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Alles neu in Liga 3?

Eingleisige dritte Profiliga, Bundesliga-Nachwuchsrunde oder doch Aufstiegsrecht für die Bundesliga-Reserven - einschneidende Regionalliga-Reformen werden beim DFB-Bundestag in Osnabrück ein wichtiges Thema sein.

dpa DÜSSELDORF. Eingleisige dritte Profiliga, Bundesliga-Nachwuchsrunde oder doch Aufstiegsrecht für die Bundesliga-Reserven - einschneidende Regionalliga-Reformen werden beim DFB-Bundestag in Osnabrück ein wichtiges Thema sein.

Nach heftigen Diskussionen unter den Vereinsvertretern will nun die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) reagieren. "In der derzeitigen Situation ist die Zumutbarkeitsgrenze der Regionalliga-Clubs überschritten. Wir werden das nicht so einfach halten können, da sehe ich Handlungsbedarf", sagt der designierte geschäftsführende Präsident des DFB, Theo Zwanziger.

Vor allem der Konflikt um die so genannten Amateurteams der Bundesligisten in der dritthöchsten Spielklasse hat sich vor dem DFB-Bundestag verschärft. "Die Interessen gehen da stark auseinander", räumt Zwanziger ein. Derzeit werde an einem Leitantrag gearbeitet, um noch auf dem Bundestag oder kurz danach Entscheidungen treffen zu können.

Traditionsclubs wie Fortuna Düsseldorf, Darmstadt 98, FC St. Pauli oder Union Berlin kritisieren, dass die Reserveteams für die eigenen Zuschauer ohne Reiz sind und selbst kaum Fans mitbringen. Damit werde die Liga auch für Sponsoren und Fernsehen uninteressant. Zugleich sei die Gefahr der Wettbewerbsverzerrung groß, wenn in manchen Partien Profis wie Lars Ricken bei Borussia Dortmund oder Bastian Schweinsteiger bei Bayern München eingesetzt werden. Derzeit spielen insgesamt elf Amateurteams von Erst- und Zweitligisten in der Regionalliga, aus der Oberliga "drohen" weitere Aufsteiger.

"Die Schmerzgrenze ist deutlich überschritten", sagt Uwe Wiesinger, Berater des Präsidiums von Darmstadt 98. Bislang vertagte der DFB allerdings eine grundlegende Reform der Spielklasse, die Essens Trainer Jürgen Gelsdorf nach dem Aufstieg in die 2. Liga als "Schweineliga" bezeichnete. Zwanziger gab zu, dass DFB und Deutsche Fußball Liga (DFL) das Problem hinausgeschoben hätten: "Wir haben uns in einem Gestrüpp von Regelungen verfangen."

Für das Wochenende hat die Osnabrücker Fanvereinigung "Violet Crew" eine Demonstration unter dem Motto "Amateurteams raus aus Liga 3" angekündigt. Die Regionalliga-Vertreter werden auf dem Bundestag gleich mehrere Anträge einbringen. So wird unter anderem eine Beschränkung der Zahl der Bundesliga-Amateurteams auf maximal zwölf gefordert. Zudem soll der bisher unbeschränkte Einsatz von Jungprofis unter 24 Jahren auf höchstens fünf oder sechs begrenzt werden. Auch sollen sich die Reserveteams nicht mehr für den DFB-Pokal qualifizieren dürfen.

Eine unter anderem von Osnabrück und St. Pauli geforderte eingleisige dritte Profiliga wird es als Lösung allerdings nicht geben. "Dazu verspüren wir keine große Neigung, denn die Vereine, die diese Pläne verfolgen, wollen damit nur an die Fleischtöpfe des bezahlten Fußballs", meint DFL-Präsident Werner Hackmann. Auch den Gedanken von Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, den 2. Mannschaften wie in Spanien sogar den Aufstieg in die 2. Liga zu öffnen, werden kaum Chancen eingeräumt.

Zwanziger hält eine Beschränkung der Zahl der Reserveteams für eine Möglichkeit, brachte aber überraschend noch eine ganz andere Variante ins Spiel. So könnte der Profibereich wie in England eine eigene Nachwuchsrunde organisieren. "Vor ein paar Jahren war das Blödsinn, aber jetzt haben alle Bundesligisten Leistungszentren." So könnte man das Problem in der Regionalliga "von der anderen Seite" lösen. Auf einen "Königsweg" aber wollte sich auch der künftige Verbandschef noch nicht festlegen.

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