Alle Augen auf Nordkorea
Japan startet eigene Spionagesatelliten

Während die Welt sorgenvoll auf den Irak-Krieg blickt, richtet Japan seine Augen verstärkt auf einen anderen Krisenherd. Angesichts der zunehmenden Spannungen um das Atomwaffenprogramm seines Nachbarn Nordkorea schickt Tokio erstmals eigene Spionagesatelliten ins All.

HB/dpa TOKIO. Eine Trägerrakete soll die ersten beiden Satelliten an diesem Freitag vom Weltraumbahnhof Tanegashima aus in eine Umlaufbahn in 400 bis 600 Kilometer Höhe bringen. Zwei weitere sollen im Sommer folgen.

Japan hatte sich dazu entschlossen, nachdem Nordkorea 1998 eine Mittelstreckenrakete über Japan hinweg getestet hatte. Seitdem Pjöngjang seinen umstrittenen Atomreaktor in Yongbyon wieder angefahren hat gibt es zudem Befürchtungen, das kommunistische Land könnte schon in einigen Monaten in der Lage sein, Atombomben zu bauen. Dass sich die japanische Regierung im Irak-Konflikt voll hinter die USA stellte, ist nach Einschätzung von Beobachtern denn auch in erster Linie durch die aus Sicht Japans viel direktere Gefahr einer atomaren Bewaffnung Nordkoreas motiviert.

Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi betonte wiederholt die Bedeutung der Sicherheitsallianz mit den USA. Er weiß, dass Japan im Ernstfall auf den Schutz der Amerikaner angewiesen ist. Japans Streitkräfte zählen zwar zu den modernsten der Welt, doch sind sie auf Landesverteidigung ausgelegt und verfassungsrechtliche eng beschränkt. Zwar gab es in jüngster Zeit vereinzelt Befürchtungen, Japan könnte versucht sein, ebenfalls atomar aufzurüsten, sollte Nordkorea eine Atomwaffe testen. Doch die meisten Japaner lehnen Atomwaffen weiterhin strikt ab.

Unterdessen berichten Medien, Nordkorea treffe scheinbar Vorbereitungen für den Test einer ballistischen Rakete über Japan hinweg, um seine Angriffskapazitäten zu demonstrieren. Um nicht länger nur auf US-Erkenntnisse über solche Aktivitäten angewiesen zu sein, legt sich Japan nun eigene Spionagesatelliten zu. Nordkorea hatte Japan wiederholt gewarnt, die Satelliten ins All zu befördern. Die Satelliten werden nicht sofort von großem Nutzen sein, da Japan laut Experten bei der Analyse der Satellitendaten noch im Rückstand ist. Die neuen Satelliten sollen von März 2004 voll im Einsatz sein.

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