Allenfalls moderate Anhebung des Schlüsselzinses
Kein Anheben der Zinsen bei EZB-Sitzung erwartet

Reuters FRANKFURT. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ist am Donnerstag in Frankfurt zu seiner regulären Sitzung zusammen gekommen und wird nach Einschätzung fast aller Analysten die Zinsen unverändert lassen. Angesichts der Wachstumsverlangsamung in der Euro-Zone erwarten sie allenfalls 2001 noch eine weitere moderate Anhebung des Schlüsselzinses auf 5,0 % von derzeit 4,75 %. Ohne deutliche Inflationsgefahren werde die Notenbank die Zinsen vorerst nicht erhöhen, da sie damit das Wachstum in der Euro-Zone abwürgen könnte. Das zuletzt schwächere Geldmengenwachstum bestätigte den Experten zufolge ebenfalls die Aussicht auf unveränderte Leitzinsen. Der Euro stablisierte sich am Donnerstag zuletzt über 0,86 Dollar und profitierte dabei Händlern zufolge von erneuten Spekulationen über Stützungskäufe.

Die EZB hat seit November 1999 die Leitzinsen in sieben Schritten um insgesamt 2,25 Prozentpunkte erhöht. Die Notenbank wird ihren Zinsbeschluss am Donnerstag gegen 13.45 Uhr bekannt geben. Im Anschluss ist keine Pressekonferenz geplant.

Wachstum hat an Fahrt verloren

Nicht nur Deutschland, sondern auch in anderen Ländern der Euro-Zone wie Frankreich, den Niederlanden und Italien hatte das Wachstum in diesem Herbst an Fahrt verloren. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP), der Wert der erwirtschafteten Leistung, war im dritten Quartal um 2,8 % zum Vorjahr gewachsen, nach 3,3 % im Vorquartal. Nach Einschätzung des Münchener Ifo-Instituts sollte die EZB die Leitzinsen nicht weiter erhöhen. An der leichten Abschwächung des Wirtschaftswachstums habe die EZB keine Schuld.

Das etwas abgeschwächte M3-Wachstum deutet ebenfalls auf unveränderte Leitzinsen hin. Die Geldmenge M3 ist im Oktober mit einer Jahresrate von 5,3 % nach revidiert 5,4 % im Vormonat gewachsen. Die Geldmengenentwicklung ist neben der Beurteilung der Inflationsentwicklung eine der zwei Säulen, an der die EZB ihre Zinspolitik ausrichtet. Ein Rückgang des Geldmengenwachstums signalisiert den Finanzmärkten in der Regel eine geringere Inflationsgefahr. Das Wachstum im Dreimonatsdurchschnitt August/Oktober beschleunigte sich hingegen leicht auf 5,5 (Vorperiode: 5,4) %.

Referenzwert der Geldmenge könnte auf 5 Prozent erhöht werden

Das M3-Wachstum liegt aber bereits seit Monaten über dem EZB-Referenzwert von 4,5 %, den die Notenbank im nächsten möglicherweise anheben wird. Nach den Worten von Bundesbankpräsident Ernst Weltekes wird der EZB-Rat auf der Sitzung am 14. Dezember - wie einmal jährlich üblich - den Referenzwert überprüfen. "Der Rat wird diskutieren, ob wir den Referenzwert der Geldmenge bei 4,5 % lassen oder ihn womöglich auf 5,0 % erhöhen", sagte Welteke. Viele Analysten gehen von einer Anhebung aus. So würde die EZB zeigen, dass sie keinen zu strikten Anti-Inflationskurs verfolgt.

Im Oktober war die Jahresteuerung in der Euro-Zone leicht zurückgegangen auf 2,7 (September 2,8) % und lag damit wie in den Vormonaten weiter über der EZB-Toleranzgrenze von 2,0 %. In der Kernrate, also ohne Energie und saisonabhängige Nahrungsmittel, stiegen die Verbraucherpreise leicht auf 1,5 (1,4) %. EZB-Chef Duisenberg hatte zuletzt gesagt, es könnte bis zu sechs Monaten dauern, ehe die Jahresteuerung wieder unter 2,0 % fällt. Analysten gehen davon aus, dass die Inflation ihren Höhepunkt überschritten hat.

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