Alle Vertrauensindikatoren verschlechtern sich im Oktober deutlich
In der Euro-Zone ist die Stimmung im Keller

Die Terroranschläge und ihre politischen Folgen haben nicht nur in den USA das Konjunkturklima verschlechtert. Auch in der Euro-Zone sind im Oktober die ohnehin schon schwachen Vertrauensindikatoren auf breiter Front eingebrochen. Unmittelbar vor der kommenden EZB-Sitzung ist das europäische Konjunkturbild rundum trübe.

DÜSSELDORF. "Wie die meisten anderen Experten haben wir die Robustheit und Stabilität der europäischen Wirtschaft überschätzt." Diese Einsicht hat gestern den Bundesverband deutscher Banken veranlasst, seine Wachstumsprognose für die Euro-Zone nach unten zu korrigieren. Die Europäische Kommission wird dies nach den Worten von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) in Kürze ebenfalls tun. Die Banken rechnen noch mit etwa eineinhalb Prozent Wachstum in diesem und im kommenden Jahr; Brüssel prognostiziert 1,7 % bzw. 1,8 %. Das ist jeweils deutlich weniger als bei den letzten Prognosen aus dem Frühjahr, es entspricht ungefähr dem Herbstgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute, die mit 1,5 % bzw. 1,8 % rechnen.

"In der schwierigen weltwirtschaftlichen Situation ist Europa keineswegs eine Insel der Seligen", konstatiert der Bankenverband. Das gilt umso mehr nach der gestrigen Veröffentlichung der Oktober-Vertrauensindikatoren durch die EU-Kommission. Die Daten bilden die Reaktionen von Unternehmern und Verbrauchern auf die Terroranschläge in den USA erstmals in vollem Umfang ab. Sie zeigen: Wie in den USA greift auch diesseits des Atlantiks Verunsicherung um sich, alle Indikatoren sind von einem ohnehin schwachen Niveau aus nochmals deutlich gesunken.

Industrie trifft es besonders hart

Besonders betroffen ist die Industrie. Beim Industrievertrauen sank der Saldo aus positiven und negativen Meldungen um gleich vier Punkte auf nunmehr-16 Punkte. Damit rutschte der Indikator innerhalb weniger Monate weit unter seinen langjährigen Durchschnitt von-8 Punkten (Grafik links). Ungewöhnlich stark brach das Industrievertrauen in Italien (von-1 auf-13 Punkte) ein. Deutschland lag mit einem Rückgang um vier Punkte im Durchschnitt der Euro-Zone, während sich das Klima in Frankreich nur um einen Punkt verschlechterte. Der Vertrauensindikator für das Baugewerbe im Euro-Raum sank - wie jener für den Einzelhandel - um drei Punkte.

Verursacht wurde der Rückgang des Industrievertrauens vor allem von deutlich schwächeren Produktionserwartungen und ungenügend gefüllten Auftragsbücher. Die entsprechenden Teilsalden gingen um sieben bzw. fünf Punkte zurück. Dabei lassen die in diesem Monat zusätzlich eingeholten Antworten zu den Auftragseingängen nichts Gutes erwarten. Dieser Saldo rutschte im Vergleich zum Vorquartal gleich um neun Punkte ab. Zu diesen Zahlen passt, dass die Kapazitätsauslastung laut Umfrage zu Beginn des vierten Quartals um 1,1 Prozentpunkte auf 81,9 % - das entspricht dem langjährigen Durchschnitt - gesunken ist. (Grafik Mitte). Der Teilsaldo für die in den vergangenen Monaten beobachteten Produktionstrend, der von Juli bis September praktisch konstant geblieben war, machte einen Sprung um acht Punkte nach unten.

Dies lässt darauf schließen, dass die jetzige einschneidende Stimmungsverschlechterung die reale Entwicklung wohl teilweise überzeichnet. Die realen Folgen der Anschläge werden sich endgültig erst abschätzen lassen, wenn die Vertrauensindikatoren über mehrere Monate erhoben wurden und zudem auch realen Daten aus der Industrie vorliegen. Eine unmittelbare Folge der Anschläge dürfte jedenfalls der Einbruch der Exporterwartungen in der Industrie sein. Dieser Saldo sank gleich um zehn Punkte und liegt nun um 14 Punkte unter dem langjährigen Mittel.

Stimmung möglicherweise schlechter als die Lage

Auch das Verbrauchervertrauen hat sich verschlechtert, wenn auch in geringerem Umfang. Der Saldo sank hier von-9 auf-11 Punkte und liegt damit immer noch über dem langjährigen Durchschnitt von-12. Auch bei den Antworten zu diesem Teilindikator finden sich Hinweise darauf, dass die Stimmung möglicherweise schlechter als die Lage ist. So blieben die Einschätzungen der privaten Haushalte zur Entwicklung ihrer finanziellen Lage in den kommenden zwölf Monate unverändert, während die Haushalte zugleich mit einer deutlichen Verschlechterung der allgemeinen wirtschaftlichen Situation rechneten.

Große Unsicherheit über das Verbraucherverhalten in nächster Zeit spiegelt der Vertrauensindex im Einzelhandel wider. Der Saldo sank um drei Punkte auf-9, das liegt unter dem langjährigen Durchschnitt von-7. In besonderem Maße verschlechtert haben sich die Erwartungen zur künftigen Geschäftslage. Der entsprechende Teilindikator fiel um sieben Punkte.

Einen noch nie da gewesenen Einbruch erlebte das Konjunkturklima in der Dienstleistungsbranche. Der Saldo stürzte von +12 auf-1 ab, dem schlechtesten Wert seit Einführung dieses Indikators 1997. In diesem Bereich brachen alle Teilindikatoren in etwa gleichem Umfang ein (der Fragenkatalog ist hier weniger ausführlich als in den anderen Wirtschaftsbereichen).

Abbau von Beschäftigung erwartet

Das Beschäftigungsklima hat sich sowohl in den Unternehmen als auch bei den Verbrauchern verschlechtert. Hier wie dort wird also in absehbarer Zeit mit einem Abbau von Beschäftigung gerechnet. Auf die aktuelle Arbeitslosenquote hatte die Konjunkturschwäche bislang indes noch keinen Einfluss. Im September verharrte sie in der Euro-Zone bei 8,3 % (gemessen nach dem Standard der Internationalen Arbeitsorganisation ILO). Nach den deutschen Oktober-Zahlen (siehe Artikel unten) dürfte es indes nicht mehr lange dauern, bis die Arbeitslosigkeit auch in der Euro-Zone wieder steigt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht sich angesichts der schlechten Konjunkturperspektiven vor ihrer Ratssitzung am Donnerstag noch verstärkten Forderungen nach einer Zinssenkung ausgesetzt. Die Inflationsgefahren scheinen jedenfalls weiter zu sinken. Laut Eurostat gingen die Erzeugerpreise im September auf 0,7 % (August: 1,7 %) gegenüber Vorjahr zurück.

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