„Alles lief präzise wie geplant“
Salt Lake City besteht ersten Härtetest

Schlagartig wie ein Blizzard hat sich Salt Lake City in eine quirlige Olympia-Stadt verwandelt. Neben dem ausgelassenen Treiben auf Main Street und Washington Square, wo sich plötzlich Tausende tummelten und feierten, hat aber vor allem die Organisation von Wettkämpfen, Transport und Sicherheit den ersten Härtetest bestanden.

dpa SALT LAKE CITY. "Es war ein wirklich reibungsloser und vielversprechenden Auftakt", resümierte Thomas Bach, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), nach der ersten Sitzung des Olympia-Koordinierungskomitees in Salt Lake City. Selbst der Transport von Athleten, Trainern, Zuschauern und Medienvertretern, meist die Achillesferse der Winterspiele, habe "glänzend funktioniert". Zum Teil seien die geplanten Transportzeiten sogar unterschritten worden. Olympia-Organisator Mitt Romney zeigte sich ebenso zufrieden: "Alles lief präzise wie geplant."

Eingeschränkt wurde das gute Zeugnis allein bei der Note für den Ablauf der Sicherheitschecks, die wie vor dem ersten Eishockey-Spiel Deutschlands gegen die Slowakei gut eine Stunde dauerten. "Da gab es Staus. Doch das IOC wird keinen Einfluss nehmen, dass ist Sache der Sicherheitsbehörden. Die müssen ihren Job machen", sagte Bach.

Glänzend beurteilt wurden von den Athleten die Wettkampfbedingungen und die Atmosphäre in den Eishallen sowie an den Pisten und Loipen. "Die Präparation war hervorragend. So gute und breite Strecken gibt es sonst nirgendwo", lobte der Wahl-Spanier Johann Mühlegg nach seinem goldenen Langlauf über 30 km die Bedingungen. Auch die Stimmung unter den knapp 6 000 Zuschauern in Soldier Hollow passte. "Vor 22 Jahren in Lake Placid war es ein Totentanz", zeigte sich der sechsmalige Olympia-Teilnehmer Jochen Behle beeindruckt.

Party-Laune herrschte bei den Freestylern in Deer Valley, wo die Amerikanerin Shannon Bahrke auf der Buckelpiste vor 13 600 Zuschauern die erste der beiden Silbermedaillen für die USA holte. "Was mir passiert ist, würde viele Amerikaner stolz machen", sagte die Olympia-Zweite mit jenem patriotischen Pathos, der eigentlich viel stärker vom einheimischen Publikum erwartet war.

Richtig aus dem Häuschen waren die Fans auch im Utah Olympic Oval, als US-Eisschnellläufer Derek Parra angefeuert von "USA, USA"-Rufen Weltrekord über 5 000 m lief. Am Ende gewann er Silber hinter dem "Fliegenden Holländer" Jochen Uytdehaage. Dem Überraschungs-Dritten Jens Boden aus Dresden blieb vor Verblüffung zwar die Spucke weg, ihm stockte aber keineswegs auf dem höchstgelegenen Eis-Oval (1450 m) der Atem: "Es lief einfach. Die Luft hat mir keine Probleme gemacht."

Dagegen macht sich die zweimalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein etwas Sorgen: "Ich habe Probleme mit den Bronchien. Die Luft ist schwierig zu atmen." Keine Probleme hatten die deutschen Eishockey-Asse, die nach dem 3:0 gegen die Slowakei eher aufatmeten. Das Tohuwabohu, das rund 7 500 Zuschauer im E-Center veranstalteten, empfand Bundestrainer Hans Zach zudem als leistungsfördernd: "Das war hoch motivierend." Gleiches galt auch für die deutschen Paarläufer Mariana Kautz/Norman Jeschke bei ihrem Olympia-Debüt vor 15 600 Zuschauern im Delta-Center. "Das ist der Wahnsinn hier", zeigte sich Mariana Kautz beeindruckt.

Zur Eröffnungszeremonie en miniature wurde die Premiere der Siegerehrung am Samstagabend auf der "Medals Plaza" von Downtown Salt Lake City. Rund 20 000 Zuschauer feierten auf dem ehemaligen Parkplatz der Mormonen die ersten Sieger - und bei Rockklängen sich selbst.

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