Alle Insassen ums Leben gekommen
Taiwan-Flugzeugunglück: Flugschreiber entdeckt

Nach dem Absturz eines taiwanischen Jumbo Jets vor der Küste Taiwans sind Signale der Black Box gefunden worden. Von ihrer Auswertung erhoffen sich Ermittler Aufschlüsse über die Ursache des Unglücks, bei dem alle 225 Insassen umgekommen sind.

dpa TAIPEH. Ein taiwanesischer Jumbo-Jet mit 225 Menschen an Bord ist am Samstag in der Luft auseinander gebrochen und ins Meer gestürzt. Die Boeing 747-200 der Fluggesellschaft China Airlines (CAL) sei in vier Teilen vom Himmel gefallen, berichtete der Chef der taiwanesischen Flugsicherheitsbehörde, Kay Yong, in Taipeh. Niemand überlebte das Unglück.

Das Verkehrsministerium ordnete an, dass die anderen vier Jumbos der Fluggesellschaft am Boden bleiben und auf ihre Sicherheit geprüft werden müssen. Am Abend konnten Signale der Black Box geortet werden. Über die Ursache der Katastrophe teilte Kay Yong nichts mit, sondern sagte nur: "Wir sind sicher, dass das Flugzeug in einer Höhe von mehr als 30 000 Fuß (9144 Metern) auseinander gebrochen ist." Er warnte vor vorschnellen Schlüssen und bezog sich damit auf Spekulationen über eine Explosion, eine Bombe oder gar einen Zusammenprall mit einer chinesischen Rakete.

Vizetransportminister Chang Chia-chu versicherte, zum Zeitpunkt des Unglücks habe es keine Aktivitäten der Volksrepublik China in dem Gebiet gegeben. Fest stand zunächst nur, dass der Flug CI 611 nach Hongkong etwa 40 Minuten nach dem Start um 14.50 Uhr (Ortszeit) in Taipeh plötzlich vom Radar verschwand. 40 Kilometer nordöstlich der Pescadores-Inseln (Penghu) stürzten dann Wrackteile in die Straße von Taiwan. Die Maschine war die älteste der Flotte und sollte bald ausgemustert werden.

Es war das dritte schwere Flugzeugunglück in Asien in nur sieben Wochen. Das Unglück ist ein neuer Schlag für China Airlines, die bereits als unfallträchtige Fluggesellschaft gilt. Die "Auflösung in der Luft", wie Kay Yong es nannte, erklärt, warum Bauern an der kilometerweit entfernten Westküste Taiwans Papierschnipsel mit dem Airlines-Logo, Gepäckzettel, Namenskarten und Schaumstoffstücke vom Himmel fallen sahen. "Das Flugzeug verschwand plötzlich vom Radar. Bis dahin war sein Flug normal. Auch das Wetter war gut. Der Pilot gab kein Notsignal", sagte CAL-Präsident Wei Hsing-Hsiung. "Vorläufig schließen wir die Möglichkeit aus, dass das Flugzeug mechanische Probleme entwickelt hat." Dann hätte der Pilot immerhin Zeit gehabt, das Problem zu melden.

Der Jumbo-Jet war 23 Jahre alt und wurde wegen seines Alters nur noch eingesetzt, wenn keine anderen Flugzeuge zur Verfügung standen. Die Maschine war am 3. Mai auf ihre Sicherheit geprüft worden. Am 20. Juni sollte sie an die thailändische Oriental Thai Airways übergeben werden, die den Jumbo für 1,45 Millionen US-Dollar gekauft hatte. Experten des US-Flugzeugherstellers Boeing und der Flugsicherheitsbehörde der USA sollten am Montag in Taiwan eintreffen.

Die Suche nach den Opfern wurde am Sonntag durch hohe Wellen erschwert. Bis zum späten Abend (Ortszeit) waren 83 Leichen geborgen. Angehörige mussten die in einer Turnhalle auf der größten Pescadores- Insel Makung aufgebahrten Leichen von 30 Männern, 46 Frauen und zwei Babys identifizieren. Bei fünf Opfern ist das Geschlecht noch unklar. Die bereits identifizierten Leichen sollen nach Taipeh geflogen werden, wo ein gemeinsamer Gedenkgottesdienst stattfinden soll.

Unter den 206 Passagieren waren 190 Taiwanesen, darunter fünf Reisegruppen mit 115 Mitgliedern auf dem Weg nach China. Außerdem waren 14 Bürger aus Hongkong, Macao und Festland-China sowie ein Schweizer und ein Singapurer an Bord. Die Crew bestand aus 19 Mitarbeitern.

China Airlines entschuldigte sich in halbseitigen Anzeigen in allen taiwanesischen Zeitungen bei den Angehörigen der Opfer für den Vorfall. "Wir werden den Anweisungen von Präsident Chen Shiu-ban entsprechend unser Bestes geben, um die Familien der Opfer zu unterstützen", hieß es in der Erklärung. Außerdem wurde ein Team zusammengestellt, dass sich mit den Familien der Opfer über die Höhe der Entschädigungen verständigen soll.

Die Strecke zwischen Taiwan und Hongkong ist mit mehr als 30 Flügen täglich eine der am häufigsten geflogenen Routen in Asien, da es keine direkten Flugverbindungen zwischen Festland-China und Taiwan gibt. Das Unglück folgte auf den Absturz eines Flugzeugs der Northern Airlines der Volksrepublik am 7. Mai vor der Küste von Dalian in Nordostchina mit 112 Menschen an Bord. Am 15. April war eine Verkehrsmaschine der Air China beim Landeanflug in Busan in Südkorea abgestürzt. Von den 166 Insassen überlebten nur 38.

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