"Alles im grünen Bereich"
Euro-Transporte weitgehend sicher gelaufen

Die Sicherheitsbehörden in Deutschland haben eine positive Zwischenbilanz zur Auslieferung des Euro-Bargeldes gezogen.

Reuters BERLIN. Die Transporte verliefen reibungslos, hieß es übereinstimmend aus Innenministerien der Bundesländer. Der Sicherheitsbeauftragte der Bundesregierung für die Euro-Einführung, Claus Henning Schapper, begründete dies mit den guten Vorkehrungen. "Wir haben keinen Grund, beunruhigt zu sein", sagte der Innenstaatssekretär am Mittwoch.

Zur Euro-Ausgabe am 1. Januar 2002 kündigten die Experten bundesweit verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an. Die Anschläge vom 11. September hätten sich auf die Euro-Transporte nicht ausgewirkt. Seit September bringen Geldtransporter im ganzen Land die neue Währung von Lagern der Landeszentralbanken zu Geldinstituten und von dort zum Einzelhandel. "Die Transporte verlaufen bei uns in Baden-Württemberg absolut reibungslos", sagt Andreas Feß vom Landesinnenministerium in Stuttgart.

Die monatlich erstellten Lagebilder der Sicherheitsexperten zeigten auch bundesweit keine Veränderung. Fachleute des sächsischen Innenministeriums beobachteten ebenfalls keine Auffälligkeiten. "Die polizeilichen Maßnahmen bewähren sich", heißt es. "Alles ist im grünen Bereich", meldete auch das Landeskriminalamt in Mecklenburg-Vorpommern.

Innenstaatssekretär Schapper erklärt den bisher reibungslosen Verlauf der Transporte auch mit geringeren Risiken, da der Banknotenumlauf stark gesunken sei und ein Großteil der Euro-Scheine bereits an Handel und Banken ausgeliefert sei. "Die Sicherheitskonzepte haben sowieso nicht vorgesehen, dass wir jeden Bargeldtransport polizeilich begleiten." Dies sei nur bei besonderen Gefahrenlagen geplant.

Michael Frücht von der Kontaktstelle Euro im nordrhein-westfälischen Innenministerium räumt ein, dass es für alle Beteiligten wie Banken, Polizei und Sicherheitsbehörden für die Euro-Einführung kein Vergleichsszenario gegeben habe. "Geldtransporte fahren immer. Aber jetzt fahren mehr, und das schafft mehr Tatgelegenheiten." Überfälle auf gepanzerte Geldtransporte erforderten allerdings sehr hohen logistischen Aufwand, so dass sie nicht gerade jeder machen könne.

Beim bislang einzigen Überfall auf einen Euro-Geldtransport Anfang September im hessischen Lich wurden unter anderem rund 1,2 Millionen Euro gestohlen, wovon noch etwa 245.000 Euro fehlen. Einer der Haupttäter, der Fahrer des Transporters, wurde mit mehreren Komplizen festgenommen. Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland 13 Überfälle auf Geldtransporter, bis Mitte dieses Jahres acht und seitdem vier weitere. "Das sind natürlich zu viele, aber insgesamt passiert relativ wenig", sagt Andreas Paulick, Vize-Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Geldtransport- und Wertransportunternehmen (BDGW). Pro Jahr gebe es immerhin rund 600.000 Transporte.

Auch Paulick ist mit der Euro-Auslieferung bisher zufrieden, doch in der heißen Phase des Umtauschs zum Jahreswechsel sieht er ein "Restrisiko". Einerseits stehe noch ein Großteil des Transportes der Euro-Banknoten bevor, andererseits würden im Weihnachtsgeschäft auch größere D-Mark-Summen transportiert. Wie der Verbandsvertreter wiesen die Experten von Bund und Ländern darauf hin, dass zum Jahreswechsel die Sicherheit hochgefahren werde. Die Polizei werde dann mehr Präsenz zeigen, sagte Schapper. "Wir werden für ein Gefühl der Sicherheit sorgen", heißt es aus dem sächsischen Innenressort.

Die Anschläge in den USA vom 11. September haben sich nach Aussagen der Sicherheitsexperten bislang nicht auf die Sicherheitslage der Euro-Transporte in Deutschland ausgewirkt. Die Geldtransportfirmen kämpfen seither allerdings mit einem Mangel an gut ausgebildetem Sicherheitspersonal. Dies gelte aber nicht für die Euro-Transporte, die langfristig geplant worden seien, sagte BDGW-Vertreter Paulick. Extra dafür hätten die Betriebe etwa 1 000 zusätzliche Mitarbeiter zu ihren rund 6 500 Beschäftigten eingestellt.

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