"Allein sind die Citycarrier nicht mehr überlebensfähig"
Telefonanbieter rücken zusammen

Regionale Telefongesellschaften müssen expandieren und miteinander kooperieren, um gegen die Deutsche Telekom zu bestehen. Verbundunternehmen wie Tropolys haben dafür die besten Aussichten.

DÜSSELDORF. Das Wort "Übernahme" mag Peer Knauer gar nicht, er bevorzugt den Begriff "Partnerschaften". Der Geschäftsführer der Düsseldorfer Tropolys GmbH stapelt tief. Dabei treibt er die Konsolidierung im Telekomsektor energisch voran und schart ein Unternehmen nach dem anderem unter dem Dach von Tropolys. Zur Zeit gehören fünf regionale Telefongesellschaften dazu, heute kommen weitere sieben "Partnerunternehmen" hinzu, die Knauer alle zu einem starken bundesweiten Unternehmen vereinen will. "Allein sind die Citycarrier nicht mehr überlebensfähig", sagt Knauer.

Die regionalen Telefongesellschaften und Stadtnetzbetreiber sind im Zugzwang: Sinkende Margen im klassischen Festnetzgeschäft und die Deutsche Telekom mit ihrer Offensive im Markt für schnelle Internet-Zugänge über DSL bedrohen unter anderem ihr Geschäftsmodell. Die Stadtwerke und Gasversorger, denen die Citycarrier meist gehören, wollen die notwendige Expansion nicht immer finanzieren. Die Unternehmen müssen daher nach neuen Wegen suchen, damit sie auf der Dauer mit der Deutschen Telekom konkurrieren können.

Die Gründung eines Verbundunternehmens wie Tropolys ist nach Angaben von Experten einer der erfolgreichsten Methoden. Denn der Vorteil der lokalen Kundenbindung bleibt erhalten, durch die gemeinsame Vermarktung und Entwicklung neuer Produkte können die Unternehmen aber Geld sparen und ihren Kunden mehr bieten als bisher.

"Citycarrier sind und bleiben die wahrscheinlichsten Player, die der Telekom Paroli bieten können", sagt Peter Kiehm, Unternehmensberater bei Accenture. Doch dafür brauchen sie einen finanzkräftigen Anteilseigner im Rücken, ein großes Einzugsgebiet und viel eigene Netzinfrastruktur. Kiehm: "Unternehmen, die diese Assets haben, sind auch langfristig überlebensfähig."

Zu den Anbietern mit den besten Voraussetzungen unter den mehr als 100 Citycarriern zählen Branchenkenner unter anderem die Hansenet in Hamburg, die dem führenden italienische Anbieter von Internetdienstleistungen über Breitband E-Biscom gehört, Isis in Düsseldorf, die der Vodafone-Tochter Arcor gehört, Netcologne in Köln, Ewetel in Oldenburg, Berlicom in Berlin sowie Tropolys. Das Unternehmen steigt heute zu einem der stärksten Konkurrenten der Telekom im Ortsnetz auf. Denn der finnische Tropolys-Anteilseigner Elisa übergibt einen Teil seiner Beteiligungen an deutschen Regionalnetzbetreibern an Tropolys.

Damit verdoppeln sich deren Kundenzahl auf 100 000 und Umsatz auf über 250 Mill. DM. Tropolys will im vierten Quartal dieses Jahres ein positives Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen erwirtschaften. "Tropolys hat sich die Rosinen unter den Citycarriern ausgesucht" sagt der Chef einer regionalen Telefongesellschaft. "Ein vergleichbares Konsortium kann keiner mehr aus dem Boden stampfen."

Bereits in den vergangenen Jahren haben Citycarrier die Kooperation gesucht. Unternehmen wie Mobilcom, Viag Interkom und Arcor haben versucht, einige lokale Anbieter zu übernehmen. So weit wie Tropolys ist jedoch keiner gekommen. Viele sind an den Widerständen der kommunalen Gesellschafter gescheitert, die ihre Macht nicht teilen wollten.

Tropolys hat diesen Widerstand überwunden. Jetzt geht es an die Integration der zahlreichen Beteiligungen. Die Tropolys-Einkaufstour ist aber noch nicht beendet. Das Unternehmen möchte weiter expandieren, vor allem im Ruhrgebiet und den neuen Bundesländern, und im nächsten Jahr unter Umständen auch an die Börse gehen.

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