Alle Rating-Agenturen haben nun das Länderrisiko erhöht
Brasilien sorgt an den Märkten weiter für Nervosität

Die Rating-Agentur Standard & Poor?s hat nachgezogen und nun ebenfalls das Brasilienrisiko erhöht (von B+ auf BB-). Damit steht bei den führenden drei Agenturen das Risiko Brasiliens auf dem gleichen, schwachen Niveau mit der Aussicht, dass es sich weiter verschlechtert.

hb SAO PAULO. Bereits vor zwei Wochen hatten Moody?s und Fitch ihre Einschätzung geändert. S & P erklärt das erhöhte Risiko der langfristigen brasilianischen Auslandsschuld mit dem "verringerten Handlungsspielraum der Regierung angesichts gestiegener externer und interner Herausforderungen".

Zwar wurde die Herabstufung Brasiliens erst nach Ende des Börsenhandels verkündet. Doch wegen der Börsenschwächen in den USA und Europa hatten der Real, die Brady-Bonds und die Börse in São Paulo bereits mit sinkenden Kursen reagiert. Gleichwohl hat sich die Stimmung an den Märkten in Brasilien seit Ende letzter Woche eher verbessert: Der Finanzequipe gelang es gestern erstmals seit zwei Wochen wieder Staatsanleihen mit Laufzeiten von zwei Monaten auf den Märkten unter zu bringen.

Das beruhigte etwas. Denn die Platzierung zeigt, dass die Investoren weiterhin Staatstitel nachfragen und Vertrauen in die Aktionen der Zentralbank bekommen.

In den letzten Wochen hatten Banker die Politik von Zentralbank und Finanzministerium mehrfach als "unverständlich" kritisiert. Seit dem die Banken den Wert ihrer Staatsanleihen in den Halbjahresbilanzen ab sofort nicht mehr zum Nenn-, sondern zum Marktwert angeben müssen, ist das Verhältnis zwischen Markt und Regierungsseite etwas gestört. Die Maßnahme der Zentralbank hat zu einem Verkauf an Staatstiteln geführt, weil die Banken eine Verschlechterung ihrer Aktiva vermeiden wollten.

Auch die jüngsten monetären Lockerungsmaßnahmen wurden nur zum Teil begrüßt: Die Zentralbank erhöhte das maximale Inflationsziel für 2003 von 5,25 auf 6,5 %. Dies schafft Raum für eine Zinssenkung, welche das Anwachsen der Inlandsschuld verzögern und die Konjunktur beleben (Prognose für 2002: 2 %) würde.

Doch Investmentbanken haben auch die kritisiert: Sie vermuten, dass die Zentralbank aus politischen Gründen (Wahlkampf) einen laxeren monetären Kurs einschlägt - was mittelfristig wegen des Vertrauensverlustes der Investoren negativ wirken könnte.

Trotz aller Nervosität um Brasilien erklärte Zentralbankpräsident Armínio Fraga, dass Brasilien sich als Ziel setzen sollte, in 30 Monaten ein Investmentgrade zu erhalten, so wie es Mexiko und Chile besitzen. Dafür seien Zinssenkungen, weitere drastische Ausgabenkürzungen des Staates notwendig, die Steuer- und Sozialversicherungsreform und eine weitere Öffnung der Wirtschaft.

Nur so könne die externe Abhängigkeit in Krisenmomenten verringert werden. Fraga erklärte, dass Brasilien kein Krisenfall für das internationale Finanzsystem sein. "Trotz der externen und internen Schocks seit 18 Monaten haben wir weiterhin eine niedrige Inflation, einen geordneten, öffentlichen Haushalt und gesetzliche Ausgabenbeschränkungen der Staatsausgaben auf allen Ebenen."

Positiv in Brasilien aufgenommen wurden Äußerungen des deutschen Staatssekretärs Caio Koch-Weser. Er erklärte in Berlin, dass Brasiliens Turbulenzen vor allem politisch zu erklären seien "Ich glaube nicht an eine Ansteckung durch Argentinien, weil die Märkte klar zwischen Brasilien und Argentinien unterscheiden", erklärte Koch-Weser, "außerdem ist Brasilien weitaus transparenter als etwa Indonesien und Thailand bei der Asienkrise".

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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