„Alinghi“ schockt Neuseeland: Schümann greift nach America's Cup

„Alinghi“ schockt Neuseeland
Schümann greift nach America's Cup

Mit viel Geschick und ein wenig Glück hat Olympiasieger Jochen Schümann mit der Schweizer Segel-Yacht "Alinghi" den Grundstein zum ersten europäischen Triumph im America's Cup gelegt. "Wir haben nie mit dieser 2:0-Führung gegen Titelverteidiger Neuseeland gerechnet", jubelte der in Penzberg lebende Berliner.

HB/dpa AUCKLAND. Nach zwei Rennen im Finale vor Neuseeland fehlen den Eidgenossen und ihrem deutschen Sportdirektor gegen Titelverteidiger Team New Zealand nur noch drei Erfolge, um die älteste Sporttrophäe der Welt in die Alpenrepublik zu holen. Zum dritten der maximal neun Duelle treffen sich die Konkurrenten am Dienstag (00.50 Uhr/ARD). "Es wird noch heiße Matches geben", prophezeit Schümann.

Einen Tag nach der Pannenserie der Neuseeländer, die in der Auftakt-Wettfahrt als erstes Team in der 152-jährigen Cup-Geschichte bereits nach 25 Minuten aufgeben mussten, zeigte sich der Gastgeber gut erholt. Angetrieben von über 100 000 Zuschauern dominierten die "Kiwis" ein hochklassiges Segel-Rennen. Erst kurz vor Schluss drehten "Alinghi"-Skipper Russell Coutts und sein Chefstratege Schümann den Spieß um und kamen in einem Herzschlagfinale mit sieben Sekunden Vorsprung ins Ziel. "Wir haben die Führung zu Beginn nach eigenen Fehlern verschenkt und mussten sie hart zurückerkämpfen", räumte Schümann anfängliche Fehler seiner Mannschaft in dem Nervenspiel ein.

Erst war der Wind zu schwach, dann versperrten Zuschauerboote den Weg, so dass das zweite Finale auf dem Hauraki-Golf mit rund dreistündiger Verspätung begann. Nach dem Segel-Marathon kreuzten die routinierten Schweizer (Durchschnittsalter 39) die Ziellinie vor den im Schnitt sechs Jahre jüngeren Neuseeländern mit einer halben Bootslänge Vorsprung. Es war eine der knappsten Entscheidungen in der America's-Cup-Geschichte.

Der 29 Jahre alte neuseeländische Skipper Dean Barker, der bei seinem Landsmann Coutts in die Lehre gegangen war, gab sich kämpferisch: "Wir sind enttäuscht, aber wir glauben immer noch, Alinghi schlagen zu können." Schließlich steht das ganze Land hinter dem Team und träumt vom Hatttrick. In Neuseeland kennt die Unterstützung der heimischen Segler keine Grenzen. In der Nacht vor den Rennen bleibt der Sky-Tower, das Wahrzeichen Aucklands, dunkel. Schließlich ist das neuseeländische Team in Schwarz gekleidet. Deshalb wurde in allen öffentlichen Toiletten im America's-Cup-Hafen die üblicherweise rosa Flüssigseife durch schwarze ausgetauscht. Auckland hat sich mit zehntausenden schwarzen "LOYAL"-Flaggen, T- Shirts und Bannern für den Cup geschmückt.

Der Schweizer Skipper Coutts AUS Neuseeland, den seine Landsleute als Vaterlandsverräter gebrandmarkt haben, stellte am Wochenende einen denkwürdigen Rekord auf. Zum elften Mal hintereinander gewann er eine America's-Cup-Regatta und verbesserte die 100 Jahre alte Bestmarke des Amerikaners Charlie Barr. Coutts hatte vor drei Jahren gemeinsam mit seinem jetzigen Gegner Barker den America's Cup für Neuseeland gewonnen.

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