Response-Quoten" bei "Mailing-Aktionen" und von "Fullservice-Angeboten" seiner Firma. Er schaut seinen Gesprächspartner dabei so an, als müsse der einfach in seine Begeisterung einstimmen.

Die Idee zu Payback kam Rittweger, als er noch für Roland Berger als Unternehmensberater unterwegs war. Mitte der neunziger Jahre berät er die Lufthansa beim Vielfliegerprogramm "Miles&More". Da kommt ihm der Gedanke, ein branchenübergreifendes Kundenbindungsprogramm für große Handelsfirmen in Deutschland zu entwickeln.

Lufthansa ist Mehrheitsgesellschafter

Außerdem ist er zu der Zeit das Beraterleben leid, das er seit 1992 führt. "Immer wieder im Flieger und jede Nacht im Hotel, das hat mir irgendwann gereicht", gesteht er. Nicht nur das. Er ist am Schluss "sehr frustriert", weil er nicht so selbstbestimmt arbeiten kann, wie er möchte. Und zum ersten Mal weicht das optimistische Lächeln aus seinem Gesicht und macht einer ernsten Miene Platz.

Für seine Payback-Firma braucht er Geld. Dem damaligen Berger-Partner gelingt es schließlich, Lufthansa-Chef Jürgen Weber und Roland Berger persönlich von seiner Idee zu überzeugen. 1998 gründen sie gemeinsam die Firma Loyalty Partner. Heute ist Lufthansa mit 50,6 Prozent Mehrheitsgesellschafter. Weitere Anteilseigner sind der Handelsriese Metro (25,1 Prozent), Roland Berger (7,5) und Rittweger selbst (16,8).

Die starken Gesellschafter geben Rittweger zwar finanzielle Sicherheit. Sie wollen aber Ergebnisse sehen. Rittweger muss sich sputen, noch mehr Kunden und Handelsfirmen zu gewinnen, seinen Service anderen Konzernen für deren Bonus-Programme anzubieten und sich attraktivere Prämien für die Kunden auszudenken. "Wir sagen dem Kunden: Hey, du hast dich für Payback entschieden, wir haben noch ein besonderes Angebot für dich", plaudert Rittweger ganz locker und streicht sich mit der Hand durchs Haar.

Der Betriebswirt, der sein Studium in nur sieben Semestern durchzog ("Der Unibetrieb hat mich genervt"), fördert zwar die Selbstständigkeit seiner Mitarbeiter ("Jeder sollte wie ein kleiner Unternehmer arbeiten"). Er gibt aber zu, dass er manchmal schlecht loslassen kann und "leider ein Ordnungsfanatiker" ist. "Ich lese keine E-Mails mit Rechtschreibfehlern", lautet seine Devise. Die schickt er seinen Mitarbeitern prompt zurück. "Wir können uns schließlich auch bei unseren Kunden keine Fehler leisten", begründet er sein strenges Regiment.

Am Wochenende geht der gebürtige Münchener gerne bergsteigen oder Ski fahren. Rittweger, frisch verheiratet, legt Wert auf Traditionen. An der linken Hand trägt er einen Siegelring. Und bei besonderen Anlässen tritt er in Lederhosen seines Urgroßvaters auf. In diesem Aufzug hätte es das Rateteam von "Was bin ich?" nicht leichter.

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