Alle Spuren des Christentums sollen "getilgt " werden
Taliban weisen Kritik an Festnahme zurück

Die afghanische Taliban-Regierung hat Kritik an der Festnahme von 24 Mitarbeitern einer Hilfsorganisation wegen angeblicher Mission für das Christentum zurückgewiesen. "Diese Leute haben unsere Religion und Traditionen schwer beleidigt", sagte der Staatssekretär des Ministeriums zur Förderung der Tugend und Verhinderung der Laster, Mohammad Salim Hakkani, am Dienstag in Kabul.

rtr KABUL. Die Besorgnis der ausländischen Regierungen sei nicht gerechtfertigt, sagte Hakkani. "Wir haben auch unsere Besorgnisse. "Missionstätigkeit für das Christentum kann nach dem in Afghanistan geltenden islamischen Recht mit der Todesstrafe geahndet werden.

Alle acht inhaftierten Ausländer seien Mitarbeiter der Hilfsorganisation Shelter Now International mit Sitz in Pakistan und Afghanistan, sagte ein Sprecher des deutschen Büros der Organisation. Mit einer gleichnamigen Organisation mit Sitz im US-Bundesstaat Wisconsin habe man nichts zu tun. Zuvor hatte die US-Organisation erklärt, man habe zwar ein Büro in Afghanistan, die Inhaftierten arbeiteten jedoch für eine deutsche Einrichtung, die den Namen "Shelter Now International" ohne Erlaubnis benutze.

Kinder ins Umerziehungsheim geschickt

Außer den vier Deutschen wurden von der Religionspolizei der Taliban 16 Afghanen, zwei US-Amerikaner und zwei Australier festgenommen. 59 Kinder wurden in ein Umerziehungsheim gebracht, wo sie nach Taliban-Angaben bleiben sollen, bis alle Spuren des Christentums getilgt worden seien.

Der australische Außenminister Alexander Downer hatte zuvor die Vorwürfe der Taliban-Regierung zurückgewiesen. Die beiden Mitarbeiter aus Australien seien unschuldig und müssten sofort freigelassen werden, sagte Downer. Die SNI-Mitarbeiter seien in Afghanistan, um Menschen zu helfen, aber nicht um zu missionieren. Auch die USA und Deutschland verlangen konsularischen Zugang zu den Inhaftierten.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin vom Montag handelt es sich bei den festgenommenen Deutschen um einen Bayern sowie drei Frauen aus Niedersachsen. Ein Taliban-Sprecher teilte in Kabul mit, die Ermittlungen dauerten an, in sie würden auch die Büros der Organisation in anderen Orten mit einbezogen. Zwei der Festgenommenen, eine Amerikanerin und eine Australierin, hätten bereits gestanden, an Missionierungen beteiligt gewesen zu sein.

Deutschland unterhält zu den Taliban, die 1996 die Regierung gestürzt hatten und seither 90 % des Landes kontrollieren, nur Beziehungen unterhalb der diplomatischen Ebene.

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