Allianz-Aktie fällt
Dax schließt mit Verlusten

Die mit der Übernahme der Dresdner Bank durch den Versicherer Allianz möglicherweise beginnende Entflechtung des deutschen Finanzsektors hat am Montag den deutschen Aktienmarkt geprägt.

Reuters FRANKFURT. "Das Geschäft ist insgesamt ruhig, im Moment sind aber alle Augen auf die Versicherer und Banken gerichtet", sagte Chiem Pries von der DG-Bank in Frankfurt. Die Kurseinbußen bei den Standardwerten begründete er damit, dass viele Anleger nach den jüngsten Kurszuwächsen bei Finanzaktien nun Gewinne mitnähmen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) weitete im späten Handelsverlauf seine Verluste im Sog nachgebender US-Börsen aus und schloss mit einem Abschlag von 1,2 % bei 5 760 Zählern.

Kursverluste bei den Technologiewerten sowie einigen Standardwerten wurden durch die geplante Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz in den Hintergrund gedrängt. Die Allianz bietet den Aktionären der Dresdner Bank für je zehn Aktien einen eigenen Anteilsschein sowie 200 Euro an. Insgesamt hat das Angebot damit einen Wert von gut 23 Mrd. Euro. Die Allianz kündigte zudem an, Überkreuzbeteiligungen mit dem Rückversicherer Münchener Rück abzubauen. Im Zuge dieser Auflösung wird die Münchener Rück nach eigenen Angaben künftig 25,7 % an der Hypo-Vereinsbank (HVB) halten. Bisher hielt die Münchener Rück an der Hypo-Vereinsbank nach offiziellen Angaben 5,4 %, die Allianz 13,55 %, und die Dresdner weniger als fünf Prozent. Bereits in der vergangenen Woche hatten zahlreiche Finanzaktien deutlich an Wert gewonnen, nachdem erste, von den Instituten zunächst nicht bestätigte Informationen über das Vorhaben bekannt geworden waren.

"Die Entflechtung ist gut, der Markt wartet aber jetzt die Veröffentlichung weiterer Details zu der Übernahme ab", sagte ein Händler. So gebe es beispielsweise Spekulationen am Markt, wonach die Allianz an dem Nürnberger Discount Broker Consors interessiert sei. Am Neuen Markt stiegen die Titel von Consors daraufhin zeitweise um rund ein Fünftel an, die Aktie schloss mit einem Plus von mehr als 16 % bei 28,35 Euro. Händler sagten weiter, zudem werde schon über den Nachfolger für die Dresdner Bank im Dax spekuliert, und dabei tauche oft der Name des Finanzdienstleisters MLP auf. Die Aktien der im MDax notierten MLP zogen um 2,7 % an.

Die Titel der Münchener Rück schlossen entgegen dem Trend der Finanztitel im Dax nahezu unverändert zum Vortagesschluss bei 335,19 Euro. Frank Stoffel, Analyst bei WestLB Panmure in Düsseldorf sagte: "Wir glauben, dass dies (die Aufstockung der HVB-Anteile bei der Münchener Rück) eine positive Sache ist." Dies ermögliche der Münchener Rück, Einfluss auf die Entscheidungen der Hypo-Vereinsbank zu nehmen, da sie dann mehr als 25 % an der Bank halte. "Gut ist auch, dass die Münchener Rück die Risiken der Hypo-Vereinsbank nicht übernehmen muss, da sie nicht vollständig konsolidiert wird."

Die Aktien der Hypo-Vereinsbank schlossen 0,5 % schwächer bei 60,88 Euro. Allianz gaben um mehr als drei Prozent 317 Euro und die der Dresdner Bank um 1,3 % auf 50,75 Euro ab. Die Anteilsscheine der Dresdner waren dabei mit mehr als 13 Mill. gehandelten Papieren mit großem Abstand Umsatzspitzenreiter im elektronischen Handelssystem Xetra. Commerzbank verloren mehr als zwei Prozent an Wert.

Ebenfalls zu den Verlierern gehörten Technologieaktien, die mit einer im Handelsverlauf stärker nachgebenden US-Technologiebörse Nasdaq ihre Verluste ausbauten. Die Aktien von SAP schlossen mit einem Verlust von 4,9 % bei 122,60 Euro, die von Infineon verloren mehr als sechs Prozent an Wert. Die US-Börsen hatten kurz nach der Veröffentlichung eines überraschend starken Indexes der US-Einkaufsmanager (NAPM) für März Gewinne verbuchen können. Der unerwartete Anstieg des NAPM auf 43,1 Punkte von 41,9 im Februar habe dem Aktienmarkt etwas Auftrieb gegeben, sagten Händler. Zwar hätten die US-Konjunkturdaten Hoffnungen auf eine weitere deutliche Senkung der US-Leitzinsen durch die US-Notenbank (Fed) untergraben, hieß es. "Es geht am Markt jetzt nicht mehr so sehr um eine Zinssenkung, sondern man hofft eher darauf, dass die US-Konjunktur anspringt", sagte Alexander Koch, Aktienhändler bei der KBC Bank Deutschland. Im weiteren Handelsverlauf in den USA hätten jedoch Händlern zufolge die Befürchtungen über weitere Gewinnwarnungen von Unternehmen bei den Investoren überwogen. Der Industriewerte-Index Dow Jones notierte bei Frankfurter Börsenschluss 1,7 % in der Verlustzone, der technologielastige Nasdaq-Index verlor mehr als drei Prozent.

An der Spitze der Gewinnerliste im Dax standen mit einem Plus von rund 2,2 % auf 41,61 Euro die Papiere von RWE . Der Stromkonzern EnBW hatte gemeinsam mit seinem spanischen Partner Ferroatlantica im Bieterwettbewerb um den spanischen Stromversorger Cantabrico am Wochenende das Übernahmeangebot erhöht. RWE bietet ebenfalls für Cantabrico.

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