Alfred Tacke, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Persönlicher Vertreter des Bundeskanzlers bei den G8-Gesprächen: Tacke: "Europa ist gefordert, einen höheren Wachstumsbeitrag zu leisten"

Alfred Tacke, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Persönlicher Vertreter des Bundeskanzlers bei den G8-Gesprächen
Tacke: "Europa ist gefordert, einen höheren Wachstumsbeitrag zu leisten"

Warum fahren Sie zum World Economic Forum?

Ich nehme am World Economic Forum teil, da es eine einzigartige Gelegenheit ist, mit den Entscheidern in Wirtschaft und Politik Gespräche zu führen und die deutsche Position in der Wirtschafts- und Finanzpolitik in die verschiedenen Diskussionsrunden einzubringen.

Was hat Sie beim diesjährigen World Economic Forum am meisten erstaunt?

Überrascht hat mich insbesondere die sehr hohe Präsenz der Präsidenten Lateinamerikas und der jeweiligen Finanz- und Wirtschafsminister der Länder und der Notenbankchefs. Das zeigt welche herausragende Bedeutung das World Economic Forum - nicht nur für Europa und die USA - sondern auch für Lateinamerika hat. Angesichts der Probleme, insbesondere in Argentinien, aber auch der konsequenten Politik in Brasilien und Peru, war es deutlich, wie sehr die Länder darum bemüht sind, den Anschluss an die internationale technologische und wirtschaftliche Entwicklung zu halten und ihre konsequente Konsolidierungspolitik fortzusetzen.

Lessons learnt. Beim World Economic Forum geht es auch um neue Einblicke und Ideen. Was haben Sie in diesem Jahr an neuen Einsichten mit nach Hause genommen? Was habe Sie in Davos gelernt?

Beeindruckend war für mich die Bedeutung der europäischen Stabilitätspolitik, der Verschuldungsgrenze und des festgeschriebenen Budgetdefizits als beispielhafte Form der Zusammenarbeit und die herausragende Bedeutung die diese für viele Entwicklungsländer hat. Es wird anerkannt, dass dauerhaft Fortschritte erzielt werden können, nicht nur durch gute Regierungsführung und eine Öffnung der Märkte, sondern vor allem durch eine konsequente Finanzpolitik. Ich habe bisher die Wirkung der europäischen Finanzpolitik auf die Entwicklungsländer unterschätzt.

Es ist sehr intensiv diskutiert worden über die wirtschaftliche Bedeutung Europas. Angesichts der nachlassenden Wachstumsdynamik in den USA ist der Kontinent gefordert, einen höheren Wachstumsbeitrag zu leisten. Daher ist es nicht nur aus innenpolitischer Sicht, sondern auch gerade aus globaler Sicht notwendig, dass die Bundesrepublik Deutschland vor dem Hintergrund der Erwartungen der anderen großen Wirtschaftsnationen ihren Beitrag leistet durch Reformen die Wachstumskräfte zu stärken, damit die Eurozone überdurchschnittlich wächst und Wachstumsdefizite in anderen Regionen ausgleichen kann.

Überrascht hat mich allerdings auch, dass die immensen Anstrengungen die wir in den letzten Jahren in Deutschland zur Öffnung der Produktmärkte in den Bereichen Telekommunikation, Bahn, Energie und Post unternommen haben, international so wenig bekannt sind. Ich denke das die Marktöffnungspolitik auf den Produktmärkten in Deutschland beispielhaft ist und zum Teil weitergehend als in den Vereinigten Staaten.

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