Alibi des Tatverdächtigen überprüft
Polizei sucht weiter nach Düsseldorfer Bombenleger

Reuters DÜSSELDORF, 3. AUG. Die nächtliche Vernehmung eines zunächst als tatverdächtig eingestuften Militaria-Händlers hat die Polizei bei der Aufklärung des Düsseldorfer Bombenanschlages nicht vorangebracht. Der 34-jährige Mann wurde in der Nacht zum Donnerstag nach einem siebenstündigen Verhör wieder frei gelassen, weil er ein Alibi gehabt habe, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Es fehle weiter eine heiße Spur. Während die Polizei den Mann nicht dem rechtsradikalen Lager zuordnete, bezeichnete der Koordinierungskreis antifaschistischer Gruppen (Antifa) ihn als Sympathisanten der Neonazi-Szene. NRW-Innenminister Fritz Behrens (SPD) kündigte ein "Aktionsprogramm gegen rechte Gewalt" an.

In der Vernehmung bestritt der Mann nach Angaben von Staatsanwalt Johannes Mocken jede Beteiligung an dem Sprengstoffanschlag. Die Ermittler hätten sein Alibi überprüft und anschließend ihren Tatverdacht nicht mehr aufrechterhalten können. Über weitere Schritte in Bezug auf den Mann wollte sich Mocken nicht äußern. Der Mann sei mehrfach vorbestraft, allerdings nicht wegen rechtsextremer Delikte. Die Polizei prüfe aber, ob er einer rechtsextremen Vereinigung angehöre. Am Mittwoch hatte die Polizei unter anderem die unmittelbar in Tatortnähe liegende Wohnung des Mannes und dessen Geschäft durchsucht. Nach Angaben der Antifa hat der Mann über sein Geschäft die rechtsextreme Vereinigung "Düsseldorfer Kameraden" mit Waffen ausgerüstet. In Kreisen der Landesregierung hieß es, er sei selbst kein Vereinsmitglied.

Die Polizei geht mit einer 50 Beamten starken Sonderkommission über 130 Spuren nach. Nach wie vor ermittele man in alle Richtungen, einen Schwerpunkt gebe es nicht, hieß es. Einzelheiten wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Die Befragung der Opfer habe bislang noch keine greifbaren Ergebnisse gebracht. Bei der Detonation einer umgebauten Handgranate an einer Düsseldorfer S-Bahn-Station Werhahn waren am Donnerstag voriger Woche zehn Menschen aus der früheren Sowjetunion zum Teil schwer verletzt worden, darunter sechs Menschen jüdischen Glaubens. Für Hinweise auf die Täter wurde eine Belohnung von 120 000 Mark ausgesetzt.

Das angekündigte Aktionsprogramm enthält nach Angaben von Innenminister Behrens Maßnahmen von Polizei, Verfassungsschutz und Justiz wie auch im Schulwesen gegen die Gewalt von rechts. Es solle am 15. August vom Kabinett beraten werden. Als Sofortmaßnahme eröffnete Behrens auf der Internet-Homepage des Verfassungschutzes (www.verfassungsschutz.nrw.deeine Rubrik, in der Initiativen gegen Rechtsextremismus über ihre Aktivitäten berichten können.

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