Allfinanz-Kooperation mit der Zurich-Gruppe geplant
Kommentar: Die Deutsche Bank geht einen risikoreichen Weg

DÜSSELDORF. Rolf-E. Breuer sieht sich am Ziel. Durch das am Montag verkündete Geschäft mit der Schweizer Zurich-Gruppe und die Übernahme der US-Gesellschaft Scudder schließt die Deutsche Bank nicht nur zu den größten Vermögensverwaltern der Welt auf. Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank kann nach langer Suche auch endlich einen Allfinanz-Partner präsentieren.

Schon lange ist Breuer verzweifelt auf der Suche nach Kooperationen in der Versicherungsbranche. Die Verhandlungen mit der Allianz aus München und die geplante Fusion mit der Dresdner Bank scheiterten spektakulär im vergangenen Jahr. Auch die Gespräche mit dem französischen Axa-Konzern endeten schließlich ohne Ergebnis. Jetzt also ist sich Breuer mit Zurich-Chef Rolf Hüppi einig geworden. Die Schweizer übernehmen von der Deutschen Bank den gut positionierten Versicherer Deutscher Herold und stärken damit erheblich die Position auf dem wichtigen deutschen Markt. Dazu kommt eine weitreichende Partnerschaft. Künftig will Zurich Produkte über das Netz der Deutschen Bank vertreiben. Die Frankfurter wiederum werden in der Vermögensverwaltung für die Schweizer tätig.

Auch Breuer reagiert damit auf den Allfinanz-Trend in der Geldbranche. Dabei hatte er von Anfang an klar gemacht, dass er keinen Finanzkonzern nach dem Vorbild Allianz/Dresdner gründen will. Und die Deutsche Bank geht auch einen grundsätzlich anderen Weg als die mächtigen Konkurrenten aus München. So entschloss sich Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle, die Dresdner Bank vollständig zu übernehmen und einen starken Allfinanz-Konzern zu schaffen. Auch Münchener-Rück-Chef Hans-Jürgen Schinzler ist der Meinung, dass es ohne Beteiligung nicht geht. Der Versicherer übernimmt bei der Hypo-Vereinsbank eine Sperrminorität von über 25 Prozent und damit indirekt das Kommando. Breuer will dagegen mit einer sehr geringen gegenseitigen Beteiligung auskommen.

Doch das Risiko, das Breuer dabei eingeht, ist hoch. Denn für eine funktionierende Allfinanz-Partnerschaft ist eine gemeinsame Strategie entscheidend. Das gilt etwa für die gemeinsame Entwicklung der Produkte, für die Schulung der jeweiligen Mitarbeiter, bis hin zum einheitlichen Auftritt am Markt. Nur so können Synergien in nennenswerter Höhe erzielt werden. Dazu kommt die wichtige Frage, wer welche Margen erhält, wo also das Geld verdient wird. Ob diese schwierigen Punkte in einer vergleichsweise losen Kooperation, wie Breuer sie mit Zurich plant, schnell, verbindlich und tragfähig geklärt werden können, ist zweifelhaft.

Dazu kommt, dass Zurich, zuletzt nach mehrmaligem Strategiewechsel in Turbulenzen, nicht gerade als ein Kleinod der Assekuranzbranche gilt. Die Marktposition der Schweizer ist nicht mit der Allianz und der Axa zu vergleichen. Probleme würde Breuer insbesondere dann bekommen, wenn ein Dritter aus der Geldbranche Zurich eines Tages übernehmen würde. Dann könnte die Deutsche Bank ihre Allfinanz-Pläne begraben. Dazu kommt, dass die Frankfurter bei Scudder schwere Aufräumarbeit leisten müssen. Kein Wunder, dass Breuers Deal bei manchem nach den vergeblichen Anläufen jetzt bestenfalls als eine Verlegenheitslösung gilt.

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